USA: Schulprofile (Select)

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Melanie, GLS Partnerin im USA Select Programm

Melanie Smith (rechts), mit Verena von GLS. Das Foto entstand in Seattle bei Verenas letztem Besuch bei den GLS Partnern in den USA.

 


Über Melanie Smith: Sie ist Senior Director der GLS Partnerorganisation im USA Select Programm, d.h. in dem Programm, bei der du dir anhand dieser Google Map eine ganz bestimmte High School in den USA aussuchen kannst. Sie lebt in Phoenix Arizona, ist aber oft in den USA unterwegs. Verena z.B. hat sie in Seattle getroffen und zu ihrer Arbeit befragt.

Wie sind Sie zur Arbeit mit Austauschschülern gekommen?

Im Jahre 2006 haben meine Familie und ich die ersten Austauschschüler aufgenommen und seitdem immer wieder. Wir hatten fast immer zwei Schüler in unserem Haus, weil es die Eingewöhnung für die Jugendlichen einfacher macht und auch die Logistik für uns in vielen Fällen erleichtert hat. Ich war also schon eine erfahrene Gastmutter, als eine Betreuerin von der Organisation Educatius mich ansprach bzgl. Unterstützung für andere internationale Schüler. Da ich meinen Job als Kindergärtnerin kurz vorher aufgegeben hatte, widmete ich mich immer mehr den Austauschschülern und anderen Gastfamilien. Das Hobby nebenbei wurde dann zum Fulltime Job ...

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?

BUSY;-)) Feste Arbeitszeiten gibt es in diesem Job eigentlich nicht. Ich stehe meist um 5 Uhr auf, checke meine Emails und verbringe fast den ganzen Tag vor dem Computer oder am Telefon. Kommunikation halte ich mit allen unseren Regional Managers und Local Coordinators, den Büros in Arkansas und Boston, mit Gastfamilien, Schulen, Austauschschülern und manchmal auch mit den Partnern in Europa wie GLS. Die Zeitverschiebung gibt es natürlich auch innerhalb der USA z. B. von Westküste zu Ostküste und das macht die Kommunikation in manchen Fällen etwas schwierig. Als Director habe ich eigentlich immer meine Finger im Spiel und bin vor allem Ansprechpartner bei Notfällen oder Problemen.

Was beinhaltet die Betreuung von Schülern und Gastfamilien?

Die Koordinatoren bei Educatius sind gleichermaßen für Schüler und Gastfamilien verantwortlich. Wir setzen hohe Maßstäbe bei der Betreuung und einmal im Monat müssen sich die Betreuer bei den Schülern/Gastfamilien und Schulen melden, um nach dem Stand der Dinge zu fragen. Dies sollten die Schüler auch nicht als „lästiges Unterfangen“ ansehen, sondern als Chance sehen und über positive oder auch negative Dinge zu berichten. Die Betreuer sind nicht automatisch auf der Seite vom Schüler, sondern funktionieren als Vermittler, wenn tatsächlich mal eine Problemsituation da ist. Viele Koordinatoren sind schon lange bei Educatius, haben selbst oft Austauschschüler bei sich und wissen, welche Dinge die Jugendlichen beschäftigen können. Meist haben die Betreuer noch einen zusätzlichen Job, sind aber selbstverständlich immer per Telefon/Email oder auch persönlich zu erreichen.

Wie suchen Sie die Gastfamilien und vermitteln die Schüler?

Für viele Gastfamilien gehört es schon zum Familienalltag dazu, jedes Jahr wieder Austauschschüler aufzunehmen. Manchmal gehen bei uns Empfehlungen ein für Familien, die eine gute Gastfamilie darstellen würde, sich aber bis jetzt noch nicht beworben hat. Ganz oft sind es aber auch simple Methoden wie Aushänge in Kirchen, Schulen oder Gemeindehäusern, Anzeigen in lokalen Publikationen oder persönliche Anfragen, die zu neuen interessierten Gastfamilien führen. Gastfamilie wird man nicht einfach so. Wir arbeiten im Sinne des CSIET, Council on Standards for International Educational Travel, und unsere Gastfamilien müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Wie Austauschschüler, müssen auch Familien eine Bewerbung ausfüllen, drei Referenzen angeben, einen criminal background check für alle im Haushalt lebenden Personen über 18 durchführen lassen , und ein Educatius Koordinator besucht die Familie und schaut sich das Haus an. Dieser Prozess kann manchmal etwas länger dauern, und dann schauen wir von Educatius, welcher Schüler gut zu welcher Gastfamilie passen würde. Hobbies und Alter der Schüler spielen hier z. B. eine wichtige Rolle

Was ist Ihre schönste Erinnerung an einen Austauschschüler?

Vor einigen Jahren hatten wir einen chinesischen Schüler, der sehr große Probleme mit Englisch hatte, für zwei Schuljahr in meiner Familie in Phoenix. Eigentlich konnte er so gut wie kein Wort Englisch und verbrachte daher auch den Großteil des Tages mit seinem Laptop alleine im Zimmer. Wir haben ihn quasi „gezwungen“, natürlich in netter Weise;-)), an seinen Englischkenntnissen zu arbeiten und haben hart mit ihm gearbeitet. Angefangen mit Kinderfilmen wie Disney, bis zu normalen Filmen oder Serien aber ohne Untertitel bis hin zu reiner mündlicher Kommunikation ohne Texte oder Wörterbuch. Er hat den High School Abschluss geschafft und nach 6maligen Versuch den TOEFL Test erfolgreich zu bestehen, wurde er an der sehr guten Michigan State University zum Studium angenommen. That made my day! Meine gesamte Familie war so stolz auf ihn und wir sind noch immer in gutem Kontakt. Das zeigt mir, dass sich alle Mühen immer lohnen!

Was raten Sie den Eltern hier, die ihre Kinder für längere Zeit ins Ausland entlassen?

Ich bin selbst Mutter von fünf Kindern und weiß, wie schwierig „loslassen“ sein kann. Die Schüler erleben während der Zeit in den USA so viel und entwickeln sich weiter. Dazu gehört auch, dass man selbstständig wird, eigene Entscheidungen treffen und auch mal kleinere Probleme selbst meistern muss. Educatius ist dafür da, zu unterstützen und zu helfen, daher ist es sinnvoll, wenn sich Eltern nicht zu sehr involvieren und uns vertrauen.

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