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High School: Erfahrungsberichte & Forum

Hier findest du Erfahrungsberichte zu High School Schüleraustausch in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Frankreich, Spanien etc ...

Vorname:
Carolin
Alter:
17
aus:
Hamm (i. Westf.)
war:
2010 für ein Schuljahr in Holbæk, Sjælland, Dänemark
Schultyp:
Staatliche Schule
Kontakt:
carolinpretzer@web.de

Hier der Bericht von Carolin:

 

Was waren für dich die drei größten Unterschiede zwischen Zielland und Deutschland?

Dänemark ist ein ziemliches kleines, aber dafür auch sehr stolzes Land. Obwohl viele Jugendliche immer wieder bestätigen, dass sie überhaupt nicht "so stolz" sind, kann man doch einen gewissen Stolz fühlen. Zu Geburtstagen zum Beispiel wird draußen geflaggt und "Dannebrog", wie die dänische Flagge heißt, ist überall auf Kerzen, Tischdecken und Geschenkpapier zu finden. Da ich in einem recht kleinen Dorf lebe, ist die Einstellung hier "auf dem Land" etwas anders als in der Stadt. Zu Ostern zum Beispiel standen entlang der Hauptstraße ganz viele "Dannebrogs".

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland war die Art der Menschen. Dänen sind unwahrscheinlich freundlich und offen. Nicht umsonst sind sie "die glücklichsten Menschen der Welt". In allen Läden, Bussen und Cafés sind sie sehr nett und hilfsbereit, wenn man eine Frage oder ein Problem hat.

Ich habe das Gefühl, dass das Leben hier in Dänemark irgendwie viel entspannter ist. Als Jugendlicher hat man mehr Freiheiten - nicht nur was die Einstellung vieler Eltern, sondern auch die Gesetzgebung angeht. Viele dürfen mit dreizehn schon arbeiten und dänische Eltern sehen es nicht so ernst, wenn man etwas später nach Hause kommt. Aber natürlich sind da Unterschiede von Familie zu Familie.

Woran denkst du als erstes, wenn du an deinen Auslandsaufenthalt denkst?

Wenn ich an mein Auslandsjahr denke, denke ich zuerst an all das, was ich erlebt und erreicht habe. Ich bin eigentlich ein eher schüchterner Mensch, aber hier in Dänemark habe ich auf einmal Dinge erreicht, von denen ich niemals gedacht hätte, dass ich sie hätte tun können. Ich bin in einem Land zurecht gekommen, dessen Sprache ich erst lernen musste, ich habe Freundschaften fürs Leben gefunden, eine Familie, die mich auch über mein Auslandsjahr hinaus unterstützen will und ich habe unwahrscheinlich viel über mich selbst gelernt. Das alles sind Erfahrungen und Erlebnisse, die ich gegen nichts in der Welt eintauschen möchte!

Was hat dir besonders gut gefallen?

Ganz besonders fand ich den Tag, an dem ich festgestellt habe, dass ich eigentlich das meiste dänische verstehe. Das war ungefähr nach zwei oder drei Monaten und ich konnte langsam am Unterricht teilnehmen. Ein Mädchen aus meiner Klasse hat mich gefragt, wie viel ich eigentlich verstehe und ich stellte fest, dass das so gut wie alles war. Ich konnte natürlich nicht alles sagen und es gab immer wieder Wörter und Ausdrücke, die ich nicht kannte, aber das Meiste konnte ich mir erschließen oder ableiten.

Auch der Morgen, als ich das erste Mal auf dänisch geträumt hatte war etwas besonderes. Ich hatte geträumt, dass ich in Deutschland war, dänisch sprach und mich niemand verstand :)

Jetzt nach langer Zeit in Dänemark denke ich auf dänisch und wenn ich mit meinen Eltern in Deutschland telefoniere kann es schon mal passieren, dass ich zwischendurch "Hvad hedder det nu?" (Wie heißt das jetzt gleich?) auf dänisch sage, wenn mir mal wieder ein deutsches Wort fehlt.

Wie sieht ein typischer Schultag aus? War es leicht, Klassenkamerad/innen kennen zu lernen?

Ich gehe in die zweite Klasse des Stenhus Gymnasiums, das entspricht der 12. Klasse in Deutschland. Jeden morgen fahre ich mit dem Bus in das 20 km entfernte Holbæk um dort noch einmal den Bus zur Schule zu wechseln. Die erste Stunde beginnt um 8.15 und ich habe meistens bis 13.20 oder 14.30. An einem Tag in der Woche habe ich lange Schule bis um halb vier. Die Stunden dauern 45 Minuten und man hat um zehn Uhr 15 Minuten Frühstückspause und um halb 12 eine halbe Stunde Mittagspause. Dann kann man auch warmes Essen in der Kantine der Schule bekommen, man kann aber auch sein eigenes "madpakke" (Lunchpaket) mitbringen. Meine Gastfamilie ist da ziemlich kreativ und ich habe gelernt, das sich Reste vom Vortag super zum madpakke eignen.

In den Pausen sitzen viele in der Kantine oder an den vielen Tischen, die in der Schule und draußen um die Schule herum aufgestellt sind. Dort kann man viele Leute kennenlernen und richtig viel Spaß haben!

Ich bin in einer sprachlichen Klasse und deshalb habe ich Dänisch, Englisch und Deutsch auf Niveau A (das ist das höchste). Wir haben außerdem Erdkunde, Geschichte, Politik und Biologie, aber die Fächer sind von Klasse zu Klasse sehr unterschiedlich, es gibt zum Beispiel auch eine Sport-Linie und eine Musik-Linie.

An meinem ersten Schultag hatten wir eine gemeinsame Stunde für alle Austauschüler (wir sind insgesamt 7 aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Organisationen) und ich habe zwei "Ansprechpartner" aus meiner Klasse bekommen, die mir die Schule gezeigt haben und mir meinen Stundenplan und das Internetprogramm Lectio (wo man sehen kann, was man für Hausaufgaben auf hat) erklärt.

Dadurch, dass sie mich der Klasse vorgestellt haben, konnte ich schnell Anschluss finden. Die Dänen sind sehr interessiert, vor allem, wenn jemand ihre "komische" (wie sie es nennen) Sprache lernen will. Sie sind auch sehr hilfsbereit und man wird gleich bei allen Klassenfesten eingeladen und in Gruppenarbeiten integriert. Doch sind auch die Dänen etwas schüchtern und verschlossen, wenn man sie näher kennenlernen will und es bedarf ein kleines bisschen Arbeit. Doch wenn man erstmal Freunde gefunden hat, sind es wirklich enge Freundschaften, und das ist ja das, was wirklich zählt.

Der Unterricht ist zum größten Teil im Klassenverband und dadurch gibt es einen sehr starken Zusammenhalt, den ich sehr genieße. Es gibt viele "Hygge-Abende" (man trifft sich, zum Beispiel alle Mädchen, zu Hause bei einem und sieht Filme, unterhält sich oder man geht zusammen ins Kino). Es gibt aber auch viele Feste, die die Schule organisiert und da kann man schnell viele Leute aus den anderen Klassen kennenlernen.

Manchmal gibt es auch Angebote nachmittags. Seine Fehlstunden kann man im "Hausaufgabencafé" ausbügeln und es gibt Musik- und Kunstangebote. Ich gehe in eine christliche Gruppe, die sich einmal in der Woche in der Mittagspause trifft, wo wir über unseren Glauben, die Welt und alles mögliche sprechen und dabei leckeren dänischen Kuchen essen. Dort habe ich auch einen richtig guten Freund gefunden und wir gehen zusammen in eine Gemeinde in der Stadt.

Nach der Schule, wenn ich nach Hause komme, mache ich meine Hausaufgaben, die ca. 1 bis 1 ½ Stunden dauern. Manchmal haben wir verschiedene Projekte, dann dauert es mal nicht so lange, an anderen Tagen machen wir unsere Hausaufgaben in der Schule bei Tee und Keksen im Hausaufgabencafé, dann dauert es meistens etwas länger, weil wir so viel über alles mögliche reden.

Überhaupt finde ich, dass die Schule hier sehr entspannt ist. Man macht seine Aufgaben, aber man schreibt so gut wie gar keine Arbeiten oder Tests. Dafür gibt es ein paar Projekte, die über verschiedene Fächer sind und dann ein Thema haben, dort muss man eine etwas längere Analyse schreiben, aber das macht meistens viel Spaß. Man darf im Unterricht trinken, auf die Toilette gehen und seinen Computer mitnehmen, damit man Notizen schreiben kann. Braucht man das Internet im Unterricht, stehen überall in der Schule Computer zur Verfügung für die man ein eigenes Passwort bekommt.

Auch das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ist sehr gut. Da man in Dänemark alle - außer der Königin - duzt, kann man mit seinem Lehrer über alles mögliche diskutieren und die Lehrer sind allgemein sehr interessiert und versuchen ihren Unterricht den Interessen der Schüler anzupassen.

Leben in der Gastfamilie oder im Internat: Was ist ganz anders als zu Hause?

Ich habe drei Gastgeschwister: Zwei Schwestern, Christina, die 15 ist und Charlotte, die 12 ist und einen Bruder Philip, der fünf Jahre alt ist. Meine Gastmutter ist Buchhalterin und mein Gastvater ist Taxifahrer. Meine Gastoma wohnt im Nachbarort, sie ist aber fast den ganzen Tag zu Hause bei uns und hilft im Haushalt und beim Essenkochen.

Ich habe ein eigenes Zimmer bekommen, dafür musste Charlotte mit Philip zusammenziehen. Meine Gasteltern fanden, dass ich ein eigenes Zimmer haben sollte, aber ich hätte es auch ok gefunden, wenn ich ein Zimmer hätte teilen müssen.

Morgens frühstücke ich meistens mit meinen Gasteltern, weil die anderen noch nicht so früh aus dem Haus müssen und jeden Abend essen wir alle zusammen Abendbrot. In Dänemark isst man um ca. 12 Uhr "forkost", d.h. man hat sein Essen mit in der Schule, ein Sandwich oder vielleicht Salat und Abends ist man dann warmes Essen.

Meine Gasteltern kommen meistens gegen vier oder fünf Uhr nach Hause und meine Gastgeschwister gehen entweder arbeiten oder zu verschiedenen Sport- und Freizeitaktivitäten.

Abends nach dem Abendessen haben wir unsere Familienzeit. Wir sehen oft einen Film (hier sind die Filme viel besser, weil sie im Original sind und nicht synchronisiert wie bei uns) und manchmal backen wir frische Milchbrötchen oder essen Popcorn.

Nach Ostern war ich ein Wochenende mit meiner Familie in Berlin. Das war ein zimlich komisches Gefühl in Deutschland zu sein, wähernd man selbst eigentlich als Dänin dort war. Ich hatte ziemliche Schwierigkeiten Deutsch zu sprechen und der Mann im Hotel hat mich sogar gefragt, ob er langsamer sprechen solle :)

Zu Pfingsten wollen wir campen fahren. Überhaupt ist meine Familie gerne und viel auf Campingplätzen, in diesem Jahr war das Wetter aber so schlecht, sodass wir nur einmal im Herbst campen waren.

Ich habe ein richtig gutes Verhältnis zu meiner Gastfamilie bekommen, weil wir von Anfang an viel über unsere Erwartungen und "Macken" gesprochen haben. Ich meine nicht, dass man sein komplettes "Ich" vor seiner Familie darlegen soll, aber es gibt so Sachen zum Beispiel werde ich sehr still, wenn ich müde bin. Es war wichtig für meine Gastfamilie zu wissen, dass ich still war, weil ich müde war und nicht, weil ich Heimweh hatte.

Ein ziemlich großer Unterschied ist, dass meine Gasteltern und meine Eltern in Deutschland eine andere Idee haben, wie Kinder aufwachsen. Ich bin recht streng erzogen worden und hatte am Anfang Probleme, die Erziehung meiner Gastgeschwister zu akzeptieren. Hier war es einfach wichtig, das ich Zeit hatte mich einzugewöhnen und ich habe auch mit meiner Gastmutter darüber gesprochen und das hat viel geholfen.

Ich überlege, ob ich in Dänemark studieren will und meine Gastfamilie hat mir das Angebot gemacht, dass sie mich unterstützen möchten, wenn ich zurück in "die zweite Heimat" komme und diese und auch mein gutes Verhältnis zu meinen Gastgeschwistern schätze ich sehr. Es ist einfach wunderbar, wenn man sich akzeptiert fühlt und von seinen Gasteltern wie die anderen Kinder behandelt wird.

Wie hast du die außerschulische Zeit verbracht?

Nach den Hausaufgaben ist meistens noch ein bisschen Zeit für Hobbys. Ich habe meine Gitarre mitgenommen, gehe aber nicht zum Unterricht, sondern spiele einfach ein bisschen und über selber.

Einmal in der Woche gehe ich bei einer befreundeten Familie, die einen Reitstall hat reiten. Jetzt, wo das Wetter besser wird, werde ich auch ein bisschen öfter dort mit dem Fahrrad rausfahren.

An den Wochenenden gibt es oft Treffen mit der Klasse oder mit ein paar Freunden von der Schule oder aus der Gemeinde.

Man geht zusammen ins Kino, an den Strand oder fährt nach Kopenhagen um shoppen zu gehen.

Fast jeden Sonntag gehe ich in die Kirche. Meine Gastfamilie ist nicht sehr religiös, aber ich bin es von Deutschland aus gewohnt und daher richtig froh, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, in eine Gemeinde zu gehen.

Der Gottesdienst unterscheidet sich von dem bei uns, man ist noch zusammen "Frokost" und es komme immer sehr viele Jugendliche, die oft noch Nachmittags zusammen sind.

Die Dänen sind sehr aktiv und daher gibt es auch viele Sportvereine. Man kann Fußball, Badminton und Handball spielen, Turnen und es gibt auch einen Schwimmverein.