High School Frankreich

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"Mein Frankreichaufenthalt hat mich nachhaltig geprägt"

als Austauschschülerin an einer französischen Privatschule

Julia hat bis heute Kontakt zu ihrer Gastfamilie in Frankreich - obwohl ihr Schulaufenthalt in Avignon schon 5 Jahre her ist. Julia hat die Privatschule Lycée Louis Pasteur in Avignon besucht und bei einer Gastfamilie gewohnt.

Welche Bedeutung hatte der Frankreichaufenthalt für dich?

Der Frankreichaufenthalt hat mich bis heute nachhaltig geprägt. Ich war das erste Mal ganz allein in einem fremden Land und das nicht etwa für ein, zwei Wochen, um Urlaub zu machen, sondern für längere Zeit. Nichtsdestotrotz habe ich zu Beginn meines Aufenthaltes nicht viel über diese Tatsache nachgedacht, was im Nachhinein wohl auch sehr hilfreich war. Mein Bestreben war es einfach, das Beste aus diesen vier Monaten zu machen und ich denke das ist mir gelungen.

Ich hatte natürlich das Glück auf eine wunderbare Gastfamilie zu treffen, was nicht immer so ist, aber die Chemie hat einfach gestimmt. Diese Menschen sind bis heute meine zweite Familie, wir besuchen uns jedes Jahr gegenseitig und der Kontakt zu ihnen hat mir unzählig viele neue Denkanstöße, Ideen und Blickwinkel eröffnet.

Mit ihnen habe ich in den vier Monaten in Avignon sehr viele Städte in Südfrankreich besichtigt und vor allem ein neues Bewusstsein für den Wert von kulturellen Veranstaltungen gewonnen.

Weiterhin hat der Aufenthalt natürlich dazu geführt, dass ich bis heute fließend Französisch sprechen kann, was ich in der Schule wohl nie in einem solchen Umfang hätte lernen können.

Dieser Aufenthalt hat mir gezeigt, dass man wohl überall auf der Welt Freunde finden kann, wenn man nur offen und an der anderen Kultur interessiert auftritt. Dieses Selbstbewusstsein und die Zufriedenheit die damit einhergeht hätte ich so früh ansonsten wohl kaum erlangen können.

Bist du seit deinem Schulaufenthalt in Frankreich noch mal für längere Zeit ins Ausland gegangen?

Ich habe nach dem Schulaufenthalt viele Reisen unternommen, die aber nie länger als zwei, bis drei Wochen dauerten. Im letzten Sommer habe ich dann noch einmal ein vierwöchiges Praktikum für mein Studium in Avignon bei meiner Gastfamilie von "damals" absolviert. Der Aufenthalt hat aber in jedem Fall meinen Wunsch gefestigt so viel wie möglich von der Welt zu sehen.

Würdest du sagen, dein Französisch ist perfekt?

Mein Französisch ist sicher nicht perfekt. Ich brauche jedes Mal einige Zeit um wieder ins fließende Sprechen hineinzukommen und je nachdem wie stark der Akzent meines Gegenübers oder der Anspruch der Lektüre ist, verstehe ich auch nicht alles. Ich kann mich aber ohne Probleme in Frankreich verständigen und den normalen Lebensalltag dort bestreiten. Nach kurzer Zeit, die ich mit meiner Gastfamilie oder allgemein in Frankreich verbracht habe kann ich auch wieder fließend sprechen, wie mir oft gesagt wird sogar ohne wirklichen Akzent.

Stimmt das Klischee, dass französische Schulen wesentlich verschulter und französische Familie viel strenger sind?

Meine Gastfamilie war in keinem Fall strenger als deutsche Familien. Es war ein sehr liebevoller und angenehmer Umgang.

In der französischen Schule gibt es in der Tat einen sehr viel größeren Respekt auf Schülerseite gegenüber den Lehrern. Dies wird wohl nur durch eine größere Strenge beibehalten werden können. Ich habe das französische Schulsystem aber nicht unbedingt als nachahmungswürdig empfunden. Für mich waren die Schulstunden viel zu lang, da es bei dem fast ausschließlich vorherrschenden Frontalunterricht ohnehin schwer war dem Lehrer in seinen Ausführungen zu folgen. Vor allem im Fremdsprachenunterricht bleiben die Franzosen weit hinter beispielsweise den deutschen Schülern zurück.

Weiterhin musste ich feststellen, dass ich trotz meiner schlechteren Französischkenntnisse und meiner kürzeren Besuchszeit der Schule teilweise bessere Klausuren schrieb, als die Franzosen. Dies deutete für mich darauf hin, dass auch das Lernverhalten der Schüler nicht optimal ist, sie vielleicht auch nach den teilweise sehr langen Schultagen einfach nicht mehr konzentrations- und lernfähig sind.

Du warst an einer Privatschule. Hast du die Schule bzw. die Schüler dort als elitär empfunden?

Das Lycée Louis Pasteur habe ich nicht als elitär empfunden. Alle waren sehr aufgeschlossen vor allem auch den Austauschschülern gegenüber. Nichtsdestotrotz habe ich gar nicht so viel mit Freunden aus der Schule unternommen, da ich an den Wochenenden fast immer mit meiner Gastfamilie unterwegs war.

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