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Miami bilingual - Interview mit Katalina aus Berlin

Katalina, auf dem Foto ganz links, hat von Januar bis März 2010 am bilingualen Programm in Miami teilgnommen.

 

 

 

 

 

Warum hast du dich für Miami entschieden?

Ich habe mich für das bilinguale Programm in Miami entschieden, da ich dieses als einzige Möglichkeit in Amerika sah, zwei Sprachen gleichzeitig zu trainieren.
Außerdem hat mich die Vorstellung von Sonne, Strand und Meer gereizt. Ich war mir aber bewusst, dass ich nicht jeden Tag zum Strand gehen werden würde, da man ja nicht in den Urlaub fährt, sondern an einem Austausch Programm teilnimmt und dort für einen längeren Zeitraum zuhause sein wird.

Bilingual englisch - spanisch: kommt man da nicht durcheinander?

Aus meiner Sicht kommt man bei dem bilingualen Programm nicht leicht durcheinander. Ich will aber nicht damit sagen, dass es ausgeschlossen ist. Ich denke, es ist individuell abhängig. Ich jedenfalls würde jedem, der zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen will, das Programm weiterempfehlen. Es ist eine einzigartige Gelegenheit, um beide Kulturen genauer kennen zu lernen.  

Wie sah bilingual konkret aus: mit wem hast du welche Sprache gesprochen?

Ich habe meistens mit meiner Gastfamilie und einem Teil meiner Freunde Spanisch gesprochen. Viele meiner Freunde waren Latinos, und deren Englischkenntnisse waren manchmal stark mangelhaft, nicht gut genug, um überhaupt Gespräche aufzubauen bzw. zu führen. Eine meiner besten Freundinnen heißt Vanessa. Sie und ihre Schwester kamen vor einem Jahr aus Venezuela. Ihre Schwester möchte nicht Englisch lernen und stellt sich stur, denn in Miami kommt man mit Spanisch soweit wie mit Englisch. Vanessa dagegen hat sich schneller angepasst und spricht gut Englisch. Dennoch hatte ich auch Freunde, die fließend Englisch sprachen und „Native Speaker“ waren. Der Unterricht in der Schule fand hauptsächlich in Englisch statt, obwohl es da auch Ausnahmen gab.

War die High School in Miami bilingual?

Die High School war auf den ersten Blick nicht bilingual, doch in meinen ersten Stunden bemerkte ich, dass sehr viel Unterricht auch in Spanisch statt fand. Viele der Lehrer waren ja ebenfalls Latinos oder lernten die Sprache in einem schnellen Zeitraum, und so war es kein Problem, die Schüler auch auf Spanisch bzw. bilingual zu unterrichten. Dies war für mich anfangs sehr ungewohnt, da ich ja in den USA war und nicht in Lateinamerika oder Spanien.

Jeder Schüler auf einer High School hat einen zugehörigen Counselor, einen Ansprechpartner, mit dem man seinen Stundenplan einteilt und bespricht. Ich konnte sehr leicht auch in andere Klassen wechseln, da ich eine wirklich sehr      nette Ansprechpartnerin hatte. Während meiner kurzen Zeit in Miami habe ich circa 15-mal die Kurse gewechselt. Das schnelle Wechseln der Fächer ist aber im Allgemeinen sehr üblich.

Wie haben englischsprachige Schüler der High School darauf reagiert, dass einige ihrer Mitschüler kein Englisch sprechen?

Dass manche Schüler eine andere Kultur lebten und eine andere Muttersprache sprachen als Einheimische, war kein Problem. Jeder tolerierte jeden. Man probierte mit mangelhaften Kenntnissen zu kommunizieren, und das klappte immer blendend – man wird auch wirklich offenherzig und nett aufgenommen.

Egal ob dick oder dünn, blond oder brünett! So stark ausgeprägte Toleranz wie in Miami ist hier, in Berlin, deutlich weniger ausgeprägt. Das ist eine der Sachen, die ich an Miami sehr vermisse.

Wie haben die Lehrer darauf reagiert? Waren sie nicht „genervt“?

Oh ja! Die Lehrer waren sehr oft genervt. Schließlich war es auch ihre Aufgabe, die Schüler in Englisch zu unterrichten, zudem diese High School offiziell nicht bilingual war.

Leider konnten sich die Lehrer selten durchsetzen gegen die riesigen Klassen. Die Anzahl der Schüler in den einzelnen Klassen unterschied sich stark von denen hier in Deutschland. Eine Klasse hatte 30 bis max. 40 Schüler.

Du warst nur 3 Monate in den USA. Reicht das?

Das ist schwierig zu sagen. Mir persönlich wäre es lieber gewesen, noch länger zu bleiben. Ich hatte aber leider dazu nicht die Möglichkeit. Durch das verkürzte Abitur fand meine Schule die Idee, ein halbes Jahr ins Ausland zu gehen, nicht so prickelnd. Ich konnte mich also entscheiden. 1.Option: Hier bleiben. 2. Option: 3 Monate zu gehen. Ich entschied mich für Option zwei und würde es auch jedem weiterempfehlen! Es ist eine wahnsinnig tolle Erfahrung, in der man selbständiger wird und mehr Eigenverantwortung übernimmt. 
      

Denkst du dein Austausch hat sich sprachlich gelohnt?

Ja. Ich denke der Austausch nach Miami hat sich definitiv gelohnt. Mein Spanisch sowie auch mein Englisch haben sich deutlich verbessert .

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