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Sprachreisen: Erfahrungsberichte

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Name:
Lukas
Aus:
Gießen
Wo:
Санкт-Петербург, Russland
Wann:
2017
GLS-Programm:
Sprachreisen für Erwachsene

Hier der Bericht von Lukas:

 

Woran denken Sie als erstes, wenn Sie an Ihre Sprachreise denken?

Als erstes denke ich an meine warmherzige und nette Gastgeberin, die interessanten Bekanntschaften und die witzigen gemeinsamen Erkundungstouren im sommerlichen Sankt Petersburg. Herrlich.

Wie war der Kursort? Die Sprachschule?

Die Sprachschule in Sankt Petersburg ist sehr eng aber modern ausgestattet.

Es gibt alles, was man sich wünschen kann, nur auf ziemlich kleinem Raum. Vom Format her befindet sich dort alles quasi in einem einzigen langen Gang von etwas weniger als einem Meter breite, von dem seitlich die übrigen Räume abgehen. Die Klassenräume sind mit 5-8 (je nach Klassenraum) Personen + Lehrer meistens schon ausgelastet, also ziemlich klein, was aber kein Nachteil ist, weil man sich a) gegenseitig nicht aus dem Weg gehen kann und b) die Gruppengröße entsprechend begrenzt ist.

Das Angebot an Nachmittagsprogramm ist ausgiebig und wird auch von vielen Schülern genutzt. Es bedient sowohl touristische, als auch kulturielle Ansprüche. Ich habe im Rahmen dieser Angebote unter anderem an einer Tour der Sankt Petersburger Metro, einer Führung durch den Peterhof, als auch an einem Kneipentour teilgenommen.

Was war anders im Kurs, verglichen mit Fremdsprachenunterricht z.B. an der Uni/Schule/VHS?

Der Hauptunterschied ist, dass der Unterricht komplett in russischer Sprache abgehalten wird. Es gibt keine Brückensprache.

Ich wurde bei der Ankunft in der Sprachschule in den B1-Kurs einsortiert, also in einem vom Niveau her recht hohen Kurs da. Der war mir vom Niveau her aber zu hoch, sodass ich nach einigen Tagen in den A2-Kurs runtergewechselt habe. Wenn das Niveau nicht passt, kann man das also sehr leicht feinjustieren, weil es wirklich viele simultane Gruppen gibt, insbesondere in den niedrigen und mittleren Leveln.

Ansonsten ist der Kenntnisstand der Schüler in den Gruppen zwar auf ähnlichem Niveau aber im Detail dann sehr unterschiedlich. Man hat selten die gleiche Schnittmenge, weil die Schüler als völlig unterschiedlichen Regionen der Welt kommen. In meinem A2-Kurs war zB eine Slowenin, eine Belgierin, ein Koreaner und ich aus Deutschland. Dadurch entstehen automatisch im Unterricht Phasen, die einem leicht fallen, sowie Phasen, die sehr sehr fordernd sind.

Das Tempo allgemein ist sehr hoch und die Themen werden meines Erachtens nach deutlich detaillierter behandelt, als das in meinem VHS-Kurs in Deutschland der Fall ist. Dadurch nimmt man auch bei Teilen, die man grundsätzlich schon kann/schon mal gelernt hat, immernoch viel neues mit, weil man diese Feinheiten zusätzlich aufgreift.

Aus welchen Ländern kamen die anderen Kursteilnehmer? War es leicht, ins Gespräch zu kommen?

Bezüglich der Herkunft der anderen Teilnehmer gab es einen klaren Schwerpunkt in Europa. Ein bestimmtes Land, in dem es einen Schwerpunkt gab, lässt sich nicht benennen. Ich glaube, dass es dort aus nahezu jedem Land West- und Mitteleuropas Leute gab. Ansonsten gab es noch Teilnehmer aus vielen anderen Ländern der Welt, ua. Kolumbien, Brasilien, Südkorea oder auch den USA.

Ins Gespräch kam man in der Regel sehr leicht, die Herkunft und die Gründe für das Studium der russischen Sprache waren meist der Ansatzpunkt für weitere Konversation. So haben sich häufig auch internationale Gruppen für verschiedene gemeinsame Aktivitäten nach dem Unterricht in der Stadt gefunden.

Was haben Sie nach dem Kurs unternommen bzw. haben Sie an von der Schule angeboteten Aktivitäten und Ausflügen teilgenommen?

An den ersten Tagen habe ich vornehmend die Stadt erforscht und versucht, mich zurecht zu finden. Es gab also einige Erkundungstouren (eine mit Führerin aus der Sprachschule, im Rahmen des Exkursionsangebots, die übrigen auf eigene Faust) durch die Innenstadt Sankt-Petersburgs. Danach folgte die Besichtung der Pflicht-Sehenswürdigkeiten und verschiedener Museen, meist in Gruppen von Schülern mit wechselnder Besetzung. Das Exkursionsangebot der Sprachschule habe ich dabei auch ausgbiebig genutzt, wenn es sich mit meinen Interessen gedeckt hat. Die Exkursionen waren interessant und meist kostenlos (oder zumindest deutlich günstiger, als die touristischen Exkursionsangebote). Eventuelle Eintritts- oder Rieisekosten waren meistens selbst zu tragen. Neben dem kulturellen Programm entstanden aber auch andere Aktivitäten in den Schülergruppen nach dem Unterricht, so war ich zB mit anderen Russischlernenden zusammen im Kino, ein Hollywood-Film in russischer Übersetzung wurde gesichtet. ;-)

Am Wochenende haben wir uns zudem zu gemeinsamen Unternehmungen im Sankt Petersburger Nachtleben verabredet, das sich uns vielseitig und lohnenswert präsentiert hat.

Wo und wie haben Sie gewohnt?

Ich habe im Zentrum Sankt Petersburg, unweit der Metrostation Сенная Площадь in einer Gastfamilie gewohnt.

Die Sprachschule war für mich in ~20 Minuten zu Fuß zu erreichen, die Metrostation war etwa 5 Gehminuten entfernt.

Da die Sankt Petersburger Metro sehr tief unter der Erde liegt und das Betreten der Metro dadurch recht langwierig ist, bin ich immer zu Fuß zur Schule gegangen.

Die Wohnung in der ich gewohnt habe, war schön, ordentlich und sauber, mein Zimmer geräumig und gut ausgestattet. Ich hatte einen eigenen Fernseher (von dem ich nur einmal gebrauch gemacht habe) und die Wohnung war sogar mit einem eigenen Boiler ausgestattet, sodass es sogar warmes Wasser gab, als das warme Wasser in meinem Stadtteil für die jährlichen Wartungsarbeiten abgeschaltet wurde.

Das Treppenhaus zur Wohnung wirkte eher abstoßend und hat mich im ersten Moment schon etwas verschreckt, nach 2 Tagen hatte ich mich daran aber auch gewöhnt. :)

Meine Gastgeberin war eine 71-jährige Russin, die einzelne Zimmer ihrer Wohnung wohl häufiger an Ausländer vermietet. Es fanden sich viele Dankesschreiben aus verschiedenen Ländern der Erde in einer Ecke meines Zimmers. Konversation mit ihr war nur auf russisch möglich, da sie keine andere Sprache spricht. Das hat, im Zweifelsfall mit Händen und Füßen als Hilfsmittel, auch sehr gut geklappt. Sie war sehr herzlich, freundlich und was den sprachlichen Fortschritt anging, auch fordernd, da sie immer nach den Aktivitäten des Tages fragte, sodass ich dann gezwungen war, auf Russisch davon zu berichten. :)

Haben Sie Tipps für andere, die sich für diesen Kursort/diese Sprachschule interessieren?

Wenn Sie sich für eine Sprachreise interessieren, wählen Sie auf jeden Fall die Unterkunft in einer Gastfamilie. Die WGs sind zwar auch nett aber die Umgangssprache wird in der Regel Englisch sein, was den Lerneffekt natürlich dämpft.

Ansonsten Mut zusammen nehmen und einfach fahren. Man kommt auch ohne große Vorkenntnisse gut zurecht und nimmt sehr sehr viel mit. Ich habe jede Sekunde meiner Sprachreise genossen, abgesehen vielleicht von den 2 Stunden in Warteschlangen am Flughafen Pulkovo bei der Rückreise. :)

 

 

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