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Privatschulen in Costa Rica - Erfahrungsberichte

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Vorname:
Sigrun
Alter:
17
war:
2007 für ein Schuljahr in San Jose, Costa Rica
Schultyp:
Private Schule

Hier der Bericht von Sigrun:

Für ein Jahr in ein anderes Land? Eine neue Kultur und Sprache kennen lernen? Das ist doch eine gute Idee. Ich war für ein Jahr in Costa Rica und schreibe jetzt meine Erfahrung für euch auf.

Vorbereitung

GLS bietet zur Vorbereitung einige Treffen in Berlin an. Bei diesen konnte ich mich gut mit andren Austauschschüler austauschen und habe auch schon Freundschaften geschlossen, die sich bis heute bewährt haben. Die Treffen haben mich aber vor allem offener gegenüber fremden Menschen gemacht, weil ich in der Sprachschule sehr viele Ausländer getroffen und mich mit ihnen unterhalten habe.

Ankunft in Costa Rica und erste Eindrücke

Ich bin mitten in der Nacht und erschöpft vom Flug mit den anderen Austauschschülern angekommen. Wir wurden von Yolanda, unserer Betreuerin in Costa Rica, am Flughafen abgeholt und waren die ersten Tage in einer Jugendherberge untergebracht. Yolanda hat uns viel von der Kultur und dem Verhalten der Menschen hier erzählt und uns so auf die Gastfamilien vorbereitet.

Ich war von Costa Rica total begeistert, denn es gibt hier wunderschöne tropische Landschaften und verzaubernde Strände..

Einleben in die Gastfamilie

Das Einleben ging bei mir sehr schnell. Ich bin in meiner Familie angekommen, habe meine Sachen ausgepackt und mich schon wie zu Hause gefühlt. Ich hatte in Deutschland nur drei Monate Spanischunterricht gehabt und habe anfangs fast gar nichts verstanden. Mein Gastbruder hat mit mir Englisch gesprochen und mit meiner Gastmutter habe ich mich nur durch Gesten und Körpersprache verständigt. Die Menschen sind alle sehr nett, hilfsbereit und besorgt und erklären auch gern die costaricanischen Gegebenheiten, so dass das Einleben wirklich schnell geht.

Allerdings sind viele Beziehungen zu anderen Menschen hier auch etwas oberflächlich. Ich habe nach einem halben Jahr die Gastfamilie gewechselt, weil wir uns einfach zu sehr auseinander gelebt hatten und gemeinsame Interessen gefehlt haben. In meiner neuen Gastfamilie bin ich jetzt total glücklich.

Die Schule

Privatschulen sind hier weit verbreitet. Der Stundenplan ist von 7.00 – 14.00 Uhr und der Unterricht ist für den deutschen Schüler meist leicht zu verfolgen.

Neben den Privatschulen gibt es auch noch Spezialschulen: die Colegios Cientificos (naturwissenschaftlich) und die Colegios Tecnicos, bei denen man mit einer Berufsausbildung abgeht. Durch meinen Familienwechsel habe ich auch die Schule gewechselt und somit beide Schultypen kennen gelernt.

Die Spezialschulen zeichnen sich durch einen langen Stundenplan aus (7.00 – 16.30 Uhr). Die Anforderungen an die Schüler sind sehr hoch, so dass die Freizeit der Schüler fast nur aus Lernen und Hausaufgaben machen besteht. Meine Mitschüler waren alle total nett und ich habe mich auch gleich wohl gefühlt. Ich fand es nicht so gut, dass sie kaum Zeit hatten, mit mir mal wegzugehen, weil die Schule für sie so stressig war.

Nach meinem Schulwechsel besuche ich jetzt eine private Schule. Auch hier sind die Schüler sehr nett und haben mich gleich aufgenommen. Die Lehrer machen im Unterricht öfter Witze, so dass der Unterricht, wenn auch nicht so sehr intensiv, meisten ziemlich lustig ist. Und jetzt haben meine Freunde auch mehr Zeit, und wir können öfter weggehen.

Freizeitgestaltung

Die Freizeit verbringen die Ticos (so nennen sich die Costarricaner) leider größten Teils mit Fernsehen und Computer oder PlayStation Spielen. Ansonsten sind Fussballspielen und -sehen sehr beliebt. Neben gelegentlichen Fahrten an den Strand gibt es oft Fiestas zum Trinken und Tanzen. Ich gehe mit meinen Freunden aus der Schule auch zu Fiestas und ansonsten ins Kino oder zum Einkaufen. Oder wir treffen uns bei einem der Freunde zu Hause.

Kulturelle Unterschiede

Es gibt sehr viele kulturelle Unterschiede, die ich am Anfang gar nicht bemerkt habe, die mir jedoch später aufgefallen sind. Einige kann ich nicht in Worte fassen, da es Denk- und Verhaltensweisen sind, die sich nicht in etwas Konkretem zeigen.

Es gibt einige andere Unterschiede, auf die man achten sollte:

Hygiene
Die Hygiene ist sehr wichtig in Cost Rica. Man sollte sich angewöhnen früh zu duschen, weil die Gastfamilie es sonst als sehr unangenehm empfindet. Weiterhin putzt man sich immer die Zähne bevor man das Haus verlässt und auch in der Schule nach dem Mittagessen. Deo sollte auf jeden Fall benutzt werden. Weiterhin ist es wichtig sich die Beine abzurasieren.

Zeit und Versprechen
Zu Verabredungen erscheinen viele Ticos eine halbe Stunde nach der verabredeten Zeit. Allerdings sind nicht alle so, manche kommen auch pünktlich. Deswegen sollte man vorsichtig sein.

Die Menschen hier zeichnen sich dadurch aus, viel zu reden, aber wenig zu machen. Aus den meinsten Ausflügen zum Strand, Fiestas oder anderen Treffen, die in der Schule teilweise tagelang beredet werden, wird am Ende nichts. Deshalb ist es meistens so, dass man einfach kurzfristig entscheidet, etwas zu machen.

Anmachen, Küssen und Sex
Sex und auch Küssen ist in der Gesellschaft total tabu. Zumindest wird darüber nicht geredet. Küssen auf der Strasse oder in Einkaufszentren ist durchaus unerwünscht und es kommt nicht selten vor, dass ein Aufseher sich küssende Paare aus dem Einkaufszentrum verweist. Freund und Freundin dürfen nie allein zu Hause sein und auch nicht das Haus betreten, wenn niemand da ist. Vor den Eltern küsst man sich nicht und es wird erwartet, dass man Sex erst nach der Heirat hat, weshalb viele nicht aufgeklärt sind, bzw. schon wissen, dass es Kondome gibt, aber keine haben und auch nicht an die Verwendung denken. Die jungen Leute sind einfach nicht vorsichtig, was natürlich öfter zu Schwangerschaften führt. Und da hier Abtreiben verboten ist, gibt es einige schwangere Mädchen in den Schulen.

Die Männer machen, selbst wenn sie verheiratet sind, hübsche Mädchen auf der Strasse an, vor allem die ausländischen machas (Blonde) mit blauen Augen. Als Austauschschülerin hört man dann immer von allen Seiten „Hola macha“ „Hola linda“, vor allem, wenn man in kurzen Röcken durch die Strassen geht.

Heimweh

Ganz am Anfang hatte ich überhaupt keine Heimweh, aber dann zu Weihnachten und vor dem Familienwechsel war es ganz schlimm. Ich glaube Heimweh tritt vor allem dann auf, wenn man Probleme hat oder sich nicht wohl fühlt. Es ist dann ganz wichtig mit seinen Freunden darüber zu reden und sich einfach auf andere Sachen zu konzentrieren, z. B. indem man weggeht oder etwas unternimmt.

Mein Aufenthalt in Costa Rica war wunderschön und ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen. Ich bin auch der Meinung, dass Costa Rica genau das richtige Land für einen Austausch ist, weil es viele neue kulturelle Dinge zu entdecken gibt und man selbst auch so viel Freiheit genießt, dass man mit etwas Eigeninitiative sehr viele tolle Sachen machen kann. Ich habe in diesem Jahr unendlich viel an neuen Erfahrungen gewonnen und bin wesentlich selbstständiger und selbstbewusster geworden.

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