Spanien: Staatliche Schulen

Fragen? Kommentare?

Schüleraustausch Spanien: Erfahrungen

Alle Erfahrungsberichte ansehen

Vorname:
Elisabeth
Alter:
16
aus:
Glienicke
war:
2007 für ein Semester in Sevilla, Spanien
Schultyp:
Staatliche Schule
Kontakt:
elisabeth.flesch@web.de

Hier der Bericht von Elisabeth:

Alles begann damit, dass mein Bruder sich vor drei Jahren entschied, für ein Jahr nach Amerika zu gehen. Durch ihn kam ich überhaupt erst auf die Idee, ebenfalls für längere Zeit eine Schule im Ausland zu besuchen. Zuerst suchte ich im Internet nach einer Organisation, da uns die von meinem Bruder nicht gefallen hat und da traf ich auf GLS. Dort informierte ich mich über alles und entschied mich dazu, für ein halbes Jahr auf eine staatliche Schule nach Spanien zu gehen.

Nach einigen Vorbereitungstreffen und einem Sprachkurs ging es dann auch schon bald los.

Auf meinem Hinflug lernte ich zwei deutsche Mädchen kennen, in deren Gesellschaft ich mich von meiner Nervosität ablenken konnte.

Als ich am Flughafen in Sevilla ankam, sah ich schon von der Gepäckausgabe aus meine Familie und meine Nervosität war wie weggeblasen. Dort standen meine Gastmutter mit ihrer Tochter und ihrem Enkel und meine brasilianische Gastschwester, Manu. Alle sahen sehr sympathisch aus und haben mir nett zugelächelt.

Zur Begrüßung gaben mir alle zwei Küsschen und schon fuhren wir in das Haus, in dem ich für 4,5 Monate leben sollte.

Mein erster Eindruck von dem Haus war, dass es ziemlich klein und alles sehr kitschig eingerichtet war. Ich wohnte zusammen mit Manu in einem winzigen Zimmer.

Schon an meinem ersten Abend lernte ich zwei andere Mädchen kennen, eine andere Deutsche und eine Brasilianerin, sie wohnten ebenfalls zusammen und wir freundeten uns sofort an.

Meine Gastmutter habe ich in der ersten Woche fast gar nicht verstanden, da sie so schnell geredet hat, aber daran habe ich mich relativ schnell gewöhnt.

Anfangs hatte ich einige Probleme mit meiner Gastmutter, da sie kaum Geduld hatte, langsam mit mir zu sprechen, aber zum Glück hatte ich Manu, mit der ich das gut durch gestanden habe. Mit ihr habe ich mich das ganze halbe Jahr total gut verstanden und sie war immer eine meiner besten Freundinnen.

Mein erster Tag in der Schule war etwas verwirrend. Es war noch nicht klar, in was für eine Klasse ich kommen sollte und so war ich erst in einer falschen. Aber am zweiten Tag war das dann geregelt und ich war mit sechs anderen Austauschschülern in einer Klasse, was Vor-, aber auch Nachteile hatte. Es waren Schüler aus Brasilien, Ungarn und außer mir noch eine Deutsche. Die Schule ging jeden Tag von 8.30 Uhr bis 14.30 Uhr, jeden Tag hatten wir sechs Stunden, nach der Dritten war immer eine halbe Stunde Pause.

Da ich ein paar von den anderen Austauschschülern schon kannte, war ich kaum aufgeregt und hatte Leute zum Reden, die die gleichen sprachlichen Probleme hatten wie ich. Anfangs war die Klasse nicht sonderlich an uns interessiert, aber nach und nach fragten sie uns Sachen wie woher wir kommen oder wie es ist, in einer Gastfamilie zu wohnen.

Den Unterricht habe ich am Anfang kaum verstanden, am schlimmsten war das Fach Informatik, wo der Lehrer wahnsinnig schnell gesprochen hat. Jeder Schüler saß an einem Computer, war total auf sich alleine gestellt und musste Aufgaben machen, die der Lehrer gesagt hat. Zuerst hatte ich richtig Angst vor dem Fach, doch am Ende war es mein Lieblingsfach, wo ich am meisten gelernt habe. Die anderen Fächer waren alle ziemlich einfach, in lengua castillana, also Spanisch, hat uns die Lehrerin Texte gegeben, die wir zusammenfassen sollten und die sie später korrigiert hat. Dadurch habe ich viel gelernt.

In Englisch war das Niveau niedriger als in Deutschland. Die Aussprache war gewöhnungsbedürftig, dafür waren sie in der Grammatik ziemlich weit. Nach ein, zwei Wochen kannten wir dann auch schon ein paar Spanier, mit denen wir abends ausgegangen sind. Das Ausgehen war eine der besten Sachen in Spanien, ich habe mich immer schon die ganze Woche lang darauf gefreut. In den Sommernächten war es noch schöner als im Winter, die Temperaturen abends waren sehr angenehm und man konnte im Top ausgehen.

Alle Spanier haben sich in der Nacht auf größeren Plätzen getroffen, sich unterhalten und die Stimmung war immer super. Dort habe ich immer viele neue Leute kennen gelernt und hatte immer sehr viel Spaß. Später ist man dann noch in die Disco gegangen oder ist auf den Plätzen geblieben.

Das Wetter in Spanien war auch total schön, in meiner ganzen Zeit dort hatte ich fast jeden Tag blauen Himmel und Sonnenschein. Geregnet hat es nur sehr selten und dann auch immer nur sehr kurz. Sogar im Winter waren die Temperaturen erträglich, es war nie kälter als 15 Grad.

Der Nachteil an diesen Temperaturen war, dass meine Gastfamilie keine Heizung hatte. Im Winter in der Nacht war es, wie man es sich vorstellen kann, immer recht kalt und es war furchtbar morgens aufzustehen. Doch die sonstigen warmen Temperaturen haben das wieder ausgeglichen.

Bei GLS habe ich als Gebietswunsch Sevilla angegeben und habe es nie bereut. Sevilla ist eine wunderschöne Stadt mit interessanten Gebäuden und sehr netten Menschen. Allerdings hat mich am Anfang der andalusische Akzent sehr gestört, den ich kaum verstanden habe. Im Nachhinein finde ich es gar nicht mehr so schlecht, wenn ich mich jetzt mit Spaniern unterhalte, merken sie, dass ich für längere Zeit dort gelebt haben muss, da es nicht das einfache „Schulspanisch“ ist.

Mit GLS war ich sehr zufrieden, sobald ich Schwierigkeiten hatte, haben sie sich sofort darum gekümmert und versucht, meine Probleme zu lösen. Das Verhältnis zu meiner Gastmutter wurde mit der Zeit viel besser. Nach einem Monat ungefähr hat sie uns beide mitgenommen auf eine Wallfahrt nach Portugal mit einer Gruppe von Behinderten und Kranken, was mir gut gefallen hat. Die Leute waren sehr liebenswürdig und wir haben uns dort sehr gut mit unserer Gastmutter verstanden.

Gereist bin ich noch mit der Organisation nach Madrid, was ich in guter Erinnerung habe, außerdem habe ich eine Klassenfahrt nach Granada gemacht, was auch toll und interessant war. Mit ein paar Freunden bin ich öfters mal an den Strand gefahren und auch zum Skifahren in Granada in den Weihnachtsferien, was eines der tollsten Erlebnisse für mich in Spanien war.

Die Zeit in Spanien verging viel zu schnell und ich wäre gerne noch da geblieben! Vor allem in den letzten paar Wochen hatte ich das Gefühl, mich jetzt richtig unterhalten zu können und das Verhältnis zu meiner Gastmutter war besser als je zuvor.

Alles war ganz anders als ich es mir erst vorgestellt habe, aber es war einfach super und ich würde es auf jeden Fall wieder machen.

Ich würde jedem raten, einen Austausch zu machen, da man sehr viele neue Sachen kennen gelernt und total viele neue Erfahrungen sammelt. Es war einfach eine wunderbare Zeit für mich und ich bin wahnsinnig froh, dass ich mich für dieses halbe Jahr in Spanien entschieden habe.

Alle Erfahrungsberichte ansehen

Druckversion dieser Seite