Kanada: High School staatlich

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Vorname:
Karoline
Alter:
17
aus:
Leipzig
war:
2007 für ein Schuljahr in Smithers, BC, Kanada
Schultyp:
Staatliche Schule
Kontakt:
KaroSpecht@web.de

Hier der Bericht von Karoline:

 

Was waren für dich die drei größten Unterschiede zwischen Zielland und Deutschland?

Hallo an alle!

Ich bin Karoline und ich wohne jetzt wieder in Leipzig, Deutschland. Allerdings habe ich ein Jahr in Kanada verbracht, in einem kleinen, traumhaften Städtchen namens Smithers im Norden von British Columbia.

Ich hatte schon immer den Traum, ein Jahr im Ausland zu verbringen und seitdem ich mit meinen Eltern vor sieben Jahren hier war, war Kanada seitdem schon mein Zielland. Die Vorbereitungen haben viel Spaß gemacht, waren sehr aufregend und interessant, aber trotzdem recht einfach, denn GLS war/ist eine große Hilfe. Nach einigen Treffen und anderen organisatorischen Dingen rückte meine Abreise immer näher und ich wurde immer aufgeregter. Man hört ja von allen Seiten immer, wie toll, außergewöhnlich und einschneidend ein Auslandsjahr ist. Ich hatte dennoch Sorgen und hab mir viele Gedanken gemacht: Wie wird meine Gastfamilie sein? Und die Schule? Werde ich viele Freunde machen? Was, wenn mich keiner mag? Und werde ich überhaupt verstehen, was die zu mir sagen? Aber es ist wahr: letztendlich ist alles gut und ich bin unglaublich glücklich mit wirklich allem. Ich werde euch ein bisschen aus meinem Leben hier erzählen. Wenn euch ein Thema nicht interessiert könnt ihr es ja einfach überspringen :)

Woran denkst du als erstes, wenn du an deinen Auslandsaufenthalt denkst?

Abreise

Es war nicht sehr einfach, meine Klamotten und alle anderen Dinge, die ich unbedingt mitnehmen musste, in nur zwei Taschen zu quetschen. Meine Mama war eine große Hilfe und letztendlich hat doch alles irgendwie gepasst.

Ich will hier niemanden entmutigen, aber ich hab die letzten zwei Tage vor meiner Abreise bei jeder Verabschiedung von Freunden und Familie geweint. Das liegt sicherlich einerseits daran, dass ich mit allen sehr eng verbunden bin, aber auch, dass ich endlich realisiert habe, wie ernst es ist und ich bald ganz weit weg sein werde. Es war ein komisches Gefühl, aber andererseits auch gut und aufregend. Na ja, ihr könnt euch sicherlich vorstellen, was für ein Wrack ich dann am Flughafen war.

Gastfamilie

Meine Gastfamilie hier ist der absolute Hammer. Natürlich hängt es immer von der jeweiligen Familie ab, aber ich hab den Eindruck gewonnen, dass hier in Kanada JEDER außerordentlich gastfreundlich ist. Sie behandeln mich wirklich wie ihre eigene Tochter und ich fühle mich richtig dolle wohl. Vor allem mit meiner Gastschwester Sam, 17, verstehe ich mich super, wir sind wie beste Freundinnen, die zusammen wohnen (klingt fast wie im Traum…). Mein Gastbruder (14) macht mir das Leben manchmal etwas schwer, aber er ist mein kleiner Bruder, was soll man da anderes erwarten?! Meine Gasteltern sind auch total lieb und ich weiß auf alle fälle jetzt schon, dass ich in Tränen ausbrechen werde, wenn ich in zwei Monaten von hier weg muss. Aber auch der Abschied gehört zum Auslandsjahr, obwohl ich daran gerade überhaupt nicht denken will.

Achso, und da ich das Programm „Staatliche Schule ohne Gebietswahl“ gewählt hab, und meine Familie kein Geld für mich bekommt, kann man auch nicht behaupten, dass sie mich nur wegen des Geldes genommen haben…und ich habe ehrlich gesagt große Zweifel an dieser Aussage (man hört es doch ab und zu).

Was hat dir besonders gut gefallen?

Schule

Ich bin wie gesagt an einer staatlichen Highschool und ich komme sehr gut zurecht mit allem. Man kann hier vier Kurse pro Halbjahr wählen und da meine Noten nicht zählen, kann ich solche lustigen Kurse wie Fotografie oder Innengestaltung belegen. Die Schulen hier bieten viel mehr Dinge außerhalb der Schule an, meistens Sport und Musikalisches. Ich hab Volleyball gespielt und es hat unfassbaren Spaß gemacht. Es ist immer gut, an solchen Aktivitäten teilzunehmen, vor allem um neue Leute kennen zu lernen. Aber es gibt auch Chor, Theater oder alle möglichen Ausführungen von Band (Big Band, Jazz Band, etc.) für diejenigen, die nicht unbedingt für Sport zu haben sind.

Auch Noten sind hier anders. Man bekommt entweder ein A, B, C+, C oder C- (A ist das Beste) oder ein F, welches für failed steht (für unter 50%). Außerdem gibt es vier Zeugnisse (Report Card) pro Jahr, zwei pro Semester. Ich könnte noch viel mehr über Schule schreiben, weil fast alles anders organisiert ist als in Deutschland, aber wenn ihr wirklich mehr wissen wollt, könnt ihr mir einfach eine Mail schicken.

Wie sieht ein typischer Schultag aus? War es leicht, Klassenkamerad/innen kennen zu lernen?

Freunde

Meine Ängste, nicht wirklich Freunde zu finden, waren unbegründet. Es ist wirklich einfach, neue Freundschaften zu schließen, vor allem weil alle an den neuen Austauschschülern interessiert sind. Und es ist unwahrscheinlich, dass man der einzige Foreigner ist, also keine Angst, man hat immer noch die anderen Austauschschüler, falls man sich wirklich alleine fühlen sollte. Das soll nicht bedeuten, dass man normalerweise nichts mit den anderen Austauschschülern macht, im Gegenteil, eigentlich sind wir alle ziemlich gute Freunde.

Die meisten Freunde lernt man in der Schule kennen, über die verschiedenen Kurse, die man belegt, und über Sport, Theater oder Musik. Der größte Teil der Leute ist freundlich und interessiert, aber es ist wahrscheinlich, dass man sich oft wiederholen muss. Wie heißt du? Woher kommst du? Wo genau ist das? Gefällt es dir hier? Wann musst du wieder zurück? Aber das macht man wirklich gerne :)

Leben in der Gastfamilie oder im Internat: Was ist ganz anders als zu Hause?

Sprache

Bevor ich losgezogen bin, hab ich mir natürlich Gedanken gemacht, ob ich mich überhaupt verständigen kann. Auch diese Sorgen haben sich als unnötig herausgestellt. Es ist allgemein bekannt, dass deutsche Schüler ein – der Meinung andere nach – überraschend gutes Englisch haben. Und es kommen dann solche Geschichten zum Vorschein, wie eine mexikanische Schülerin, die nur ihren Namen und „I don’t speak English“ sagen konnte. Am Ende des Jahres, war ihr Englisch supergut. Also macht euch darüber wirklich keine Gedanken.

Alle Lehrer und Erwachsenen und die meisten Schüler sind eifrig am Wörter erklären, daher zerbrecht euch nicht den Kopf, sondern fragt, wenn ihr was nicht versteht. Der Akzent wird als „niedlich“ und „süß“ bezeichnet und ab und zu müsst ihr auch mal ein Lachen in Kauf nehmen. Aber das alles ist es wirklich wert, wenn man bedenkt, dass ihr am Ende des Jahres ein nahezu perfektes Englisch haben werdet.

Wie hast du die außerschulische Zeit verbracht?

zum Schluss…

…will ich euch noch sagen, dass ein Auslandsjahr wirklich eines der besten Dinge sein kann (und höchstwahrscheinlich wird), dass ihr erleben werdet. Das Beste ist, nicht mit den besten, größten und tollsten Vorstellungen/Erwartungen ran zu gehen. Es ist immer besser, was nicht Perfektes zu erwarten, dann freut man sich umso mehr, wenn es perfekt ist (oder fast). Seid offen zu allem und allen, versucht so viel wie möglich zu machen und jeden Tag zu genießen, auch wenn man mal Heimweh hat oder traurig und enttäuscht ist. Auch wenn das fast jeder sagt: ich kann euch nur raten, ein Jahr im Ausland zu machen! Es wird Rückschläge und Ernüchterungen geben, aber im Großen und Ganzen wird es „euer Jahr“. Genießt es.

 

Liebe Grüße, Karoline

 

PS: Ich würde mich über jede E-Mail mit allen möglichen Fragen freuen!

 

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