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High School Costa Rica: Erfahrungen

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Vorname:
Ulrike
Alter:
16
aus:
Bielefeld
war:
2007 für ein Schuljahr in San Ramon, Costa Rica
Schultyp:
Staatliche Schule
Kontakt:
ulrike.kuntz@web.de

Hier der Bericht von Ulrike:

Hola, como están?

Ich heiße Ulrike und war für ein halbes Jahr in San Ramón/ Costa Rica, und ich kann sagen, dass es die schönste Erfahrung war, die ich bis jetzt gemacht habe. Ich bin noch nicht mal wieder eine Woche hier, und ich würde am liebsten sofort wieder zurück!!

Ich weiß noch genau wie aufgeregt ich war, bevor es losging....

  • Hilfe, ich kann doch gar kein Spanisch... Mich wird bestimmt keiner verstehen!
  • Was mache ich, wenn die Familie blöd ist?
  • Was mache ich, wenn in der Schule keiner mit mir redet und keiner mich versteht?

.... doch es wäre echt nicht nötig gewesen!!

Ankunft

Am Flughafen wurden wir von Yolanda (der Betreuerin da in Costa Rica) sehr herzlich empfangen und sind dann zu einem Vorbereitungstreffen in Alajuela gefahren. Das war eigentlich sehr schön, um sich schon mal an die Sprache, an das Essen, die Umgebung und an die Leute zu gewöhnen, allerdings hätte ich es auch schön gefunden, gleich von der Familie abgeholt zu werden. So ist die Spannung dann nochmal gestiegen, bis zu dem Tag, an dem dann endlich meine Familie vor mir stand. Und mir ist echt ein Stein vom Herzen gefallen!

Die Gastfamilie

Ich wusste, dass meine Familie 8 Kindern haben würde (von 0-21 Jahren war fast alles dabei), ich hatte auch schon einen Brief von ihnen bekommen mit Geschenken, aber keine Fotos. Als wir dann aber alle im Auto saßen und die nur mit mir geredet haben, wusste ich eigentlich schon, dass nicht viel schief gehen konnte.

Und das stimmte dann auch. Wir waren fast jedes Wochenende unterwegs, meine große Schwester hat mir bei Hausaufgaben geholfen, meine Mutter war mit mir einkaufen und was eigentlich das Wichtigste war: ALLE hatten gaaanz viel Geduld mit mir, und auch wenn ich manchmal gesehen habe, dass ihnen fast der Kragen geplatzt wäre, haben sie jeden Satz solange wiederholt, bis ich endlich alles verstanden hatte. Nach den ersten beiden Monaten war ich dann aber eigentlich soweit, dass ich alles verstanden habe. Sogar wenn sie sich untereinander unterhalten haben (sehr schnell!). Und nach 3 Monaten konnte ich mich dann auch schon richtig verständigen. Ich hätte nie gedacht, dass das so schnell geht!

Die Schule

Als ich mal wieder ein richtiges mulmiges Gefühl im Bauch hatte, war der Morgen als ich das erste Mal in die Schule gehen sollte. Doch auch das wäre nicht nötig gewesen, weil die Menschen in Costa Rica einfach viel offener und interessierter sind als in Deutschland. Mir wurden ganz viele Fragen gestellt, mir wurde sofort ein Platz gesucht, und keiner hat mehr im Unterricht aufgepasst.

Ich hatte schon nach dem ersten Tag ganz viele Freunde, die mich dann abends sogar noch besucht haben und gefragt haben, wie es mir in der Schule gefällt. Und auch mit den Lehrern und sogar den Direktoren hat man da eher ein freundschaftliches Verhältnis. In der Schule muss man immer eine Uniform tragen, die aber meistens schön ist und auch recht billig. Und vor allem kommt es nicht so drauf an, ob die Hose jetzt eng ist oder nicht, ob die Farbe genau die Richtige ist und manchmal kann man sogar Turnschuhe anziehen.

Im Ort

... sieht es so aus: Da wo bei uns Bäume stehen, stehen da Palmen; die Häuser sind alle nur einstöckig und alle bunt angemalt (egal ob es zum Nachbarhaus passt oder nicht), in jedem Ort oder in jeder Stadt gibt es einen Park, wo die Leute ihre Freizeit verbringen oder nach der Schule hingehen. Oft bringen die Leute ihre Gitarre mit und singen dann da einfach. Überall sieht man schreiende Leute („Papaya, sandía, repollo!!! Muy barato aquí!!“), überall wird gehupt, und vor allem gehen die Menschen fröhlich durch die Straßen!

Was ich euch rate

Nehmt am besten einen halb leeren Koffer mit, in Costa Rica ist alles sehr billig. (Hosen, T-Shirts, Schuhe). Ich habe eigentlich kaum Geld ausgegeben in dem halben Jahr, weil meine Familie alles bezahlt hat, und das andere war einfach fast geschenkt (eine Cola im Restaurant kostet die Hälfte, Shampoo ist sehr billig, Essen, eigentlich alles). Das meiste Geld habe ich für Fotos und am Schluss für Geschenke ausgegeben.

Jetzt mal zu den Highlights:

Der Strand: Ich weiß eigentlich gar nicht, wie ich den beschreiben soll, weil es einfach zu schön ist. So, wie man sich die Karibik und den Pazifik vorstellt und wie man es im Katalog sieht - nur dann nochmal doppelt so schön. Weißer Strand (manchmal mit Muscheln, manchmal mit kleinen Steinen, manchmal einfach nur Sand), viele Palmen, türkisblaues, klares Wasser und (meistens) strahlend blauer Himmel. Am Strand ist es dann allerdings auch manchmal so heiß, dass man eigentlich nur im Schatten bleiben kann. Und schlafen kann man auch nur mit Ventilator oder Klimaanlage. Aber das nimmt man dann schon mal in Kauf.

Die Vulkane: Ich war mit meiner Familie in der Zeit beim Vulkan Poás (mit dem größten Krater der Welt) und beim Vulkan Arenal (ist noch aktiv). Zum Poás kann ich nur sagen, dass ich mich in der halben Stunde, die wir da waren, gefühlt habe wie auf einem anderen Planeten. Da sah einfach viel zu schön aus... Beim Arenal kann man in der Nähe in den Gewässern vom Vulkan baden (es gibt heißes und kaltes Wasser), was auch sehr sehr schön ist!

Die "fincas": In der Familie von meinem Vater und der Mutter hatte fast jeder eine finca, das heißt ein zweites Grundstück zum Urlaub machen oder einfach mal um einen Samstag da zu verbringen. In der finca von meinen Eltern gab es auch 2 kleine Häuser zum Übernachten, direkt neben einem Fluss und sehr einsam gelegen. Über einem sind die Affen durch die Bäume gelaufen, und einmal hat uns sogar ein Waschbär das Essen geklaut. In der finca von meinem Onkel gab es einfach nur Dschungel, man musste über Flüsse springen, sich an Bäumen hochziehen und wurde sehr schmutzig...

Karaoke kommt auch immer wieder gut. Wir waren eigentlich jeden Donnerstag in einem Restaurant und haben gesungen, auf jeder Feier gibt es Karaoke und die Leute sind sehr traurig, wenn man nicht mitmacht. Es ist auch egal ob man gut singt oder nicht. Es geht einfach nur drum Spaß zu haben.

Essen: Wie man in jedem Reiseführer lesen kann gibt es jeden Tag Reis und rote Bohnen. Bei uns gab es auch immer Salat dazu (Weißkohl gerieben mit Tomaten, Gurken, Möhren,...). Am meisten wird in Costa Rica Hühnchen und Rindfleisch gegessen, Schweinefleisch fast gar nicht. Es wird auch oft Reis mit Kartoffeln oder mit Nudeln gegessen. Manchmal auch alles zusammen. Mineralwasser gibt es gar nicht, dafür wird Leitungswasser getrunken, es werden viele Milchshakes gemacht oder Säfte angerührt (dieses Pulver mit Wasser und ganz viel Zucker).

Familienleben

Die Familie ist sehr wichtig und meistens auch sehr groß. Bei uns waren Partys meistens mit der ganzen Familie, also mit Oma und Opa, mit den Geschwistern von meiner Mutter, meinem Vater und dann noch die ganzen Kinder dazu. Dann wird erst gefeiert und wenn die meisten gegangen sind, dann setzt man sich noch hin und spielt Gitarre und singt oder unterhält sich einfach bei einem Gläschen Wein. Weihnachten und Silvester wird auch auf jeden Fall mit der Familie gefeiert. Es gibt zwar kaum Geschenke, dafür aber umso mehr Essen. Geburtstage sind auch eher unwichtig. Es gibt vielleicht mal ein Geschenk, dann gibt es abends Hamburger und das wars.

Telefonieren ist da sehr teuer, deshalb ist es am besten wenn man sich da eine Telefonkarte kauft und sich von allen zurückrufen lässt. Hier ist das nämlich wesentlich billiger (mit einer Billigvorwahl).

Internet ist allerdings sehr billig, und es gibt auch überall Internetcafés, weil die meisten Familien keinen Anschluss zu Hause haben.

Ihr könnt euch vorstellen was ihr wollt, es wird sowieso ganz anders!
Ich beneide euch, macht‘s Beste draus!
Ulrike

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