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High School: Erfahrungsberichte & Forum

Hier findest du Erfahrungsberichte zu High School Schüleraustausch in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Frankreich, Spanien etc ...

Vorname:
Mark
Alter:
17
aus:
Basel
war:
2018 für ein Schuljahr in Yokkaichi, Japan
Schultyp:
Private Schule
Kontakt:
mark.grunkemeyer@gmail.com
Homepage:
https://markgrunkemeyer.wordpress.com/

Hier der Bericht von Mark:

 

Was waren für dich die drei größten Unterschiede zwischen Japan und Europa?

1 Ichi: Die Mentalität und Wertevorstellungen - Bei uns ist Individualität sehr wichtig: man soll so sein wie man ist und sich bloss nicht auf Grund von sozialen Normen oder Erwartungen Anderer etwas Inneres unterdrücken oder vorgeben etwas zu sein was man gar nicht ist. In Japan hingegen ist Harmonie und die Gruppe sehr wichtig. Man soll sich anpassen und nicht aus der Reihe tanzen, damit alle friedlich zusammenleben und glücklich sein können. Komisch zu sein ist etwas schlechtes, hingegen stört es nicht wenn alle das gleiche machen. Gleichzeitig haben Respekt und Dankbarkeit einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft. Dies zeigt sich praktisch: wenn man einen Laden verlässt sagt man nicht wörtlich Tschüss, sondern verabschiedet sich mit dem Wort "Danke". Genau genommen sogar mit der Vergangenheitsform von Danke. Die Vergangenheitsform von Danke benutzt man wenn die Sache, für die man sich bedankt, hier der Ladenbesuch, ganz abgeschlossen ist. Wenn beispielsweise der Verkäufer Ware zum anprobieren bringt, nimmt man die Gegenwartsform von Danke.

2 Ni: Die Sprache - es mag offensichtlich erscheinen, aber es macht einen grossen Unterschied alltäglich auf Japanisch oder Deutsch zu leben. Einerseits war es nicht immer so einfach sich auf Japanisch auszudrücken wie man es gerne würde. Andererseits war es spannend im Zug herauszufinden, was den genau auf den Werbeplakaten steht. Auf Japanisch zu leben war manchmal frustrierend aber auch immer ein schöne Herausforderung.

3 San: Ungesagtes - Ich wusste schon immer, dass es non-verbale Kommunikation gibt. Was ich letztes Jahr neu dazugelernt habe ist, dass diese für jede Sprache anders ist. Japaner lassen viele Sachen ungesagt, oder deuten Sachen nur leicht an. Für sie selbstverständlich und die normale Art zu kommunizieren (es wäre vielleicht sogar komisch Einiges auszusprechen), aber für mich komplett unverständlich (ich verstand ja schon nicht immer den verbalen Teil). Gesagtes hat in Japan manchmal mehr Gewicht. Ich gebe dir ein Beispiel: Ich war einmal mit Freunden im Supermarkt und hatte eigentlich keinen Durst, sah aber ein cooles Getränk und sagte mit dem Finger zeigend "Ah, das möchte ich mal irgendwann probieren" und meinte dabei genau das. Kaum ausgesprochen, hatte einer meiner Freunde das Getränk schon für mich gekauft. Er nahm es wohl als Aufforderung an, das Getränk jetzt für mich zu kaufen. Und ich hatte eigentlich nicht einmal Durst :)

Woran denkst du als erstes, wenn du an dein Auslandsschuljahr in Japan denkst?

An meine Freunde und Sachen die ich mit ihnen gemacht habe (vor allem Reisen).

Was hat dir besonders gut gefallen in Japan?

Einen Einblick von innen in das sonst nach aussen eher verschlossene Land Japan zu bekommen.

Wie sieht ein typischer Schultag aus? War es leicht, Klassenkamerad/innen kennen zu lernen?

Die Schule beginnt um 8:25 mit Homeroom. Dort gibt der Klassenlehrer Informationen (z.B. über einen Uni-Infotag) und Stundenplanänderungen für den entsprechenden Tag und führt eine Anwesenheitskontrolle durch. Um 8:50 beginnt die erste Stunde, gefolgt von 10 Minuten Pause und 3 weiteren Stunden. Die Mittagspause dauert 40 Minuten, in denen die meisten Schüler eine mitgebrachte Bentobox am Schreibtisch im Klassenzimmer essen. Es gibt aber auch eine Kantine (mit sehr leckerem Essen für teilweise weniger als 3 Euro) und vielen Automaten mit Getränken und Süssigkeiten. Die Schüler wechseln das Zimmer eher wenig, dafür aber die Lehrer ständig. Japanische Klassen haben gefühlt einen besseren Klassenzusammenhalt als schweizer, schweizer Jugendliche haben dafür auch mehr Kontakt zu Leuten ausserhalb der Schule. Nachmittags noch drei Lektionen, Homeroom und Clubs.

Leben in einer japanischen Gastfamilie: Was ist ganz anders als zu Hause?

Selbstständigkeit - Ich hatte bei meiner Gastfamilie zwar festgelegte Essenszeiten und Sachen, die ich im Haushalt erledigen sollte, war allgemein aber wesentlich selbstständiger. Ich habe meine eigene Wäsche gemacht, Früchte und andere Kleinigkeiten selbst eingekauft und oft alleine gegessen.

Missverständisse - Ich hatte mich in verschiedenen Situationen mit meinen Gasteltern missverstanden oder wurde von ihnen missverstanden. Das führte auch zu vielen lustigen Situationen.

Wie hast du die außerschulische Zeit in Japan verbracht?

Ich habe viel Zeit in der Kirche verbracht und dort auch meine engsten Freunde gehabt. Ich wurde dort sehr gut aufgenommen. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass meine Freunde von dort wie zu Familie für mich wurden.

Ich bin gläubiger Christ und gehe auch hier in der Schweiz wöchentlich in die Gemeinde. Darum war es für mich selbstverständlich auch in Japan zur Kirche zu gehen. Ich suchte in Google nach Gemeinden in der Nähe und bin einfach mal alleine hingegangen.

Wir trafen uns mindestens zwei Mal pro Woche: zum Gottesdienst und zur Jugendgruppe. Wir haben zusammen viel gelacht, viele Spiele gespielt, aber auch über wichtige Lebensfragen geredet (bzw. habe ich anfangs geschwiegen als alle anderen darüber geredet haben ;-)

Es war hier auch schwierig die Spielregeln und die Andachten zu verstehen, aber mir wurde vieles liebevoll mehrmals (teils auf English) erklärt oder auch übersetzt.

Wir hatten auch verschiedene Ausflüge, Übernachtungspartys und Camps. Diese zählen zu meinen schönsten Erinnerungen. Leider musste ich vor dem grossen Sommercamp schon abreisen, aber ich habe es fest vor nächste oder übernächste Sommerferien nach Japan zu reisen und am Camp teilzunehmen.

Auch wenn du in deinem Heimatland nicht zur Kirche gehst, empfehle ich dir wärmstens in deinem Gastland einmal vorbeizuschauen. Es wird sicher anders sein als erwartet (und wenn nicht, gebe ich eine Runde Sushi für dich aus)