Spanien: Staatliche Schulen

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Schüleraustausch Spanien: Erfahrungen

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Vorname:
Philipp
Alter:
17
aus:
Weisenbach
war:
2014 für ein Schuljahr in Badajoz, Extremadura, Spanien
Schultyp:
Staatliche Schule mit Wahl
Kontakt:
rupfl@hotmail.com
Homepage:
-

Hier der Bericht von Philipp:

 

Was waren für dich die drei größten Unterschiede zwischen Zielland und Deutschland?

Der grösste Unterschied zwischen Deutschland un Spanien ist für mich ohne Zweifel der Tagesrythmus. In Spanien ist der Tag etwas nach hinten verschoben. Man steht später auf, isst erst gege 3 zu Mittag und dannach folgen bis zu 2 Stunden Siesta. Während dieser Zeit wird geschlafen oder ausgeruht beim Fernsehen und abgesehen von grossen Supermarktketten und dem Kaufhaus "El Corte Inglés" haben sämtlche Geschäfte geschlossen. Der Nachmittag geht dann bis zum Abendessen, das grundsätzlich nach 10Uhr abends eingenommen wird; in meiner Familie normalerweise gegen 11. Somit geht man auch später zu Bett.

Ein anderer grosser Unterschied zwischen Spanien und Deutschland stellt auch das Fernsehen dar. Obwohl es weniger frei-empfangbare Kanäle gibt, ist der Fernsehkonsum in Spanien extrem. Das Gerät läuft praktisch 24 Stunden am Tag und sämtliche Wohnungen, Bars, Restaurants,...sind mit mindestens 2 oder mehr TV-Geräten ausgestattet.

Als dritten grossen Unterschied möchte ich die Form des Augehens in Bars erwähnen. Man bleibt nicht lange an einem Ort sitzen, sondern nach ein oder zwei Getränken, zu denen immer Tapas angeboten werden, wechselt man die Lokalität. So kann es sein, dass man an einem Mittag oder Abend in bis zu sechs, sieben oder mehr Bars geht, welche man an den grossen Strassen eine nach der anderen findet.

 

Woran denkst du als erstes, wenn du an deinen Auslandsaufenthalt denkst?

Ehrlich gesagt denke ich zuerst an meinen Mathelehrer. Ich hatte während meiner gesammten Schulzeit zuvor noch nie so einen lustigen Lehrer gehabt. Es gab wirklich keine Stunde, in der nicht die ganze Klasse einschliesslich mir vor lachen fast vom Stuhl gefallen wäre und obendrein konnte er den Unterrichtsstoff ziemlich gut vermitteln. Ich werde ihn vermissen, wenn ich in Deutschland in meinen Mathestunden sitze, was aber nicht heissen soll, dass meine deutschen Mathelehrer nicht auch sympathisch wären.

 

Was hat dir besonders gut gefallen?

In Badajoz war das eindeutig der Karneval. Dieser wird hier in enorm grossem Ausmass gefeiert. Freitags und montags treffen sich fast alle Jugendlichen zwischen 15 und 30 Jahren im Stadtzentrum und es wird auf 2 Plätzen und 3 Strassen im Altstadtviertel bis zum nächsten Morgen durchgefeiert. Man findet kaum Platz un sich zu bewegen. Es ist unvorstellbar, wieviele Leute dort zusammenkommen. Ausserdem fand ich die Verkleidungen, die getragen weden ziemlich eindrucksvoll. Es wird viel Wert auf Orginalität gelegt. Wochen zuvor schon hatten meine Klassenkameraden angefangen Kostüme zu entwerfen und Stoffe zu kaufen. Verkleidungen im Stile "Ich zieh mir den alten Malerkittel vom Opa an und male mir 2 Herzen ins Gesicht" sah ich kaum. Zum Karnaval werde ich auf jeden Fall so bald wie möglich wiederkommen.

 

Wie sieht ein typischer Schultag aus? War es leicht, Klassenkamerad/innen kennen zu lernen?

An meiner Schule fing der Unterricht um 8:30Uhr an, was ich super fand, weil ich im Vergleich zu Deutschland eine Stunde länger schlafen konnte. Die Stunden hatten 50 Minuten und aus war entweder um 14:10Uhr oder 15:00Uhr.

Im Allgemeinen muss ich sagen, dass Schule in Spanien extrem einfach und leider auch sehr oft extrem langweilig ist. Die Schulbücher, die man selber kaufen muss, wurden von vorne nach hinten durchgearbeitet. Dabei sass der Lehrer vorne am Pult und hat (meist) wortwörtlich den Buchtext diktiert, sodass man den Stoff später vom eigenen Buch oder den Aufschrieben auswendig lernen konnte. Mit Ausnahme von Mathe, Englisch und Latein war (meiner Meinung nach) nicht wichtig zu kapieren was man gelernt hatte, um gute Noten zu schreiben, man musste einfach nur gut sein im Auswendiglernen, da die Arbeiten folgendermassen aussahen: Die Fragen waren die Überschrifte der einzelnen Buch-, bzw. Heftkapitel. Und je näher die Antworttexte am Originaltext lagen, desto besser viel die Note aus. Sich kritisch mit etwas auseinanderzusetzen, eigene Kommentare schreiben oder ähnliches wurde nie gefragt. Da es keine mündlichen Noten gibt und Referate auch unbekannt sind, setzt sich die Endnote nur aus den schriftlichen Leistungen zusammen. Wer gut ist im Auswendiglernen, dürfte in Spanien keine Probleme haben gut abzuschneiden.

Klassenkameraden und allgemein Leute kenne zu lernen war nicht schwer, da die Spanier sehr offene Leute sind und den Kontakt suchen, daher sagen sie auch mit Recht: "En España todos somos amigos." Das gilt auch für Lehrer, da man sie grundsätzlich mit Vor- oder, wenn vorhanden, Spitznamen anredet. Die Frage jemanden dutzen zu dürfen ist allgemein normalerweisse Überflüssig, weil mit Ausnahme gegenüber (sehr) älteren, unbekannten Persone von der Höflchkeitsform kaum gebrauch gemacht wird.

Leben in der Gastfamilie oder im Internat: Was ist ganz anders als zu Hause?

5Das Leben in einer Gastfamilie ist natürllich im Allgemeinen etwas ganz anderes als bei der eigenen Familie zu sein. Jede Familie hat ihre Bräuche, Regeln und Angewohnheiten, die man zuerst lernen muss und versuchen sich diesen anzupassen. In meinem Fall kann ich sagen, dass meine Gastfamilie sehr nett war und es kaum Probleme gab. Ich konnte mit meinen Gasteltern über alles reden wie mit meinen leiblichen Eltern und teilweise sogar über Sachen, über die ich mit meinen Eltern nicht reden würde. Der grosse Unterschied liegt natürlich darin, dass alles in spanisch geredet wurde...woran man sich aber schnell gewöhnt. Allerdings habe ich meine Gasteltern nicht als Eltern, sondern eher als Freunde gesehen, da man mit 17 denke ich nicht mehr so die Mama und den Papa brauch wie mit 5 Jahren. Schwierigkeiten gab es eigentlich nur teilweise mit meinem Gastbruder, weil ich glaube, obwohl er es nicht zugibt, ihm schon ein Stück von seiner Rolle als "Sohn der Familie" genommen zu habe und daher teilweise Eifersucht sowohl bei ihm als auch bei mir aufgetaucht ist. Zum Schluss kann ich aber sagen, dass das Leben in einer Gastfamilie auf jeden Fall eine Erfahrung darstellt, die so man so nur als Minderjähriger erlaben kann und auf viel Spass macht.

Wie hast du die außerschulische Zeit verbracht?

Die ausserschulische Zeit habe ich abgesehn von Hausaufgaben so verbracht: Montags bis mittwochs nahm ich an einem gratis Sprachkurs teil, der in der Stadt für Ausländer angeboten wurde. Donnerstags hatte ich Salsa-Kurs, welcher, ebenfalls gratis, von der Schule angeboten wurde. Die restliche frei Zeit verbrachte ich viel draussen auf der Strasse. Dort habe ich mich mit Freunden getroffen in Parks oder auf Bänken. In Spanien spielt das Leben mehr auf der Strasse als zu Hause. Auch die Wochenenden habe ich viel dort verbracht, aber wir gingen auch Billiard spielen, ins Kino oder auf den Botellon. Da treffen sich die Jugendlichen am Stadtrand oder an einem sonstigen Ort, an dem die Nachbarn nicht allzusehr gestört werden mit der Hauptbeschätigung zu trinken, Freunde zu treffen, reden und die Zeit zu verbringen; teilweise bis zum nächsten Morgen. Als Deutscher hatte ich auch den Vorteil, leichter als meine spanischen Freunde in Pubs oder Discos zu können, die offiziell erst ab 18 Jahren sind, da ich aufgrund meiner Grösse meist älter eingeschätzt wurde.

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