Kanada: High School staatlich

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Vorname:
Laura Lorena
Alter:
16
aus:
Berlin
war:
2007 für ein Semester in Edmonton, Alberta, Kanada
Schultyp:
Staatliche Schule mit Wahl
Schule:
Victoria School of Performing and Visual Arts

Hier der Bericht von Laura Lorena:

Im August letzten Jahres ging es also endlich los. Schon Monate davor war ich aufgeregt gewesen und als der lang ersehnte Tag dann gekommen war, konnte ich es fast gar nicht glauben. Nach einem langen Tag, den ich vor allem in Flugzeugen verbracht hatte, kam ich in Edmonton, Kanada an.

Meine Gastfamilie bestand aus Vater und Mutter, drei kleinen Gastgeschwistern und einem Aupairmädchen aus der Schweiz, die 19 war. Ich habe mich mit allen total gut verstanden und fühlte mich sofort wie zu Hause. Die typische Eingewöhnungsphase hatte ich sozusagen übersprungen, was wohl verschiedene Gründe hatte: Erstens hatte ich mich wie schon gesagt sehr gut mit meiner Gastfamilie verstanden, zweitens war meine Schule einfach toll und drittens waren die Leute (die Schüler zum Beispiel) sehr offen und es war einfach neue Kontakte zu schließen.

Meine Schule war etwas ganz Besonderes. So eine positive Atmosphäre findet man selten an Schulen und dazu haben die Schüler und die Lehrer einen ganz entscheidenden Teil beigetragen. Die Schüler waren sehr aufgeschlossen, hatten überhaupt keine Vorurteile und lästerten nie. Sie gingen von selbst auf einen zu (es ist trotzdem gut, auch selber auf Leute zuzugehen) und waren überhaupt nicht oberflächlich. Die Lehrer waren alle sehr nett und man hatte das Gefühl, dass sie sich wirklich um deinen persönlichen Erfolg bemühen. Insgesamt hatten die Schüler mit den Lehrern ein viel persönlicheres Verhältnis und .es war auch nicht unnormal, wenn sich Lehrer und Schüler einmal umarmten.Ich fühlte einfach immer so wohl an der Schule, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen konnte, an meine Schule in Deutschland zurückkehren zu müssen.

Ein typischer Schultag sah bei mir zum Beispiel so aus:

Um 7 Uhr stehe ich auf. Nach dem Badezimmer gehe ich in die Küche, um zu frühstücken und mein Lunch für die Schule zu machen. Um 8:10 Uhr gehe ich aus dem Haus, um den Bus zur Schule zu kriegen. Um 8:30 komme ich in der Schule an und nachdem ich zum Schließfach gegangen bin, um meine Schulsachen zu holen und meine Freunde zu treffen, gehe ich zur ersten Stunde. Mathe. Die erste Stunde geht von 8:45 Uhr bis 10:05 Uhr. Klassenwechsel zu Theater. Nach der zweiten Stunde hat man erst einmal Mittagspause von 11:35 Uhr bis 12:20 Uhr. Danach habe ich Französisch am Tag A und Englisch am Tag B (die Tage sind abwechselnd Tag A und Tag B). Letzte Stunde ist Tanzen und geht bis 15:10 Uhr. Oft sitze ich danach noch für eine Weile mit meinen Freunden, die auch Tanzen haben, im Tanzstudio und wir reden, tanzen oder albern einfach nur rum. Je nachdem, wie lange ich dort bleibe, komme ich zwischen kurz vor 4 und halb 5 nach Hause. Dort esse ich erst einmal etwas Kleines. Weil ich kleine Gastgeschwister habe, essen wir schon zwischen 5 und 6 Uhr zu Abend.

Es gibt einige Unterschiede zwischen deutschen Schulen und kanadischen Schulen. In Kanada hat man zum Beispiel jeden Tag nur vier Stunden, die dafür aber jeweils 80 Minuten lang sind. Außerdem gibt es eine viel größere Auswahl an Fächern, wie zum Beispiel Tanzen, Chor, Band, Komposition, Theater, Film, Design und vieles mehr. Dazu muss man sagen, dass die Victoria School Of Performing And Visual Arts, kurz Vic, eine kunstbetonte Schule ist (wie man schon am Namen merkt). Das tolle am kanadischen Schulsystem ist, dass jeder Schüler die Kurse nach dem Schwierigkeitsgrad wählen kann, wie gut er ist. So gibt es zum Beispiel verschiedene Mathekurse, die alle unterschiedlich schwer sind. Dadurch gehen alle Schüler zur gleichen Schule und es gibt keine Trennung durch Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen wie bei uns (nicht alle gehen zu Gesamtschulen). Allerdings kann man nur nach dem Absolvieren bestimmter Kurse auf die Universität gehen.

Kanada ist doch amerikanischer als ich zunächst gedacht habe. Um Weihnachten herum gab es diverse Häuser, die aufwendig geschmückt waren, und in einer Straße, der Candy-Cane-Lane, waren die Häuser so sehr geschmückt, dass es schon eine Attraktion war und ich mit meiner Gastfamilie es anschauen gegangen bin. Die Fastfood-„Kultur“ gab es natürlich auch, obwohl es insgesamt nicht so viele dicke Leute wie in Amerika gab.

Die Leute im öffentlichen Bereich hab ich als viel netter empfunden als in Deutschland. Die Busfahrer zum Beispiel waren immer sehr entgegenkommend und halfen einem gerne aus. Das war auch manchmal notwendig, weil es in den Bussen keine Anzeigen gab, wie die nächste Station heißt. Dadurch musste ich mir manchmal von den Busfahrern erklären lassen, wo ich aussteigen muss und wo mein nächster Bus losfährt.

An den Wochenenden habe ich oft zu Hause mit meinen kleinen Gastgeschwistern gespielt, habe mich mit meinen Freunden getroffen oder bin mit dem Aupairmädchen irgendwo hingegangen, wie zum Beispiel in die Mall. Alle Geschäfte befanden sich sowieso nur in Malls und dadurch musste man sich nur entscheiden, in welche Mall man gehen wollte und fand dort fast alle Geschäfte, die man brauchte. Mir wäre es allerdings (außer bei -30°C) oft lieber gewesen, zwischendurch an die frische Luft gehen zu können, was dort nicht möglich war. Das lustige war, dass das Aupairmädchen aus der Schweiz kam, wir aber nie deutsch geredet haben. Zum einen war das die erste Regel, die meine Gastmutter aufgestellt hatte und zum anderen wollten wir das auch überhaupt nicht, denn wir waren ja nach Kanada gekommen, um Englisch zu lernen.

Einmal die Woche hatte ich Cellounterricht bei einer Cellolehrerin, die ich schon in Deutschland kontaktiert hatte. Außerdem hätte ich noch in einem Orchester spielen können – ich habe mich aber dagegen entschieden, weil ich lieber mehr Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen wollte.

Im Januar ist meine Gastfamilie mit dem Aupairmädchen und mir für drei Tage nach Jasper gefahren. Jasper liegt im Nationalpark, wodurch man oft wilde Tiere wie Elche und Bergziegen sah. Dort sind wir oft Schlittschuh fahren gegangen und haben einmal sogar bei dem „Maligne Canyon Ice Walk“ mitgemacht. Dabei sind wir auf dem gefrorenen Fluss gelaufen.

Wir hatten von Oktober bis Ende Januar, als ich zurück nach Hause gefahren bin, durchgängig Schnee. Einmal gingen die Temperaturen bis -30°C herunter, was aber auch nicht so schlimm war, weil die Luftfeuchtigkeit viel geringer ist als in Deutschland und man es dadurch nicht so merkt. Ich musste deswegen allerdings eine Luftbefeuchtungsanlage für mein Cello von meiner Cellolehrerin borgen; sonst wäre das Holz wohl gerissen.

Das Austauschjahr war so gelungen und ich bin einfach nur froh, es gemacht zu haben. Ich würde jedem raten, für eine Zeit ins Ausland zu gehen, weil man sich persönlich deutlich weiterentwickelt. Als ich zurückgekommen bin, haben viele Leute (enge Freunde und auch nur Bekannte) bemerkt, wie sehr ich mich doch (positiv) verändert hätte. Ich verstehe mich immer noch sehr gut mit allen meinen alten Freunden und mit manchen sogar besser.

Dein Horizont vergrößert sich, du wirst selbstbewusster, weißt, was du willst und scheust dich nicht, deine eigene Meinung zu sagen und du wirst offener für Neues. Es hilft dir einfach, zu dir selbst zu finden. Und das alles sind ja nur die positiven Nebeneffekte des Spracherwerbs!

Eure Laura

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