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Sprachreisen: Erfahrungsberichte

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Name:
Tobias Hassmann
Aus:
Augsburg
Wo:
Vancouver, Kanada
Wann:
2010
GLS-Programm:
Sprachreisen für Erwachsene

Hier der Bericht von Tobias Hassmann:

 

Woran denken Sie als erstes, wenn Sie an Ihre Sprachreise denken?

Die Sprachreise war ein beeindruckendes Erlebnis, das ich jedem Jungzwanziger, der die Möglichkeit dazu hat, ein paar Monate ins Ausland zu gehen, nahelegen möchte. Erstens war es eine grandiose Erfahrung, zweitens entwickelt man sich in Sachen Selbständigkeit weiter, drittens verbessert man natürlich (sofern man den Willen dazu hat) seine Fremdsprachenkenntnisse (in meinem Fall Englisch) und viertens lernt man eine Vielzahl neuer Leute aus vielerlei Ländern kennen.

 

Wie war der Kursort? Die Sprachschule?

Vancouver hat den Ruf, eine der schönsten Städte der Welt zu sein und wird diesem Ruf meiner Meinung nach auch gerecht. Wenn man vielleicht von dem einen oder anderen Eck der Stadt (wie in jeder Stadt) und einer Vielzahl von aufdringlichen Bettlern absieht, kann man sich dort sowohl an einem typisch nordamerikanischen Stadtbild mit vielen Hochhäusern (allerdings nicht so hoch wie in vielen anderen Metropolen), ein herrliches Bergpanorama und direkten Zugang zum Pazifik erfreuen. Einer meiner Lehrer formulierte es treffend: In welcher Stadt auf der Welt kann man schon morgens segeln, nachmittags golfen und abends Schi fahren? Die Gegend ist landschaftlich sehr anspruchsvoll und hat auch kulturell einiges zu bieten, nicht zuletzt dank der Verbundenheit zu den First Nations und den Unmengen an dort lebenden Asiaten. Positiv für mich war, dass dieses Jahr das Wetter zu dieser Jahreszeit besser war als sonst, normalerweise regnet es den ganzen Winter und Frühling, was der Stadt den Namen "Raincouver" eingebracht hat. Zusätzlich konnte ich noch etwas vom olympischen Flair mitnehmen, auch wenn ich nur die Paralympics miterlebt habe. Das ÖPNV-Netz ist sehr gut, allerdings mit der Einschränkung, dass man Probleme hat, damit Vancouver Richtung Osten zu verlassen. Allerdings erreicht man mit privaten Busunternehmen Whistler und Vancouver Island ziemlich gut. Verglichen mit Deutschland waren manche Preise (v.a. für Lebensmittel) ziemlich teuer, die Schweizer z.B. fanden es jedoch recht billig. Ich könnte noch viel mehr erzählen, aber das würde wohl den Rahmen sprengen.

Die Sprachschule in Vancouver war eine der besseren. Ich kann das insofern beurteilen, da ich auch Schüler anderer Sprachschulen kennengelernt habe. Die Schule ist glaube ich die älteste, aber nicht die größte in Vancouver (da gibt es sehr viele). Sie erstreckt sich über 4 Stockwerke in einer Art Bürogebäude und bietet eine Vielzahl von Kursen, frei zugängliche PCs, einen Computerraum, einen Pausenverkauf, zumeist helle Klassenzimmer, zahlreiche Sitzecken, Mikrowellen usw.

Weiterhin gibt es eigenen Activity-Koordinator für das Freizeitprogramm neben dem Unterricht. Den Unterricht selber zu beurteilen ist schwierig, da ich nur 2 Monate halbtags die Schule besucht habe und demnach nur 2 Kurse und 2 Lehrer hatte. Meine beiden Lehrer waren auf jeden Fall gut. Im ersten Monat habe ich den Kurs "International Business Advanced" (5 Schüler) besucht und im zweiten, da es keinen höheren Business-Kurs mehr gab, einen IELTS-Vorbereitungskurs (im Schnitt 8-10 Schüler). Aufgrund der geringen Klassenstärke war der Unterricht sehr interaktiv, was den Sprachgebrauch unheimlich fördert. Die zur Verfügung gestellten Unterlagen waren auf jeden Fall hilfreich und der gelehrte Stoff ebenso. Allerdings hängt der Nutzen des Unterrichts meines Erachtens sowohl vom Lehrer als auch vom individuellen Engagement ab. Es herrscht eine strikte "On Time Policy" (d.h. wer nicht pünktlich um 9 Uhr im Klassenzimmer ist, darf erst ab 9.30 Uhr teilnehmen) und es gibt ein vorgegebenes Bewertungsmuster. Falls ich mich recht erinnere, bestehen 20% der Note aus Writing, 20% aus Speaking, jeweils 10% aus Listening und Reading (bitte nicht darauf festnageln!) sowie 40% aus freitäglichen Tests (quizzes), die das unter der Woche Erlernte abfragen. In den Exam Preparation Courses gibt es keine Bewertung, dafür jeden Freitag Probeexamen. Erwähnenswert, aber wohl auch selbstverständlich, ist, dass "English only" gilt und man bei Verstoß sogar Abzüge kassieren kann.

 

Was war anders im Kurs, verglichen mit Fremdsprachenunterricht z.B. an der Uni/Schule/VHS?

Verglichen mit Fremdsprachenunterricht an der Uni oder an der Schule machen sich auf jeden Fall die geringe Klassengröße und die damit verbundene Interaktivität positiv bemerkbar. Man muss sich nicht andauernd melden, sondern diskutiert offen. Im Kurs "International Business Advanced" lag der Fokus nicht so sehr auf dem Erlernen neuer Grammatik, sondern v.a. auf dem Einführen businessspezifischen Wortschaftzes und der Anwendung der im Business gängigen Sprache anhand von praxisnahen Wirtschaftsthemen. Allerdings ist der Schwerpunkt das Lehren der Sprache und nicht von wirtschaftlichen Inhalten. Ich hatte zwar keinen Nachmittagsunterricht, aber von anderen habe ich gehört, dass nachmittags Kurse für die richtige Wortbetonung, Vertiefungsstoff, Workplace Readiness und dergleichen angeboten werden, die mal mehr, mal weniger hilfreich sind. Hausaufgaben sind durchaus möglich (hängt vom Lehrer ab), aber anders als in der Schule fehlt den Lehrern oft ein richtiges Druckmittel, um sie einzufordern. Selbstverständlich ist es empfehlenswert, diese zu machen, schließlich zahlt man ja dafür, dass man sein Englisch verbessert.

Ansonsten fallen mir keine möglichen Unterschiede zu Fremdsprachenunterricht an der Schule oder der Uni ein.

 

Aus welchen Ländern kamen die anderen Kursteilnehmer? War es leicht, ins Gespräch zu kommen?

Im Großen und Ganzen gab es drei bis vier größere Blöcke von Weltregionen, aus denen die Kursteilnehmer i.d.R. stammen. Einer dieser Blöcke ist Mitteleuropa - ein paar Deutsche, Franzosen, Holländer, Tschechen und v.a. jede Menge Schweizer aus sämtlichen Sprachregionen (bei denen ist so eine Sprachreise wohl Standard). Der zweite Block und womöglich größte Block bestand aus Koreanern (nur wenige Japaner, ich weiß nicht warum). Viele Leute kommen außerdem aus Südamerika, speziell Brasilien, aber ich habe auch Leute aus Kolumbien, Venezuela und Chile getroffen. Nennenswert ist noch eine durchaus wahrnehmbare Gruppe von Studenten aus arabischen Ländern.

Als Europäer kommt man natürlich mit anderen Europäern sehr leicht ins Gespräch. Empfehlenswert ist es allerdings, im Englischen zu verbleiben, auch wenn es manchmal verlockend ist, mit Deutschsprachigen deutsch zu sprechen. Mit Koreanern ist es manchmal schwieriger, da sie oft nicht gewohnt sind, von sich aus zu sprechen. Sie sind oft schweigsam und bleiben manchmal auch gern im Block. Spricht man sie allerdings an, kann man eigentlich immer ins Gespräch mit ihnen kommen. Ein Koreaner war das krasse Gegenteil, er war unangenehm aufdringlich, aber kann ja mal vorkommen. Die Südamerikaner sind sehr offen und immer für ein Gespräch zu haben, außerdem wird viel umarmt und gebusselt. Angesichts ihrer oft schlechteren Englischkenntnisse weichen sie allerdings untereinander sehr oft in ihre Muttersprache aus, was es manchmal schwierig macht. Die Araber waren ganz normal zu sprechen, allerdings sollte man sich beim Tanzen von ihnen fernhalten, da kann es schon einmal sehr wild werden, die tanzen alle wie in Musikclips, unglaublich.

 

Was haben Sie nach dem Kurs unternommen bzw. haben Sie an von der Schule angeboteten Aktivitäten und Ausflügen teilgenommen?

Außerhalb der Schule gibt es in Vancouver genügend Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Es gibt zahlreiche Museen, man kann gerade an der Seawall oder im Stanley Park schön spazieren gehen (die Stadt war sehr gepflegt), im Sommer kann man am Strand baden, man kann ein großes Aquarium mit Belugas und Delfinen besuchen u.v.m.

Ich persönlich habe auf meine letzten Tage hin auch noch am Marathon teilgenommen. Quasi ein Muss ist auch der Besuch eines Eishockeyspiels (ist dort wie eine Religion!), am Besten des NHL-Teams der Vancouver Canucks im General Motors Place. Allerdings sind die Tickets nicht ganz billig (glaube 40$ aufwärts, Playoffs teurer), trotzdem ist die Arena mit über 18000 Zuschauern seit über 400 Spielen in Serie ausverkauft.

Die Schule veröffentlicht monatlich einen Activity Schedule mit zahlreichen Unternehmungen. Während unter der Woche eher kleinere Sachen wie gemeinsame Pub-Besuche usw. anstehen, kommen am Wochenende auch mal größere Trips zustande. Ich selbst bin mit der Schule auf 2-Tages-Trips nach Victoria (Hauptstadt von British Columbia, auf Vancouver Island) und Seattle. Es gab aber auch weitere Angebote, z.B. 3-Tages Trips nach Whistler (dort war ich auf eigene Faust) und im Big White Ski Ressort. Weitere Schulaktivitäten, an denen ich teilgenommen habe, waren (mitunter Wander-)Ausflüge zum Lynn Canyon Park, zur Capilano Suspension Bridge, auf den Grouse Mountain und nach Bowen Island. Einmal habe ich auch an einem Fußballnachmittag teilgenommen, an dem wir mit einer Weltauswahl Brasilien besiegt haben. Nicht zu vergessen natürlich die legendäre Boat Cruise Party Ende April, die einmal im Jahr stattfindet und mit ca. 300 Studenten das größte Event im ganzen Jahr ist.

 

Wo und wie haben Sie gewohnt?

Meine Unterkunft war das YWCA Hostel in Downtown Vancouver. Dieses ist normalerweise auch über GLS buchbar, da ich aber während des Olympia-Trubels angereist bin, war während dieser Zeit das GLS-Kontingent nicht zugänglich und ich musste selber buchen. Die Lage ist perfekt, je nach Gehtyp 5-10 Gehminuten von der Schule entfernt, direkt gegenüber dem BC Place Stadium und nur einen weiteren Steinwurf entfernt vom GM Place, der Heimstätte der Canucks. Auch die traumhafte Seawall, das markante Telus Science World Museum, die Shopping-Meile Robson Street, das Pacific Centre, Chinatown und Gastown waren einfach zu erreichen. Das Preis-/Leistungsverhältnis soll eines der besten in Vancouver sein. Das Zimmer war ausreichend groß mit Waschbecken, Schreibtisch, Kühlschrank usw., nur die Vorhänge und die Bettdecke waren farblich gewöhnungsbedürftig. Mindestens eine Toilette und eine Dusche auf jedem Gang, ich hatte keine Probleme mit der Verfügbarkeit. Weiterhin gibt es alle 2-3 Stockwerke Gemeinschaftsräume mit Fernsehgeräten, Küchen (insgesamt 3 große mit allerlei Schnickschnack) sowie Räumen mit Waschmaschine und Trocknern (jeweils 2$ pro Benutzung). Das Personal war stets freundlich, hin und wieder hätte es ein bisschen sauberer sein können. WLAN ist gegen Aufpreis verfügbar (Monatsrate 33$), zusätzlich stehen in der Lobby 1 Drucker und 4 Rechner zur Verfügung, an denen man allerdings 1$ für 7,5 Minuten Internet bezahlt. Weiterhin gibt es Münztelefone, Süßigkeitenautomat, Eiswürfelautomat und ein Cafe.

Insgesamt war ich mit der Unterkunft sehr zufrieden, wenngleich diese Variante angesichts selbst zu tragender Kosten für Essen die teurere Alternative ist. Auf der anderen Seite muss man dafür nicht jeden Tag 20-60 Minuten in die Stadt fahren, sondern ist zu Fuß sehr gut unterwegs. Außerdem leben dort viele weitere Sprachschüler mit ähnlichen Interessen.

 

Haben Sie Tipps für andere, die sich für diesen Kursort/diese Sprachschule interessieren?

Wer die Innenstadt vorzieht und zudem Langschläfer ist, sollte, falls finanzierbar, eher die Hostel-Unterkunft in Downtown vorziehen, zumal man dort auch leicht Kontakte knüpfen kann.

Generell würde ich empfehlen, zum jeweils angegebenen Kursbeginn einzusteigen. Ein Einstieg ist zwar auch mittendrin möglich, aber vielleicht mitunter etwas verwirrend.

Unbedingt die Wochenendtrips mitmachen, da man dort die anderen Studenten noch besser kennenlernt und es oft billiger ist als alleine zu reisen!

Habe sie zwar nicht gebraucht, weil ich nicht eitel bin, aber Regenklamotten wären nicht unpraktisch.

Zum Weggehen kann ich unbedingt das Roxy in der Granville Street empfehlen, jeden Freitag mit Live-Band, da lohnen sich auch die 12$ Eintritt garantiert. Donnerstags ist oft eine preiswerte (sofern Free-Ticket an der Schule ergattert) internationale Studentenparty in der nahegelegenen Au Bar statt, allerdings ist die Party dort fast jede Woche die gleiche.

Sollte man wirklich bereits sehr gut in Englisch sein, sollte man sich überlegen, ob man wirklich die Sprachreise machen will, da des höchste angebotene Kurslevel Level 10 ist.

Ansonsten obliegt es den jeweiligen individuellen Präferenzen, wie man seine Sprachreise gestalten will. Ich stehe für Fragen diesbezüglich gerne zur Verfügung.

 

 

 

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