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G8 und Schüleraustausch

Lohnt es sich, trotz G8 und Schulzeitverkürzung zum Schüleraustausch ins Ausland zu gehen? Dazu zwei, die es ausprobiert haben:

Erfahrungen mit G8 und G9

Carla (G8)

Carla war für ein Halbjahr mit GLS in Kanada: sie ist im 1. Halbjahr der 10. Klasse gegangen und dann zu Hause im 2. Halbjahr wieder eingestiegen.Carla über ihre Erfahrungen:

"Die Schulzeitverkürzung in NRW und in anderen Bundesländern brachte schon viele Probleme mit sich und während dieser Zeit ein Auslandsjahr zu machen war nicht einfach. Niemand wusste so richtig, ob man eigentlich ins Ausland gehen kann, was es für Bestimmungen gibt und meine Schule händigte mir Formulare aus, die alt waren.

Doch wenn man ein Auslandsjahr machen möchte, dann schafft man das! Auch mit G8!

Die Schulen müssen sich zwar auch erst an die neue Situation gewöhnen – und manche machen dies schneller und manche langsamer – aber weitergehend kann man in die Schullaufbahn ruhig ein Auslandsjahr einschieben, was neuen Antrieb gibt und Erfahrungen mit sich bringt, die einem niemand nehmen kann und ein ganzes Leben anhalten.

Es ist etwas ganz spannendes und aufregendes auf eine Schule im Ausland zu gehen. An meiner Schule in Kanada habe ich mich viel wohler gefühlt, da alles persönlicher ist und die Lehrer sich sehr um einen bemühen und eine freundschaftliche Basis entsteht. Das Niveau im Ausland war zwar nicht Gymnasialniveau, aber dafür habe ich andere wichtige Dinge, außerhalb des Akademischen, gelernt.

Ich habe im Schulchor gesungen, ein Fotografie-Projekt gemacht und habe etwas über die Entstehung Kanadas gelernt. Das waren Erfahrungen, die ich in Deutschland nie hätte machen können. Es hat sich sehr gelohnt und ich bereue diesen Schritt nicht.

Wenn ein ganzes Jahr aus schulischer- oder finanzieller Sicht nicht möglich ist, dann sollte man wenigstens ein paar Monate ins Ausland gehen, damit man die Ferne schnuppert und Lust auf mehr bekommt."

Familie Deutsch

Nicolai (G9) hat in Neuseeland in 1,5 Jahren einen Schulabschluss gemacht, der als Abitur-Äquivalent in Deutschland anerkannt wurde (mehr zum neuseeländischen Abitur). Seine Schwester Lara ist G8 Jahrgang: Sie wird demnächst für ein halbes Jahr dieselbe Schule in Auckland besuchen wie ihr Bruder. Im Gegensatz zu Nicolai geht Lara schon in der 10. Klasse nach Neuseeland.

Fragen an die Eltern der beiden:

Hat die Schulzeitverkürzung Einfluss gehabt auf die Entscheidung, die Kinder ins Ausland gehen zu lassen?

Nein, wir persönlich halten es generell für wichtig, dass unsere Kinder ins Ausland gehen, egal ob G8 oder G9.

Gab es Unterschiede, bedingt durch die Änderung von G9 auf G8, die Sie gravierend finden?

Ja, wenn die Kinder in der 10. Klasse gehen "gefährden" sie ihren Mittleren Reife Abschluss. Sie bekommen eventuell schlechtere Noten durch Fehlzeiten oder die Schulen stellen für diese Jahrgänge gar nicht erst frei. In der 11. Klasse kann niemand mehr gehen, der überspringen möchte, da danach direkt das Abi kommt. Man müsste also, wenn man 1 Jahr gehen will, die 11. Klasse wiederholen, was nicht jeder möchte. Eine gute Alternative ist natürlich im G8-Zug ein Auslandsaufenthalt nach der 10. Klasse oder erst Mitte der 11. zu gehen und z.B. in Neuseeland seinen Abschluss zu machen, so wie es Nico gemacht hat.

Würden Sie Schülern raten, für ein ganzes Jahr oder länger ins Ausland zu gehen oder eher einen kürzeren Zeitraum empfehlen?

Ein Jahr halten wir als Eltern persönlich für ideal. Nico war eineinhalb Jahre weg, das war für uns lange, für ihn eher nicht. Je länger man weg ist desto schwerer fällt auch der Abschied im Gastland, denn man hat sich in dieser Zeit ja ein komplett neues Leben aufgebaut. Unser Sohn vermisst die Freunde aus Neuseeland sehr. Wir hatten Glück, der Freundeskreis daheim hat sich weitgehend so verhalten als sei er nur mal kurz weg gewesen.

Unsere Tochter möchte nicht wiederholen und auch nicht den Abschluss in Neuseeland machen, daher können wir sie wegen des G8-Zuges nur ein halbes Jahr schicken. Das nimmt der Sache so ein bisschen den Ernst und birgt die Gefahr, dass der Aufenthalt mehr Urlaubscharakter als Schulcharakter bekommt - befürchten wir jedenfalls.

Hat sich Ihr Sohn durch den Auslandsaufenthalt verändert?

Nur positiv! Er hat einen neuen Blickwinkel für andere Länder und für Deutschland bekommen: Auf einmal ist in Deutschland nicht mehr alles schlecht. In anderen Ländern gibt es auch Negatives. Außerdem Selbstständigkeit und persönliche Entwicklung und dass er einen Entschluss gefasst hat, was er in Deutschland machen will (damit er einen Beruf erlernen kann, in dem er so viel verdient, dass er mal wieder nach NZ auf einen Besuch kann). Er will nicht an einem Supermarkt die Tüten packen, diese Einstellung der Neuseeländer hat ihm z.B. gar nicht gefallen, was uns Eltern auch freut.

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