Staatliche Schulen & Internate

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Großbritannien: Erfahrungsberichte

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Vorname:
Alix
Alter:
17
aus:
Celle
war:
2013 für ein Schuljahr in Canterbury, Kent, England
Schultyp:
Staatliche Schule mit Wahl
Schule:
Simon Langton Girl's Grammar School

Hier der Bericht von Alix:

 

Was waren für dich die drei größten Unterschiede zwischen Zielland und Deutschland?

Im Laufe des Jahres fallen mir immer wieder größere oder kleinere Unterschiede auf.

Besonders stark fällt auf jeden Fall das Essen auf. Es wird wesentlich internationaler gegessen, also wirklich aus sehr vielen verschiedenen Ländern gekocht. Fast Food und vorallem weißes Toastbrot (ob als Sandwich oder mit baked beans) sind sehr beliebt, ein richtiges Brot zu bekommen ist gar nicht so einfach. Vorallem komme ich durch die (sehr späten) warmen Mahlzeiten am Abend mittlerweile auch oft auf 2 warme Mahlzeiten am Tag, da ein Brot Mittags nicht wirklich reicht.

Einen anderen Unterschied macht auf jeden Fall die Schule und somit der Alltag hier. Die Ganztagsschule konsumiert sehr viel Zeit und oft überflüssig lange Pausen ziehen das Ganze in die Länge. Die Tage gehen allerdings sehr schnell vorbei. Unterrichtsstunden dauern hier (statt der von mir in Deutschland gewöhnten 3/4 Stunde) eine ganze Stunde, wovon aber oft Zeit verloren geht. Es werden auch keine richtigen "Arbeiten" über das Jahr verteilt geschrieben, sondern viele kleinere Tests, die für das Abschlusszeugnis (oder das Abschlussexamen) gar nicht zählen und nur relevant sind für "Zwischen-Berichte", die dir einen Überblick über deine Leistung verschaffen sollen.

Außerdem unterscheidet sich das Verhalten der Menschen hier etwas von Deutschland. Viele sind höflicher (zum Beispiel bedankt sich auch jeder Fahrgast nach einer Busfahrt beim Busfahrer und "excuse me" and "thank you" sind sehr beliebt) und sehr freundlich (wobei es auch da Ausnahmen gibt). Am Anfang meines Aufenthaltes hier sind sehr viele (Mitschüler) gleich auf einen zugekommen, fragen, woher man kommt, wie es einem bis jetzt gefällt,... . Allerdings muss man irgendwann auch selbst auf die Leute zugehen, da sie sich nach lockerer Konversation eher zurückziehen.

Und tatsächlich sehen sich die Engländer selbst etwas getrennt von den anderen europäischen Ländern, sagte doch meine Mathelehrerin neulich mal: "Ja, die Europäer haben eine ganz andere Methode Mathe zu unterrichten und zu lernen, wesentlich effizienter. Wir Engländer sind da etwas hinterher".

Woran denkst du als erstes, wenn du an deinen Auslandsaufenthalt denkst?

Es ist eine spannende Zeit, die viele Höhen und auch Tiefen mit sich bringt. Ich denke an meine neu gefundenen Freundinnen und daran, dass man tatsächlich lernt, selbstständiger zu handeln und Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und was wohl noch alles auf mich zukommen wird.

Was hat dir besonders gut gefallen?

Ich bin jetzt etwa 3 1/2 Monate hier und habe also noch viel meines Austauschjahres vor mir. Bis jetzt hat mir mein Trip nach London sehr gut gefallen. Das hat einfach total Spaß gemacht und der Besuch bei Madame Tussauds war jeden Penny wert. Machmal fragt man sich tatsächlich, ob man gerade neben einer Wachsfigur oder einem daneben posierenden Menschen steht.

Wie sieht ein typischer Schultag aus? War es leicht, Klassenkamerad/innen kennen zu lernen?

Mein Schultag startet hier etwas später als in Deutschland, die erste Schulstunde beginnt um 9 Uhr, allerdings hat jeder vorher in der "Registrierung" zu erscheinen, die um 8.45 beginnt. An die erste Stunde schließt sich 3x wöchentlich eine "assembly" der oberen Klassenstufen an, in der über verschiedene Themen, die die Schule oder moralische Werte betreffen oder einfach von Schülern als interessant angeregt werden, geredet. Danach folgen (nach einer kurzen Pause) Stunde 2 und 3 und die Mittagspause geht dann immer von 12.20/12.35 bis 13.40, ist also relativ lang. Den Sixth Formern ist es auch erlaubt, die Schule für Lunch zu verlassen. Das Essen in der Schulkantine ist allerdings recht gut und abwechslungsreich. Vor den Nachmittagsstunden muss man sich erneut im Klassenverband registrieren und die beiden letzten Stunden 4 und 5 gehen dann direkt aufeinander folgend bis 3.45 pm.

In der Sixth Form wird in Kursen unterrichet und man hat nur noch 3-5 Fächer. Mehrmals wöchentlich hat man auch Freistunden, die allerdings mit jeder Menge Hausaufgaben oder zusätzlichen Recherchen (wird verlangt) ziemlich schnell rumgehen.

Durch die recht offene Art der Engländerinnen fällt es leicht ins Gespräch zu kommen, da viele meiner Mitschüler vor allem zu Anfang auf mich zugekommen sind und auch interessiert waren. Dann sollte man allerdings die Kontakte ausbauen und auch von sich aus einen Schritt auf sie zugehen. Das ganze dauert vielleicht etwas (auch mehrere Wochen, bis man sich etwas eingewöhnt hat), aber ich habe mittlerweile ein paar sehr nette Mädchen kennen gelernt und kann mich auch mit anderen sehr nett unterhalten.

Leben in der Gastfamilie oder im Internat: Was ist ganz anders als zu Hause?

Ich lebe hier in einer Gastfamilie, allerdings etwas außerhalb und habe so einen recht langen Schulweg. Es gibt auf jeden Fall Unterschiede zu zuhause, aber das hängt ganz stark von der jeweiligen Gastfamilie (und deren Gewohnheiten) und den eigenen Erfahrungen ab. Auf jeden Fall einen großen Unterscheid macht es für mich, dass in meiner Gastfamilie kein wirkliches Familienleben stattfindet. Es gibt keine gemeinsame Mahlzeit (auch nicht abends) und "Familienaktivitäten" werden auch eher selten unternommen. Insgesamt lebt man etwas eigenständiger.

Wie hast du die außerschulische Zeit verbracht?

Außerhalb der Schule treffe ich mich mit Freunden, reite (möglichst 2-3 mal in der Woche) und spiele Geige, ich bin auch ins Schulorchester gegangen. Außerdem ist die Umgebung toll zum Joggen. Unter der Woche ergibt sich meist nicht mehr ganz so viel (vor allem im Winter), aber die meisten englischen Leute unternehmen auch eher etwas am Wochenende.

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