High School China

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Phillip, der GLS Partner in Quanzhou

Als Austauschschüler nach China

Phillip Rosen und seine Frau Fu Xiao betreuen für GLS die Austauschschüler an der Schule No. 7 in Quanzhou - zusammen mit einer Chinesisch Lehrerin an der Schule. Das Foto zeigt Phillip und seine Frau mit ihrem Sohn Alex. Sie waren lange in China, leben jetzt wieder in Deutschland, sind aber für alle Austauschschüler in einer WeChat Gruppe - das ist das asiatische Whatsapp - jederzeit erreichbar. Hier eine Kurzvita von Phillip:

  • Jahrgang 1980
  • Geb. in Lima / Peru
  • Spricht: deutsch, englisch, spanisch und chinesisch
  • BWL-Studium an der Hamburger School of Business Administration
  • Weltweite Jobs z.B. bei euroShell Deutschland GmbH in Hamburg und Vancouver
  • Seit 2009 als Lehrbeauftagter an Universitäten in China
  • Seit August 2016 Dozent an der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein im berufsvorbereitendes Programm für chinesische Schulabgänger in Deutschland 

Phillip, wie beurteilst du die Sprachkompetenz von Austauschschülern nach zehn Monaten in China?

Ich bin sehr glücklich, dass über die Hälfte bisherigen GLS Teilnehmer quasi von null auf 100 den HSK Level 4 geschafft haben. Das reicht fast für die Aufnahme an einer chinesischen Universität. (Anmerkung: HSK ist das offizielle chinesische Sprachzertifikat).  In Quanzhou ist es einfach, Chinesisch zu erlernen, da man mit Englisch einfach nicht verstanden wird.

Quanzhou ist relativ unbekannt – was ist der Unterschied zu bekannten Destinationen wie Shanghai oder Peking?

Quanzhou hat zwar auch rund 8 Millionen Einwohner, ist aber kleiner, noch traditioneller  und nicht so hektisch wie die Megametropolen. Es gibt wenige westliche Restaurants und Geschäfte. Die Infrastruktur und das U-Bahn Netzwerk wird noch erschlossen. Es gibt wenige Ausländer und Chinesen, die gut Englisch sprechen können. Hier ist es einfacher, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, die Leute hier sind rücksichtsvoller und freundlicher als in den internationaleren Großstädten Chinas.

Austauschschüler werden auf der Straße regelrecht hofiert, weil sich alle freuen, dass sie einen Ausländer kennenlernen. Zudem ist die Kooperation mir der Schule No 7 in Quanzhou sprichwörtlich ideal. Die Schule investiert außergewöhnlich viel Arbeitszeit und Ressourcen in das internationale Programm, auch weil die Schule Deutsch als Unterrichtsfach anbietet und die deutschen Schüler deren Prestige steigern. Candy, die hauptverantwortliche Chinesisch Lehrerin für die Austauschschüler an der Schule, ist enorm beliebt, weil sie chinesisch genug ist, um China zu erklären und westlich genug, um zu verstehen, was westeuropäische Teenager denken und fühlen. 

Warum wohnen Austauschschüler/innen in Quanzhou bei Gastfamilien und nicht in einem Wohnheim oder Internat?

Durch die Gastfamilien haben die Austauschschüler abgesehen von der Schule einen zusätzlichen sozialen Treffpunkt – das chinesische Zuhause. Sie bekommen einen echten Einblick in die Lebensweise und Familientraditionen. Es gibt zudem interessante Konstellationen. Zum Beispiel hat sich bei einem der Austauschschüler ein sehr herzliches Verhältnis zu der Oma der Familie entwickelt, die mit in der Wohnung lebte, weil er es liebte, von ihr kochen zu lernen. 

Wie findest du die Gastfamilien?

Hauptsächlich über die Schüler der HS No. 7, die heiß darauf sind, einen Gastbruder oder -schwester zu haben. In Quanzhou gibt es nur sehr wenig Ausländer. Jeder Deutsche ist wie ein kleines Weltwunder. Viele Familien wünschen sich einen deutschen Freund für das eigene Kind, auch in der Hoffnung, dass es zu einem Gegenbesuch kommen wird und der Kontakt zu Deutschland auch noch der Rückreise bestehen bleibt.

Die Austauschschüler lernen morgens Chinesisch und nehmen erst nachmittags am regulären Schulunterricht teil. Warum?

Wir wollen den Teilnehmern einen professionellen Chinesischkurs bieten, damit sie schnell Fortschritte machen und dem regulären Nachmittagsunterricht an der High School No 7 möglichst bald folgen können. Deshalb führen wir unseren eigenen Chinesischkurs mit erfahrenen Lehrern für Chinesisch als Fremdsprache durch.

Wie sieht der Chinesisch Kurs aus?

Es gibt Chinesisch Sprechen, Chinesisch Schreiben und Chinesisch Hören und einmal pro Woche Kalligraphie oder/und Tai Chi. Montag bis Freitag von 7:55 Uhr bis 11:45 Uhr, das sind insgesamt 20 Unterrichtsstunden pro Woche. Natürlich wird auch auf den HSK Test vorbereitet, den jeder Teilnehmer einmal pro Semester ablegen kann.

Wie sieht es mit der Teilnahme am regulären Schulunterricht aus?

Austauschschüler nehmen nachmittags am regulären Fachunterricht teil, auch wenn sie inhaltlich sicherlich nicht von Anfang an folgen können. Es kann sein, dass sich die Austauschschüler im Fachunterricht streckenweise langweilen oder fehl am Platze fühlen, aber die Schulpflicht gehört nun mal zum Schulprogramm.

Anders als die chinesischen Mitschüler müssen international students aber nicht an den Abendklassen teilnehmen, die bis 21.30 Uhr dauern. Es besteht eventuell die Möglichkeit, dass die Teilnehmer an einem Nachmittag eine externe Aktivität wie ein Praktikum im Kindergarten oder in der TV Station absolvieren. Das würde die Schule organisieren, wenn sich die Schüler höflich und kooperativ und regelkonform verhalten – Disziplin ist in China enorm wichtig. Die Lehrer haben in China ein enormes soziales Ansehen und sind bei westeuropäischem Zuspätkommen, Reinrufen oder Sich-beschweren ziemlich empfindlich.

Warum ist die Teilnahme am regulären Unterricht trotzdem gewollt?

Der Grund für die Teilnahme am regulären Unterricht ist der soziale Kontakt, aber auch das Anwenden und Vertiefen der Chinesisch Kenntnisse vom Morgenunterricht. Austauschschüler sollen den echten chinesischen Schulalltag kennenlernen und Einblick in die chinesische Bildungskultur nehmen können.

Die ist schon extrem anders als in Deutschland – kein selbstständiges Arbeiten, riesengroße Klassen, Anwesenheitspflicht bis in die Abendstunden, die Überzeugung, dass die Schüler nur im Klassenraum wirklich was lernen. Eine eigene Meinung dazu zu entwickeln, geht besser, wenn man das selber erlebt hat. Zudem hat es den Effekt, dass die Teilnehmer die deutschen Gegebenheiten in der Schule mit anderen Augen sehen. Immer mehr chinesische Eltern schicken die eigenen Kinder inzwischen ins Ausland, um den Schulabschluss dort zu erwerben und um ihnen diesen Wahnsinn des Gaokao (chinesisches Abitur) zu ersparen.

Was können Austauschschüler in der Freizeit und in den Ferien unternehmen?

In Quanzhou gibt es eine Vielzahl an Aktivitäten, die teils von der High School, teils von der privaten Uni und teils von öffentlichen Clubs angeboten werden: Zum Beispiel Tai Chi, Kung Fu, Tennis, Basketball, Tischtennis, Badminton, Tanzkurse, Inline skaten, Soccer, Bowling, einen Fotosession in einem der vielem professionellen Fotostudios, ein chinesisches Musikinstrument erlernen, Chinesisch kochen, Kinder in Englisch unterrichten, Hiking und nicht zuletzt shoppen gehen...

Eines der echten touristischen Highlights ist es, den Berg am Stadtrand mit dem 30 m hohen Reiterdenkmal zu besteigen, die Parks am Westlake und Eastlake zu besuchen oder durch die von großflächig zusammenhängenden Altbauvierteln geprägte Stadt zu spazieren, in der es sehr viele Alleen und unzählige Tempel gibt.  Auch Fuzhou oder Xiamen sind nicht so weit weg und gut zu erreichen.

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