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Privatschulen in Frankreich: Erfahrungen

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Vorname:
Franziska
Alter:
17
aus:
Berlin
war:
2007 für ein Schuljahr in Montpellier, Frankreich
Schultyp:
Private Schule

Hier der Bericht von Franziska:

Seinen Aufenthalt in Frankreich kurz zusammenfassen, das hört sich doch ziemlich einfach an, nur wo soll man da beginnen? Natürlich am Anfang: Also ich heiße Franziska und habe beschlossen für 6 Monate in den Süden Frankreichs zu gehen, nach Montpellier, um meine Französischkenntnisse auf zu bessern und um neue Erfahrungen zu sammeln. Ende August 2005 ging es dann endlich los.

Mein erster Schultag fing schon einmal sehr aufregend an, nicht nur, dass meine neuen Mitschüler mich neugierig musterten, sondern auch das Fernsehen war da, weil es eine Sendung über Austauschschüler in Frankreich machte.

Danach ging alle ziemlich schnell, die anfängliche Fremdheit war bald verflogen und ich wurde in die Klassengemeinschaft aufgenommen. Das war auch gleichzeitig die größte Überraschung für mich, denn noch in Deutschland hörte ich oft, dass es schwierig ist, dort neue Freunde zu finden. "Am Anfang ist man zwar sehr interessant, weil man neu und aus einem anderen Land ist, aber danach wird man fallen gelassen", zwar nicht aus Boshaftigkeit, sondern einfach nur weil jeder dort schon seinen Freundeskreis hat und niemand auf dich wartet. Bei mir jedoch war das ganz anders ich wurde sofort gut aufgenommen und fand schnell Freunde ohne große Anstrengung, man darf nur nicht allzu verschlossen sein und muss die Leute um Hilfe bei Verständigungsfragen usw. bitten, dann klappt das auch bei Teilnehmern, die eigentlich eher schüchtern sind.

Dank meiner neuen Klassenkameraden fiel es mir leicht mich im französischen Schulalltag zurecht zu finden. Im Gegensatz zu Deutschland wird in Frankreich viel frontal unterrichtet und diktiert, andererseits gibt es sehr lange Pausen, in denen die Schüler die Gelegenheit haben warm zu essen. Am besten hat mir jedoch am Alltag im Internat der Mittwoch gefallen, da wir nur bis 12Uhr Schule hatten und ich danach immer mit ein paar anderen Internatsschülerinnen in der Altstadt war, um zu shoppen und in Cafés zu gehen.

Auch in der Ausrüstung unterscheiden sich die französischen Schulen von den deutschen, so waren z.B. Versuchsmaterialien für die naturwissenschaftlichen Fächer deutlich weniger vorhanden, da der Unterricht in diesen Fächern in Frankreich eher theoretisch stattfindet.

Dagegen lernt man, auch wenn man keinen Informatikkurs belegt hat, mit dem Computer umzugehen, was ich ziemlich gut finde. In der heutigen Zeit ist dies schließlich enorm wichtig.

Wenn dann das Wochenende kam, fuhr ich zu meiner Gastfamilie, die etwas außerhalb Montpelliers lebt. Dort sind wir mal an den Strand gefahren oder haben indisch gekocht, denn der Gastvater ist Inder. Manchmal kamen Gäste verschiedener Herkunftsländer oder ich war mit meiner Gastschwester zusammen im Kino.

Die erste Französischarbeit war noch einmal ein Grund zur Aufregung, aber auch das völlig unbegründet, denn die Lehrer sind sehr nett und nahmen Rücksicht. Überhaupt war mein Verhältnis zu den Lehrern gut, auch wenn diese mehr Distanz zu ihren Schülern wahren. Zwar wissen die Lehrer was du zum Beispiel gerne in deiner Freizeit tust, doch erfragen sie dieses durch einen Fragebogen am Anfang des Schuljahres und nicht durch ein persönliches Gespräch. Außerdem erfährst du als Schüler nichts über das Leben deiner Lehrer, wie es hier in Deutschland schon manchmal vorkommt. Hier kennt man zum Beispiel die Vornamen mancher Lehrer oder weiß ob sie Kinder haben...

Dann kam das Ende leider ziemlich schnell, dank Reisen mit oder ohne Gastfamilie, Shoppingtouren mit Freunden, etlichen Festtagen(wie Geburtstag, Silvester oder Weihnachten, welches ich z.B. mit der Gastfamilie in Spanien verbrachte)... Und als das Ende da war, war ich froh meine Familie wieder zusehen, aber auch sehr traurig, Montpellier verlassen zu müssen. Am letzten Schultag hieß es noch ein paar Geschenke, Adressen und viel Umarmungen auszutauschen, um dann ins Auto zu steigen und abzufahren.

Am meisten vermisse ich den Alltag unter der Woche in Frankreich, denn durch die langen Pausen konnte man mit seinen Freunden reden, kurz in die Stadt zum Essen gehen und das schöne Wetter genießen. Falls man mal etwas früher Schluss hatte, hat man sich nicht in seinen Hausaufgaben vergraben, sondern mit "Leidensgenossen" etwas unternommen. Durch dieses miteinander in dieser Landschaft bei fast immer warmem, schönem Wetter entstand trotz schulischer Strenge eine entspannte Atmosphäre.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass für mich noch nie ein Halbjahr so schnell vergangen ist und dass es für mich im Moment am wichtigsten ist, mit den neuen Freunden und der Gastfamilie in Kontakt zu bleiben und zu versuchen mein Leben in Frankreich und hier zusammen zu bringen, in dem der ein oder andere mich mal besuchen kommt und ich ihm mein Leben in Berlin zeige.

P.S.:

Ich wurde nach Tipps gefragt, die eventuell für euch - die Nachfolgenden- hilfreich sein könnten. Dazu kann ich nur sagen, dass das sehr schwer ist, da jeder Austausch sehr individuell abläuft und es deswegen nicht den großen universal Tipp für jeden Teilnehmer gibt. Aber was jeder versuchen sollte, ist im französischen Alltag so schnell wie möglich mit zu machen und nicht all zu sehr an den Gewohnheiten von zu Hause fest zu halten.

Außerdem sollte man ohne Vorbehalte offen sein für neues und um Hilfe bitten wenn man nicht weiß wohin...,denn das hilft Kontakt zu deinen Mitschülern aufzubauen und man sollte sich im Klaren darüber sei, auch wenn Frankreich ein Nachbarland ist, gibt es doch große und kleine kulturelle Unterschiede ,zum Beispiel sind die Kinder dort sehr viel behüteter und man kann nicht abends einfach mal so weggehen, das ist in Frankreich aber auch nicht nötig, um zu den "Coolen" zu gehören. Damit hoffe ich euch ein bisschen die Angst vor der Fremde genommen zu haben und dass ihr mindestens eine genauso schöne Zeit in Frankreich verbringt wie ich.

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