Staatliche Schulen

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Vorname:
Marcel
Alter:
16
aus:
Köln
war:
2006 für ein Semester in Adelaide, South Australia, Australien
Schultyp:
Staatliche Schule mit Wahl
Schule:
Adelaide State High School
Kontakt:
marcel.mucha@web.de

Hier der Bericht von Marcel:

Seit 2 Monaten bin ich jetzt schon wieder in Deutschland, aber meine Eindrücke sind noch immer genauso frisch, wie am Anfang. Die 5 Monate, die ich in Adelaide verbracht habe, waren unglaublich aufregend, lehrreich und unvergesslich. Die Zeit war einfach schön. Direkt in den ersten Stunden, als mich meine Gastfamilie vom Flughafen abgeholt hat und ich in meinem neuen Zuhause war, habe ich mich wohl gefühlt. Ich wohnte in einem kleinen, typisch australischen Haus (wobei es auch durchaus große australische Häuser gibt) in einem der vielen nördlichen Vororte von Adelaide.

Die drei größten Unterschiede zwischen Australien und Deutschland waren für mich die allgemeine Mentalität des Landes, die Menschen und das Schulleben. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass ich einige Jahrzehnte in die Vergangenheit gereist bin, da überall im Radio Oldies liefen, die Autos viel älter als in Deutschland waren und insgesamt schien alles so zu sein, wie man es aus 70er Jahre Filmen kannte. Australien ist jedoch ein hochmodernes Land und die Menschen denken auch fortschrittlich. Besonders begeistert hat mich die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aller Australier, die ich in Deutschland so oft vermisse. Man wurde z.B sofort angesprochen ob man Hilfe bräuchte, wenn man ratlos den Busfahrplan auf der Straße studierte. Die Menschen gehen unglaublich freundlich miteinander um, alle sind ?mates? und man hilft sich immer gegenseitig. Bewundernswert finde ich auch, dass alle Menschen gleich behandelt werden, und dass nicht auf andere Bevölkerungsgruppen herab gesehen wird ? alle sind auf einer Ebene.

Ich war auf der Adelaide High School, eine Schule mit starkem Sprachenschwerpunkt, die direkt im Stadtzentrum liegt (West-Terrace). Die Schule an sich sieht sehr schön aus und ist groß, besitzt mehrere PC-Räume, ein Language-Center und einen großen Oval. Der Unterricht war vollkommen anders, was somit auch eines der größten Unterschiede zwischen Australien und Deutschland ist. Die Lehrer sind unglaublich freundlich und unterstützen jeden einzelnen Schüler, helfen einem auch in privaten Sachen, wenn man zum Beispiel die Gastfamilie wechseln will, was ich zum Glück nicht musste. Jeder kann 6 Fächer belegen, es ist unglaublich, wie viele Fächer es gibt, ich schätze mal so mindestens um die 40. Es gibt unter anderem auch Fächer wie ?outdoor education?, ?hospitality?, ?Photography?, ?Design? und vieles mehr. Ich hatte Maths, English, French, Spanish, Tourism und Australian Studies. Jetzt würde ich jedoch andere Fächer nehmen, und zwar nur Fächer, die man in Deutschland nicht belegen kann. Der Unterricht war locker, ich hatte fast nie Hausaufgaben auf, aber man musste jedoch ca. 1 Mal im Monat ein assesment (schriftliche Arbeit) abgeben, woraus die Zeugnisnote gebildet wurde. Die Schule fing morgens immer um 8:40 mit homegroup an, was immer 20 Minuten dauerte. In ?Homegroup? hat man dann immer organisatorische Sachen besprochen und Meldungen wurden vorgelesen. Morgens hatte ich immer 3 Stunden a 45 min, also wie in Deutschland und dann 20 Minuten recess (Pause). Dann gab es immer noch mal 2 Stunden bis 1 Uhr. Von 13 bis 13:40 war Lunch und danach hatte ich immer noch 2 Stunden. Meine Schule war dann immer um 15:10 zu Ende und danach ging ich vor allem während der ersten Monate in die Stadt, meistens irgendwo etwas mit Freunden trinken oder essen. Das Tragen der Schuluniform war für mich anfangs noch etwas komisch, aber spätestens nach einigen Wochen hat man sich schon total daran gewöhnt und ich habe meine Schuluniform sogar in Deutschland die ersten Wochen lang vermisst. Es ist einfach praktisch, die meisten Schuluniformen sehen gar nicht mal so schlecht aus und man fühlt sich durch sie noch mehr zur Schule gehörend.

An der Adelaide High kann man unglaublich viele Sportarten spielen, jedoch habe ich nie wirklich dazu Zeit gefunden, da ich hauptsächlich Sachen mit Freunden und zum Schluss auch verstärkt mit meinem Gastbruder unternommen habe. Generell würde ich jedoch allen empfehlen sich vor allem am Anfang stark an schulischen Aktivitäten zu beteiligen, da einem so das Einleben und neue Freunde finden viel leichter fällt.

Ich habe das Leben in einer anderen Familie unglaublich genossen. Besonderes gefallen hat mir die lockere Art und ich hatte das Gefühl, dass ich als richtiges Familienmitglied aufgenommen wurde. Zu hause lebte noch mein älterer Gastbruder und nach 2 Monaten hat meine Gastfamilie noch einen Chinesen aufgenommen, der höchstwahrscheinlich 4 Jahre in Adelaide bleiben und seinen Schlussabschluss dort machen wird. Dadurch, dass ich mich so gut mit meinem Gastbruder verstanden habe und wir viel gemeinsam unternommen haben, war ich schon bald ein Teil der Familie und wir sind auch einmal gemeinsam nach Melbourne gefahren. Jeder hatte zu Hause eine Aufgabe und wir haben uns alle gegenseitig geholfen. Sue und Trevor, meine Gasteltern, haben mir immer viel Freiheit gelassen und ich konnte abends meistens immer so lange weggehen, wie ich wollte. Der Abschied von meiner Familie viel mir unglaublich schwer und wir haben auch jetzt noch regelmäßig Kontakt und ich bin mir sicher, dass wir uns bald wieder sehen werden.

Ich bin im Nachhinein sehr froh, dass ich mich für einen Gastfamilienaufenthalt entschieden habe, und nicht für einen Internatsaufenthalt, wobei ich mir anfangs sehr unsicher war. Sicherlich ist das Leben im Internat auch eine unglaublich interessante und einmalige Erfahrung, jedoch habe ich durch das Zusammenleben mit meiner Gastfamilie sehr viel über Australien erfahren und konnte mich auch so sehr gut mit der Kultur identifizieren. Darüber hinaus habe ich so eine völlig andere Lebensart kennen gelernt.

In meiner Freizeit habe ich mich hauptsächlich mit Freunden getroffen und vor allem am Wochenende habe ich viel mit meinem Gastbruder und seinen Freunden unternommen. Wir sind oft an den Strand in Glenelg gefahren (ca. 25 min von der Innenstadt entfernt) oder auch oft ins Kino gegangen. In den Ferien habe ich mit den deutschen Freunden, die auch auf meiner Schule waren eine Safari nach Alice Springs/Uluru gemacht, was ich nur empfehlen kann und anschließend sind wir für 4 Tage nach Sydney geflogen.

In den 5 Monaten in Adelaide habe ich unglaublich viel erfahren, was mir zum Teil erst jetzt bewusst wird. Es ist eine einmalige Erfahrung einmal unabhängig zu sein und ich bin sehr froh, dass ich soviel Glück gehabt habe und dass auch alles so gut geklappt hat. Ich denke unglaublich oft an die Zeit zurück und kann nur jedem raten auch einmal die Erfahrung zu machen und ins Ausland zu gehen, man kann wirklich nur gewinnen.

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