Kanada: High School staatlich

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Vorname:
Julia
Alter:
17
aus:
Potsdam
war:
2007 für ein Schuljahr in St. Albert, Alberta, Kanada
Schultyp:
Staatliche Schule mit Wahl
Schule:
Paul Kane High School
Kontakt:
Juliesmile@web.de

Hier der Bericht von Julia:

Als ich mich darauf vorbereitete, ein Jahr in Kanada in einer Gastfamilie zu verbringen, wusste ich nicht, wie es sein wird. Ich habe mich vorher viel mit Kanada beschäftigt, ich war auch auf dem GLS- Wochenendseminar und trotzdem: es war dann ganz anders. Ich hatte aber meinen Gasteltern eine Mail geschickt und ich habe sie auch zweimal angerufen bevor ich kam - das hat mir sehr geholfen.

Am Tag meiner Abreise war ich ganz schön traurig aber auch total aufgeregt. Am Flughafen in Edmonton haben meine Gasteltern mich abgeholt. Ich hatte sie vorher noch nie gesehen, war aber sehr erleichtert, als sie mich erkannten. Auf der Heimfahrt vom Flughafen war ich so müde und auch so aufgeregt, dass ich gar nicht wusste, was ich sagen sollte. Diese anfängliche Sprachlosigkeit legte sich schnell. Ich wurde immer selbstbewusster und sprach auch immer mehr in den 10 Tagen bevor die Schule anfing.

Ich hatte mein eigenes Zimmer, worüber ich mich sehr gefreut habe. Überrascht hat es mich, dass es im Haus recht wild aussah. Daran habe ich mich im Laufe der Zeit gewöhnt. Außerdem konnte ich auch einen Vorteil darin erkennen: Mein Zimmer sah dagegen immer richtig ordentlich aus - das war früher nicht so.

Am ersten Schultag führte meine Gastschwester mich herum und half mir auch viel. Sie war ein halbes Jahr älter als ich und ging auch in meine Schule. Ich habe viele Leute schon am ersten Tag kennen gelernt. Es ist sehr einfach, Leute kennen zu lernen. Viele kamen auf mich zu, um etwas über mich oder über Deutschland zu erfahren oder einfach nur, weil sie wussten, dass ich neu war und mich kennen lernen wollten.

Der Schulalltag in Kanada unterscheidet sich sehr von dem Deutschen. Die Stunden sind ungefähr 60 Minuten lang und ich hatte auch nur 5 verschiedene Stunden pro Tag. Es wird dort sehr viel mit Bleistift geschrieben und auch die Final Exams muss man mit Bleistift schreiben. Denn diese werden gescannt und der Scanner akzeptiert nur HB Bleistifte. Ich hatte eine fast einstündige Mittagspause. In Kanada muss man in den Pausen nicht auf dem Schulgelände bleiben. Aber bevor ihr mit irgendjemandem wohin geht oder sogar fahrt, fragt eure Gastfamilie, ob sie damit einverstanden ist. Manche Familien erlauben nicht, dass ihr mit jemand anderem im Auto mitfahrt, weil es nicht ungefährlich ist.

Die Paul Kane High School war um einiges größer, als meine alte Schule. Es gab ungefähr 1500 Schüler. Anfangs musste ich ein wenig suchen, um mich zu Recht zu finden. Jeder Schüler hat sein eigenes Schließfach, wo man Bücher und alles, was man nicht mit nach Hause nehmen will, lassen kann. Man kann nach der Schule in vielen verschiedenen Vereinen mitmachen. Da lernt man Leute kennen und man hat eine Beschäftigung. Es werden alle möglichen Dinge wie z.B. Sportvereine, Kunst AGs, Theater AGs, Menschenrechtsgruppen und Naturschutzgruppen angeboten. Ihr müsst euch aber von Anfang an einen Plan machen, wann welche AG stattfindet. Diese werden immer nur über einen begrenzten Zeitraum angeboten (vor allem die Sport-AGs). Mann kann einfach auf die Ankündigungen am schwarzen Brett achten oder sich bei den Lehrern erkundigen.

Sehr wichtig, wenn man Gastgeschwister hat, ist es, sich seine eigenen Freunde zu suchen. Sonst kann es deswegen schnell Probleme geben (Eifersucht). Ich habe auch festgestellt, dass über auftretende Probleme mit mir nicht gern gesprochen wurde. Vor allem meine Gasteltern wollten mir nicht wehtun und sagten oft nichts. Ich spürte nur, dass etwas nicht in Ordnung war. Es fiel mir nicht leicht, aber ich musste auf meine Gastfamilie zugehen und sie fragen was los ist, weil ich mitbekam, dass es Probleme gab. Das kostet Mut und sehr viel Anstrengung – aber es wichtig.

Nach ungefähr drei Monaten war mein Englisch von der Aussprache und auch vom Vokabular her so gut, dass ich problemlos in der Schule mithalten konnte. Mittlerweile konnte ich fließend Englisch sprechen. Es hat mir sehr geholfen, fast nur mit kanadischen Schülern „rumzuhängen“. Selbst wenn Deutsche miteinander Englisch sprechen, wird die Aussprache und Betonung einfach nicht so gut.

Ich hatte vorher gehört, dass viele Schüler die Familie wechseln, weil es Probleme gab. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das auch passiert. Ich habe meine Familie gewechselt, weil wir nie einen Draht zueinander gefunden haben und weil ich nicht in ihr Leben passte. Familien ändern ihr Leben nicht wegen dem Gastschüler. Es bleibt in der Familie alles beim Alten.

Ich hatte eine Freundin, die sofort gesagt hatte, dass ich bei ihr einziehen könnte. Also sprach ich mit der zuständigen Lehrerin darüber. Sie meinte, dass sie vor Weihnachten leider nichts mehr machen kann. Als ich nach den Ferien wieder zu ihr ging, sagte sie zu mir, dass es dauern wird und dass meine Freundin und ihre Familie viele Checks machen müssen. Also wartete ich bis der Monat fast um war.

Dann stellte sich heraus, dass ich gar nicht zu ihr ziehen durfte, da es familiäre Probleme gab. Diese Entscheidung war richtig, denn diese Familie zerbrach kurz darauf.

Die Schule vermittelte mir daraufhin eine neue Gastfamilie. Meine Erfahrung ist: Es ist wichtig, nicht zu viel Zeit vergehen zu lassen und immer dran zu bleiben, falls man wechseln will. Meine neue Gastfamilie war super und ich kam viel besser mit ihnen klar.

Man darf nicht erwarten, dass die Gastfamilie ihren Gastschülern ein Freizeitprogramm bietet. Bevor man los fliegt, muss man sich mit örtlichen Sehenswürdigkeiten beschäftigen und dann zu seiner Gastfamilie einfach mal sagen, ich würde gern dorthin oder dorthin fahren, wollt ihr mitkommen. Und wenn sie nicht wollen, dann muss man sich Freunde suchen, die einem solche Sachen zeigen wollen. Leider habe ich das zu spät gemerkt.

Die kanadische Küche schmeckt superlecker. Das Angebot an fast- und junkfood ist riesig. Es gibt auch genug Shops, in den man schöne Bekleidung in den neuen Größen kaufen kann. Im zweiten Halbjahr habe ich aktiv Rugby gespielt und neben dem riesigen Spaßfaktor, bin ich auch wieder „geschrumpft“. Die erschreckten Augen meiner Mutter am Flughafen, sagten mir, das auch nächster Zeit nur Salat im Angebot für mich ist. Also Vorsicht!!!

Dieses Jahr hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe auch sehr viel gelernt. Ich weiß jetzt schon, dass ich wieder nach Kanada fliege und meine Freunde und auch meine Gastfamilie besuchen werde.

Julia Mros

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