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Privatschulen in Irland: Erfahrungen

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Vorname:
Cornelius
Alter:
17
aus:
Berlin
war:
2015 für ein Schuljahr in Dublin, Dublin County, Irland
Schultyp:
Private Schule
Schule:
Castleknock College
Kontakt:
corn-kotowski@gmx.de

Hier der Bericht von Cornelius:

 

Was waren für dich die drei größten Unterschiede zwischen Zielland und Deutschland?

Erstens:

So blöd das klingen mag, das Essen! Natürlich hatte ich all die Vorurteile über das britische Essen gehört, bevor ich dort hin bin. Aber ich habe sie nicht ernst genommen. Ich dachte mir, so schlimm könne es ja gar nicht sein...

Was habe ich mich getäuscht! Das Essen ist eine Katastrophe! Das Frühstück mit Cornflakes ging noch. Allerdings ist es auch nicht schön, ein ganzes Jahr lang jeden Morgen die gleichen Cornflakes zu essen. Das Mittagessen, das man jeden Tag von der Gastfamilie mitbekam, bestand immer aus widerlichem, labbrigen Toast mit ekligem Käse! Ich habe sie sehr bald nicht mehr angerührt und mir irgendwo auf dem Weg zur Schule etwas zu Essen gekauft. Das Abendessen bestand aus grundsätzlich vorgekochtem und wieder aufgewärmtem fadem, alten Essen.

Ich habe sehr viel auswärts gegessen, aber sogar MC Donalds schmeckt dort schlechter als in Deutschland!

Und denkt nicht, das hätte nur an meiner Gastfamilie gelegen, anderen Gastschülern ging es nicht besser.

Zweitens:

Die Preise. Vor allem auf Essen muss man ungefähr 50% auf die deutschen Preise aufschlagen, dann hat man ungefähr die Preise in Irland. Auch für sämtliche Dienstleistungen (Diskobesuche etc.) gilt diese Regel.

Als letzte Auffälligkeit noch etwas sehr postives:

Die Leute dort sind viel aufgeschlossener! Auch in einer Stadt mit Großstadtatmosphäre wie Dublin ist es vollkommen normal mit dem Sitznachbarn ein Gespräch zu beginnen. Und auch der Busfahrer wird einen nicht gleich beschimpfen, wenn man mal eine Frage hat. Wenn man Glück hat, setzt er einen sogar mitten in der Nacht direkt vor der eigenen Haustür ab, wenn er dafür nicht einen riesigen Umweg fahren muss. Zu Beginn hatte ich auf Gesprächsversuche meiner irischen Sitznachbarn noch sehr verwirrt reagiert, habe mich aber bald daran gewöhnt. Eine sehr angenehme Erfahrung!

Woran denkst du als erstes, wenn du an deinen Auslandsaufenthalt denkst?

Ganz klar:

An die dort gefundenen Freunde. Klingt langweilig und klischeehaft, ist aber so. Kann ich leider nichts interessanteres schreiben, alles andere wäre gelogen.

Was hat dir besonders gut gefallen?

Die beste Erfahrung war, vollkommen frei und unabhängig in seinen Entscheidungen zu sein. Die Gastfamilie dort hat sich nicht als meine Familie für ein Jahr verstanden, sondern als Gastgeber. Der Unterschied ist viel größer, als er vielleicht auf den ersten Blick wirken mag. Ich musste mich dort zum ersten Mal in meinem Leben um ALLES kümmern, das mich betraf. Das ging über die Besorgung eines irischen Handyvertrags, über den Eintritt in einen Sportverein, bis hin zum Kauf von Kosmetikartikeln oder Ärger mit den dortigen Behörden.

Und ich fand es toll!

Ich konnte ALLES selbst entscheiden. Wenn ich abends rausging und zu meiner Gastfamilie sagte, ich bin das Wochenende über weg, meinten sie nur: "OK". Als ich ihnen sagte, ich würde für eine Woche wegfahren, fragten sie mich nur kurz, wohin.

Das war eine tolle, sehr lehrreiche Erfahrung, auch wenn ich mich in Deutschland hin und wieder mit meinen richtigen Eltern gestritten habe, weil ich eben viel Selbstständigkeit gewohnt war.

Meine Gastfamilie. Jedem, der dort hinfährt, kann ich nur raten, nach Familie "Bell" zu fragen. Hilfsbereit, wenn man wirklich Hilfe braucht, immer nett und nie langweilig! Sie haben vier Kinder, zwei Mädchen und zwei Jungen zwischen 10 und 22 Jahren. Für jeden was dabei^^...

Die Dubliner Innenstadt. Klein, aber fein, voller netter Ecken, toller Nachtclubs und lustigen Pubs, in denen immer Stimmung ist! Alles Andere kann man selbst rausfinden...

Die Pubs. Die besten waren eine Mischung aus Bar, Kneipe und Diskothek. Ein absoluter Traum!

Wie sieht ein typischer Schultag aus? War es leicht, Klassenkamerad/innen kennen zu lernen?

Die Schule begann um neun und endete um vier, unterteilt in neun Schulstunden und eine 45minütige große Pause. Die Lehrer haben eigene Räume, man bewegt sich also von Raum zu Raum je Stunde und hat keinen eigenen Klassenraum.

Den Anschluss an die irischen Mitschüler zu finden war nicht allzu schwer, es tat sich aber sehr bald ein großes Problem auf! Irische Kinder und Jugendliche werden völlig anders erzogen als Deutsche. Sie sind viel unreifer und unselbstständiger. Man kann sagen, dass die meisten irischen Jugendlichen mit 16 etwa auf dem Niveau von deutschen 14-jährigen sind. Meine Freunde dort waren andere Gastschüler und die Freunde meines Gastbruders, die alle zwischen 19 und 23 Jahre alt waren.

Die allermeisten Schüler meines Jahrgangs waren für mich als Freunde schlichtweg nicht interessant! Ich habe mich zwar in den Pausen nett mit ihnen unterhalten, mehr aber auch nicht.

Leben in der Gastfamilie oder im Internat: Was ist ganz anders als zu Hause?

Den Hauptunterschied habe ich schon in den größten Unterschieden beschrieben.

Es gibt aber auch einen großen Nachteil, den ich erst sehr spät wirklich erkannt habe. Egal wie gut es einem dort geht, egal wie nett die Gastfamilie ist, es ist und bleibt nicht dein richtiges zuhause! Man bleibt Gast. Ich habe mich dort nie so wohl gefühlt wie in Deutschland in meiner Wohnung, obwohl ich ein sehr gemütliches Zimmer hatte, in dem ich ungestört war und problemlos auch im Schlafanzug im Haus rumlaufen konnte. Es ist einfach nicht dasselbe wie bei dir zuhause!

Wie hast du die außerschulische Zeit verbracht?

Ich war viel im Internet und habe mich mit Freunden in Deutschland unterhalten, war in einem Fußballverein, habe mich mit Freunden getroffen und Party gemacht.

Eigentllich genau wie in Deutschland.

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