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Wie sieht die Betreuung im Internat aus?

Internatsschulen in London

Dazu Pam Jeffree: Sie ist House Mistress in einem der 3 Internate in London, mit denen GLS kooperiert (Royal Russell School - zum Schulprofil).

Pam, was sind Ihre Aufgaben als House Mistress im Internat?

Ich bin als House Mistress verantwortlich für 2 Internatshäuser mit über 70 Jungs. Eigentlich bin ich wie eine „Mutter“ für die Jungs, eine Tatsache, die die eigentlichen Mütter der Jungs sehr beruhigend finden. Ich bin da für all ihre Sorgen und Nöte, oft hilft bereits ein aufmunternder Blick und ein paar ermutigende Worte, denn wir sind sehr bemüht ihnen ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Ich begrüße sie morgens, plaudere ein bisschen mit ihnen um zu sehen, ob es ihnen gut geht.

Ich gucke, dass die Jungs ihr Zimmer in einem angemessenen Zustand sauber halten (jedoch nicht ganz so zwanghaft, da es sich schließlich um Jugendliche handelt und wir natürlich möchten, dass sie sich wie zu Hause fühlen). Ich kümmere mich um ihre Wäsche und bringe sie zur Wäscherei auf unserem Gelände. Ich bin da, wenn die Schüler von der Schule zurückkommen, begrüße sie herzlich und tausche mich mit ihnen kurz über ihren Schultag aus. Ich bringe den Jungs persönlich ihre Post vorbei und erkundige mich nach ihrem Wohlbefinden, falls nötig schicke ich sie dann direkt zu unserem medizinischen Zentrum.

Ich begleite die Jungs zum Arzt, zum Zahnarzt und zu Krankhausbesuchen und habe Anfang des Jahres sogar einen Internatsschüler während einer Operation betreut. Seine Eltern habe ich währenddessen über mein iPad die ganze Zeit auf dem Laufenden gehalten. Ich helfe den Jungs mit ihren Hausaufgaben und wir kreieren wunderbare Modelle als Teil ihrer Kursarbeiten.

Außerdem leite ich den Internatsladen und bereite die Schüler auf spezielle Events vor wie z.B. Halloween, Weihnachten oder unseren „Snow Ball.“ Ich schmücke die Weihnachtsbäume mit den Jungs, organisiere Hauspartys und kümmere mich um Geburtstagskuchen.

Am Ende des Schuljahres kümmere ich mich um alle notwendigen Erledigungen und buche die Transfers für die Jungs. Meine Stärke ist es herauszufinden welcher der Jungs ein bisschen mehr Aufmerksamkeit braucht und kümmere mich dann um ihre Probleme, sei es Heimweh, Eingewöhnungsschwierigkeiten etc.

Welche Art von Erfahrung braucht man für diesen Job?

Ich bin eine pensionierte Lehrerin mit über 30 Jahren Erfahrung im Unterrichten, daher weiß ich sehr gut wie man am Besten mit Kindern arbeitet.

Warum haben Sie sich entschieden, „house mother“ zu werden?

Auf Grund von Regulierungen seitens der Regierung darf ich nicht in Großbritannien unterrichten, obwohl ich bereits 7 Jahre unterrichtet habe. Ich wurde in Südafrika ausgebildet und habe ein Diplom als Lehrerin, jedoch brauche ich einen Abschluss, um hier zu unterrichten. Ich konnte es mir nicht vorstellen, nicht mit Kindern zu arbeiten und als eine Freundin mir vorschlug, Betreuerin zu werden, fand ich die Idee super.

Leben Sie selbst auch im Internat?

Ich lebe zusammen mit meinem Mann und seit kurzem auch zusammen mit unserem Hund (die Jungs brauchen einfach ein Haustier um sich) in einem der zwei Häuser. Jeden Tag wechsle ich mich mit der Arbeit zwischen den beiden Häusern ab. Außerdem esse ich mittags und abends zusammen mit den Internatsschülern in unserem Speisesaal.

Haben Sie selbst Kinder?

Ja, ich habe auch Kinder, sie sind allerdings schon etwas älter und haben bereits selbst schon Kinder. Die Jungs kennen meine Familie und haben insbesondere meine Tochter (auch Lehrerin) sehr lieb gewonnen. Sie betrachten sie ein bisschen als ihre große Schwester!

Wie viele Schüler betreuen Sie?

Ich kümmere mich um ungefähr 70 Jungs.

Betreuen Sie nur internationale Internatsschüler oder sind auch britische Schüler in Ihrer Obhut?

Zum größten Teil sind es internationale Schüler, aber auch ein paar britische sind mit dabei. Natürlich haben wir zusätzlich noch einige britische Tagesschüler im Haus, welches den Kontakt zwischen internationalen und britischen Schülern sehr fördert.

Was mögen Sie am meisten an Ihrem Job?

Einfach alles! Ich war lange nicht mehr so glücklich und ich liebe es mit den Jungs zu arbeiten. Ich liebe es unseren 6 Oberstufenschülern bei der Suche nach Universitätsunterkünften zu helfen und versuche ihnen ihre unzähligen Fragen bezüglich ihrer Zukunftspläne zu beantworten.

Mit welchen typischen Problemen haben Sie zu kämpfen?

Der Fluch meines Lebens ist eindeutig die nicht beschriftete Kleidung, da ich oft die Wäschewagen der Jungs sortiere, sobald die Wäsche fertig ist. Das Sortieren eines Wäschewagens kann dann gut mal eine Stunde dauern. Ich wünschte, ich wäre auch besser in Französisch und Spanisch, da ich den Jungs oft bei ihren Hausaufgaben helfe. Wir wurschteln uns irgendwie durch, aber meine Aussprache ist einfach schrecklich!

Wie gehen Sie mit Schülern um, die Heimweh kriegen?

Ich lade sie zu mir ein und wir setzen uns in mein Wohnzimmer oder Arbeitszimmer, plaudern ein bisschen, trinken eine Tasse Tee und essen Kekse. Einer der Jungs hat momentan ein paar Schwierigkeiten sich einzugewöhnen und ich habe ihn eingeladen mich am 10. Dezember zur ersten Stunde in der Hundeschule zu begleiten. Der Junge freut sich schon richtig darauf und ich hoffe, dass er auch nachdem er aus den Weihnachtsferien wieder zurück ist weiterhin mitkommt. Nach der Weihnachtszeit zu Hause sind die Jungs manchmal ein bisschen bedrückt.

Wie sieht ein typisches Wochenende an ihrem Internat aus?

Beginnen tut das Wochenende Donnerstagabend, mit einer „take away food time“. In familiärer Atmosphäre, mit über 15 Jungs, sitzen wir zusammen um den Abendbrottisch. Mit vorprogrammiertem Chaos in der Küche. Freitags habe ich offiziell frei, aber da bin ich natürlich trotzdem. Die Jungs und ich diskutieren, ich nähe ihnen Knöpfe an oder gehe mit ihnen shoppen, falls sie irgendwelche Sachen brauchen. Freitags abends gehen sie alle zum Sport. Samstag früh schlafen sie oft eine Stunde länger und machen dann Hausaufgaben. Nach dem Mittagessen gehen einige Jungs in die Stadt. Die anderen spielen zusammen auf der X-box 360 Connect oder an unserem neuen Air-hockey Tisch. Beide Dinge haben wir erst kürzlich von den Einkünften unseres Ladens angeschafft. Manche Jungs helfen mir auch manchmal mit dem Hund.

Sonntags bieten wir Ausflüge an, manche sind verpflichtend, aber die meisten nicht. Ausflüge sind unter anderem: Kinobesuche, Tower of London, London Eye, Thorpe Park, Chessington World of Adventures, Shopping Ausflüge zum Blue Water Einkaufszentrum, Schlittschuhlaufen, Londoner Zoo etc.

Das Mittagsessen am Sonntag ist eine Art Bistro (Essen auf Bestellung) mit einem traditionellen Braten zum Abendessen. Zusätzlich findet eine Messe in der Kappelle statt, zu beidem tragen die Jungs mal ihre Schuluniform, mal gepflegte Freizeitkleidung, je nach Stimmung der Messe. Unser Internat ist nicht wirklich konfessionsgebunden, jedoch ist der christliche Gedanke bei uns an der Schule sehr präsent. Wir freuen uns bei den Messen über die Teilnahme der Internatsschüler. Zum Abschluss des Wochenendes verbringen die Schüler dann noch Sonntagabend Zeit in der Sporthalle.

 

 

 

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