1. State High Schools USA

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Vorname:
Julia
Alter:
17
aus:
Berlin
war:
2007 für ein Schuljahr in Philippsburg, New Jersey, USA
Schultyp:
Staatliche Schule mit Wahl

Hier der Bericht von Julia:

Hallo,
mein Name ist Julia Ludwig und ich bin zur Zeit in New Jersey/USA. Ich habe mich entschieden ein Austauschprogramm mit GLS zu machen und wollte ein paar meiner Erfahrungen mit euch teilen, denn ich weiß noch ganz genau, wie unglaublich viele Fragen ich hatte, bevor ich mich endgültig entschieden habe, ein Jahr in eine Familie zu gehen, die ich noch nie gesehen habe. Ich hoffe, dass meine Erfahrungen hilfreich für euch sind.

Die Anreise:
Vorbereitung war für mich sehr wichtig. GLS hat ein großes Angebot an Vorbereitungsveranstaltungen, bei denen man 'alten' Austauschschülern alle möglichen Fragen stellen kann, Culture-Seminare, den Slep-Test und so weiter, was mir alles sehr geholfen hat. Ich habe angefangen mir DVDs auf englisch anzusehen und ein bisschen was über die Staaten zu lesen. Außerdem habe ich auch ziemlich bald meine Gastfamilien-Adresse bekommen und mir oft mit ihnen Emails geschrieben, ihnen alle möglichen Fragen gestellt und meine Kurse mit ihnen besprochen, die ich in der Schule belegen wollte. Ich habe mich mit Klassenkameraden getroffen, die auch ins Ausland wollten und wir haben unsere Gepäcklisten verglichen und im Handumdrehen war es auf einmal nur noch eine Woche bis Abeisetermin. An einem Samstagmorgen im August bin ich dann von Berlin-Tegel abgeflogen. Am Flughafen habe ich praktisch nur mein Gepäck eingecheckt

Ich habe mich dann von meiner Familie und meinen Freunden verabschiedet und bin ins Flugzeug gestiegen. Ich bin in Paris umgestiegen und habe dort noch zwei Karten bekommen, die ich ausfüllen musste, eine für den Zoll und die andere für die Einreise in die Staaten. Die Stewardess war aber immer zum Helfen bereit, wenn ich mir nicht sicher war. Nach 8 Stunden Flug war ich in Newark International Airport und unglaublich aufgeregt, weil ich bald endlich meine Gastfamilie sehen würde. Aber erst einmal musste ich durch die Einreise. Sie wollten meinen Pass und mein Visum sehen und haben einen Stempel auf das Formular gemacht. Dann noch einen letzten langen Gang entlang und durch eine Glastür und dann war ich aus dem Sicherheitsbereich draußen und blickte suchend in die Gruppe von Leuten, die anscheinend alle auf jemanden warteten

Ich wollte schon anfangen mich zu ärgern, dass ich kein Namensschild gemacht hatte, als ich meinen Namen hörte und prompt von meiner Gastmutter Debra umarmt und willkommen geheißen wurde. Auch mein Gastvater Mark und mein Gastbruder Noah waren erleichtert und froh, dass alles glatt gelaufen war und drückten glücklich meine Hand. Auch ich war überglücklich, dass jetzt sozusagen nichts mehr schieflaufen konnte.

Mark verfrachtete mein Gepäck ins Auto und wir machten uns auf dem Highway 78 auf den Weg nach Phillipsburg. Ich hatte Gelegenheit die Skyline von New York City zu bestaunen, denn es war ein warmer, sonnig-klarer Tag. Auf der anderthalbstündigen Fahrt von Newark nach Hause unterhielt ich mich mit meiner neuen Familie und wir fanden gleich ein paar gemeinsame Interessen. Zuhause angekommen habe ich, nachdem ich meine Eltern angerufen, und ihnen gesagt habe, dass ich gut angekommen bin, ein paar Gastgeschenke ausgeteilt, ein Paar Fotos angeschaut, ein bisschen ausgepackt und Bilder an die Wände meines Zimmers geklebt. Wir haben dann zu Abend gegessen und ich bin nach fast 24 Sunden auf den Beinen todmüde und total jetleg ins Bett gefallen. Am nächsten Morgen gab es doch tatsächlich Bacon and Eggs zum Frühstück, fand ich total klasse.

Ich bin dort sehr glücklich und gut integriert. Mittwoch abends gehen mein Bruder Noah und ich zusammen zur Jugendgruppe, wo ich viele Freunde in meinem Alter gefunden habe und wir viel Spaß zusammen haben. Ich verstehe mich gut mit meinen Gasteltern und unsere Beziehung ist offen, spaßig und ehrlich, und sie sind eine Bereicherung für mich und ich für sie. Mein Gastbruder Noah und ich haben inzwischen die typische Bruder-Schwester Beziehung, haben Spaß, gucken Filme, reißen Witze und necken uns ab und zu. Ich habe hier sogar "Großeltern", die mich wie ihren eigenen Enkel behandeln.

Zur Schule:
Der erste Schultag war dann noch mal sehr spannend. Debra hatte mich schon am Wochenende ein paar Mädchen aus meiner Schule vorgestellt, so kannte ich wenigstens ein paar Gesichter. Am Tag bevor die Schule losging, hat mich Debra hingefahren und ich habe meinen "guidance counselor" getroffen und habe meinen Stundenplan mit ihr besprochen. Sie hat mir eine Tour durch die Schule und alle meine Klassenräume gegeben und mich dabei schon einigen Lehrern vorgestellt. Das fand ich gut, weil ich mich dann also nicht ganz in unbekanntes Terrain wagen musste.

Am nächsten Morgen stand ich also im Driveway und um viertel nach sieben holte mich der Schulbus ab. (Ja, sie sind wirklich gelb!) Ich habe acht Schulstunden à 42 Minuten und eine halbe Stunde School-Lunch. Der gesamte Schultag dauert von 7:43 bis 14:20. Ich finde die Idee Lockers und Lunch in der Schule zu haben ziemlich gut, man muss nicht die ganze Zeit alle möglichen Bücher herumschleppen. Jeden Morgen vor der ersten Stunde, wird die "Pledge of Allegiance" auf die Amerikanische Flagge aufgesagt, die in jedem Klassenraum hängt, mit Aufstehen und Hand aufs Herz. Ich stehe auf, allein schon aus Respekt, aber wenn ihr die Pledge nicht sagen wollt, werdet ihr nicht dazu gezwungen.

Mir ist aufgefallen, dass das gesamte Schulsystem ein bisschen anders läuft als in Deutschland. Hier zählt es unglaublich viel, dass man alle seine Hausaufgaben, Papers und Projects rechtzeitig abgibt, für Tests und Quizes lernt und Notizen macht. Dahingegen zählt die mündliche Mitarbeit kaum. Das ist für viele, die im Unterricht sowieso ein wenig still sind, natürlich ein Vorteil. Auch kann man hier nicht einfach so in der Schule rumlaufen, sondern muss sich von einem Lehrer sogenannte Hallwaypasses schreiben lassen, um zu einem bestimmten Raum gehen zu dürfen.

Es ist alles ein bisschen kontrollierter. Schulsport wird hier ganz groß geschrieben, jede Schule hat Farben und ein Maskottchen und Schulen in der ganzen Nation treten gegeneinander an in Disziplinen, wie zum Beispiel Football, Wrestling, Cheerleading, Basketball, Fieldhockey und Soccer. Footballspiele und der darauf folgende Dance sind hier große Ereignisse, zum Beispiel das berühmte Homecoming Game und der Homecoming Dance mit Homecoming King und -Queen. Selbst vor normalen Schulspielen wird die Nationalhymne gesungen. Es gibt ein riesengroßes Angebot an "after-school-activities", wie zum Beispiel Chor, School Band, Drama, Community Service und Jahrbuchdesgin um nur mal ein paar zu nennen.

Kultur:
Zur Amerikanischen Kultur ist mir aufgefallen, dass Amerika wirklich so patriotisch ist, wie man von Klischees hört. Ich habe mal die Amerikanischen Flaggen an Häusern auf dem Weg von hier zu unserer Kirche gezählt (das ist ungefähr 5 Minuten mit dem Auto) und es waren etwa 50. Meine Gastmutter meinte, dass seit dem 11ten September der Patriotismus wieder sehr viel deutlicher zu spüren ist. Überhaupt wird Charakter und Verpflichtung sehr ernst genommen und hat einen hohen Stellenwert, wenn auch nicht unbedingt bei Teenagern. Es gibt tatsächlich sehr viele Fastfood-Restaurants, aber es gibt auch viele Möglichkeiten gesund zu essen, zumindest gibt es in den Supermärkten, den sogenannten "grocery stores", ein überwältigendes Angebot an Obst, Gemüse, Fruchtsäften und anderen "nicht-junk-food"-Sachen.

Zumindest in der Familie, in der ich bin, wird Familien- und Sozialleben groß-geschrieben. Wir verbringen viel Zeit mit Freunden und gehen ins Kino oder spielen Gesellschaftsspiele und haben unglaublich viel Spaß dabei. Weihnachten in den Staaten war auch mal ein tolles Erlebnis. An Heiligabend waren wir in New York City und haben die Weihnachtsdekorationen bestaunt, sogar den berühmten Rockefeller-Center Christmas Tree. Danach hatten wir einen Weihnachtsgottesdienst mit Kerzen. Natürlich gab es Geschenke erst am 25ten morgens. Debras Eltern waren hier und wir hatten Weihnachten zu sechst mit einem tollen Christmas-Dinner, was ich sehr toll fand. Danach waren wir über Silvester in Virgina in Urlaub. Das war schön, viel Zeit mit der Familie und ausspannen von Schule. Ich fühle mich in meiner Gastfamilie so wohl und Zuhause, dass ich nicht einmal über Weihnachten Heimweh hatte.

Inzwischen ist es Mitte Februar. Ich fühle mich als wäre das alles im Zeitraffer vergangen. Für mich ist es so spannend und erfahrungsreich, dass ich noch Stunden weitererzählen könnte. Ich habe in einer Zeit von sechs Monaten mehr gelernt, als in den letzten fünf Jahren zusammen. Es war für mich bis jetzt und ist immer noch ein Erlebnis, dass ich für nichts in der Welt hergeben würde. Ich habe Freundschaften geknüpft, die mir bestimmt noch lange, lange Zeit erhalten bleiben werden und ich habe sogar das Versprechen meiner Gastfamilie, dass ihre Tür mir jederzeit offensteht, wenn ich wieder in die Staaten kommen sollte.

Ich hoffe ich konnte euch in diesem kurzen Bericht dazu ermutigen, euch auf das Aberteuer High School Year zu wagen. Es ist eine Erfahrung, die unglaublich bereichernd und nicht mit Geld zu bezahlen ist. Ich wünsche euch viel Glück mit eurer Zusammenarbeit mit GLS und mit eurem High School Year.

Viele Grüße aus New Jersey
Eure Julia

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