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High School: Erfahrungsberichte & Forum

Hier findest du Erfahrungsberichte zu High School Schüleraustausch in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Frankreich, Spanien etc ...

Vorname:
Sophia
Alter:
17
aus:
Eberswalde
2007 für ein Schuljahr in Faröer Inseln, Dänemark
Schultyp:
Staatliche Schule
Kontakt:
kroetehampel@yahoo.de

Hier der Bericht von Sophia:

Hej! Ich bin so HAPPY!!!

Nun endlich finde ich die Zeit euch zu schreiben und zu berichten wie es mir geht und was ich erlebe...denn erlebt hab ich schon ne Menge… obwohl die Zeit verfliegt wie im Wind…Ich bin doch eigentlich grad erst angekommen. Nun von Anfang an.

Nachdem ich ja sooo ewig lang auf meine Familie gewartet hab, ging es dann plötzlich alles ganz schön schnell. Ich war wirklich froh endlich los zu können, aber als ich dann hier war, hab ich gemerkt, dass das denn doch ein bisschen plötzlich war…. Aber das ist schon so lang her =)…also, angefangen hat das Abenteuer für mich auf dem Flughafen von Kopenhagen. Ich bin ja noch nie geflogen (und fliegen macht echt Spass)! Und ich war auch noch nie in einem Gewirr von Menschen allein auf mich gestellt. Ich bin ein wirklich verplanter und orientierungsloser Mensch wenn es um solche Sachen wie den richtigen Bus oder den richtigen Zug finden geht, aber das ist ja echt alles ganz einfachen im Gegensatz dazu, das richtige Flugzeug zu finden.

Aber ich hatte ja zum Glück vier Stunden Zeit (und die braucht ich auch, um alles zu finden und zu organisieren, was ich brauchte, ich bin echt froh das ich mich nicht erst aus und dann wieder einchecken brauchte!). Glücklich saß ich dann im Flugzeug zu den Faröer Inseln zwischen zwei älteren Faeringern. Mein erster Kontakt zu einem Faeringer – ja…den wird ich als besonders bezeichnen. Auf den Inseln ist alles teuer und besonders der Alkohol und da man im Flugzeug Alkohol bekommt, ohne teueres Geld zu bezahlen, haben es meine beiden Nachbarn ausgenutzt. Sie tranken und tranken und t r a n k e nach ja...vom Jägermeister bis zum Bier war alles dabei, aber nett waren sie trotzdem die ganze Zeit und als man dann die Umrisse der Inseln ein bisschen erkennen konnte, waren sie voll glücklich und haben mir alles gezeigt und erklärt. Das sind ihre Inseln!

Meine Gastgeschwister haben mich dann vom Flughafen abgeholt. Meine Gastfamilie ist echt klasse. Ich hab wirklich absolutes Glück gehabt. Meine Gastvater Óli ist eine kleine Berühmtheit hier. Er hat eine Zeitung und ist in der Politik. Der Óli ist ein voll fürsorglicher Mensch, jeden Morgen weckt er mich und packt mir mein Frühstücksbrot für die Schule zusammen. Meine Gastmutter ist eigentlich die ganze Zeit am Lächeln und auch einfach eine total nette Person. Und auch meine Gastbrüder und Linda sind klasse. Also Kari (Gastbruder) hab ich ja noch nicht kennen gelernt, er kommt erst morgen aus Dänemark wieder und Linda war nur die ersten zwei Wochen da, jetzt ist sie auch wieder in Dänemark.

Am ersten Abend kamen lauter Freunde von Oli Jákup. Ich weiss nicht warum, aber irgendwie hab ich mich ein bisschen wie im Zoo gefühlt, bloß dass ich das Tier bin..., aber trotzdem das war ein total klasse Abend! Und ein klasse Einstieg in mein Leben hier. Sie sind alle total offen auf mich zu gekommen, die Künstler in der Runde haben mir voll Stolz die faröeische Kunst näher gebracht und es war ne total lockere Stimmung. Tróndur ist ein Schüchterner – viel haben wir noch nicht miteinander gesprochen (er mag nicht gern englisch reden) aber es gibt zum Glück noch 100 andere Möglichkeiten zu kommunizieren und die nutzen wir aus. Ja, sie sind wirklich alle total klasse und ich hab sie jetzt schon lieb gewonnen!

Am ersten Wochenende sind wir eigentlich nur von einem Geburtstag zum anderen gegangen und eigentlich machen wir das an jedem Wochenende. Die Faeringer, das ist ein Volk ohne Zeit oder zumindest mit einer eigenen Zeitrechnung, denn sie kommen IMMER zu spät. Ich find das toll, denn ich bin auch nicht so sehr pünktlich obwohl das manchmal echt heftig ist. Óli Jakup und ich haben ein paar Freunde zum Essen um 20:00 Uhr eingeladen. Es gab Lasagne und Nudeln und Chips – alles zusammen und auf einmal. Ja, das Essen ist auch was Eigenes – um halb neun kamen dann die Ersten...und das war wirklich schon pünktlich…. Um 21.oo konnten wir dann anfangen, zu essen und um 23:00 kam dann der Letzte!

Oder wir waren zum Geburtstag von ich weiss nicht wen eingeladen, ich glaub das war der Geburtstag vom Sohn einer Arbeitskollegin von Kirstin, der in die gleiche Klasse mit Kari ging. Na ja, ich hab Kirstin gefragt, wann wir denn da sein sollen (es war um 20:00), sie hat gerade Zeitung gelesen und schaute auf die Uhr und meinte “Jetzt” und hat weiter gelesen.... Um ´35 haben wir uns dann fertig gemacht. Menschen, die pünktlich kommen, werden belächelt und Menschen die pünktlich kommen, sollten auch nicht erwarten, dass es jetzt los geht oder dass der andere fertig ist. Denn das ist nie so! Ich habe auch in der ganzen Zeit in der ich hier bin, erlebt dass der Unterricht mit den Klingerzeichen beginnt…eine sehr unwahrscheinliche Angelegenheit, da selbst der Lehrer meist noch nicht da ist...die Uhr, das ist mehr so eine Richtlinie.

Genauso besonders wie das Verhältnis zur Zeit ist das zum Essen der Faeringer. Ich hatte noch nicht die Chance, viel zu probieren, aber ein bisschen habe ich schon mitbekommen. Was ich wirklich faszinierend finde, sind diese kleinen Stullen, die es zwischendurch gibt, so als Imbiss, oder die man mit in die Schule nimmt. Da gibt es nicht einfach ein Leberwurstbrot... Nein! Auf die Leberwurst muss noch Paprika und Tomate und so’ne Minibifi, und auf das Wurstbrot kommt noch Fleischsalat oder Eiersalat und auf den Käse gibt es Rotkohl und ein bisschen grünem Schmuck…wow…sie sind wirklich einfallsreich und kreativ.

Umso genialer das Brot aussieht umso komplizierter ist es das Brot zu essen, aber es schmeckt super! Die Faeringer essen gerne und besonders gerne essen sie süß! Ich hab noch nie soviel verschiedene Desserts und Kuchen auf einem Tisch gesehen und alles sieht so lecker ausJ Besonders lecker ist der Milchreis-Créme-Mix mit Karamellsoße (mhmm, wenn ich irgendwann wieder zurück bin, will ich das einmal machen. Der ist einfach zu lecker als das man ihn verpassen sollte! Einmal im Leben muss man diesen Reis-Mix essen!!!) Kartoffeln werden eigentlich auch immer mit Pelle gekocht und dann abgeschält. Ich bin jetzt schon der absolute Pellkartoffeln-Abpell-Profie!! Gind (Wal) schmeckt nur den Menschen, die auch Leber mögen, zumindest wenn er als Gulasch zubereitet ist…. Ich bin schon gespannt auf all das andere, denn sie erzählen mir oft von den verschieden traditionellen Gerichten, vom abgehangen Fisch, über Schafskopf, bis hin zum Wal ist da alles drin J

Ich wurde auch schon zu einer Schafschlacht eingeladen… Schafe: Ich habe wirklich noch nie so viele Schafe auf einem Haufen gesehen. In Deutschland war es immer was besonderes, Schäfchen zu sehen, aber hier stolpert man fast über die Tiere. Sie laufen eigentlich alle mehr oder weniger frei herum, was für die Autofahrer nicht immer so toll istJ. Rein theoretisch kommen hier auf jeden Menschen zwei Schafe. Einmal spazieren gehen ohne ein Schaf zu begegnen, ist eine “Mission impossible”. Selbst auf den entlegensten Fleckchen kommt einen ein Schaf entgegen oder man sieht irgendwo Schafswolle rumliegen. Die Schafswolle hier ist wirklich toll. Sie hat ja den Ruf, besonders warm und regenundurchlaessiger als andere Arten zu sein.

Und das ist hier wirklich wichtig, denn wirklich warm ist es nicht und es regnet eigentlich auch so ziemlich die ganze Zeit. Na ja, fast die ganze Zeit. Heute hat die Sonne geschienen. Ich liebe dieses Wetter hier. Den Wind und den Regen. Die Natur ist sowieso wunderschön, unbeschreiblich schön, unglaublich schön... Ich bin total fasziniert und könnte eigentlich die ganze Zeit von den Steinen, den Grasflächen, den Wasserfällen (dessen Wasser man trinken kann, wenn der Wasserfall nicht gerade in der Nähe eines Ortes ist) und dem Meer schwärmen. Man braucht nur ein kurzes Stück gehen und schon ist man allein mit sich, (und den Schafen, denn die sind ja überall). Und man kann laufen und laufen und begegnet kaum Menschen. Das ist einfach schön, und ich genieße immer jeden Augenblick.

Am ersten Freitag haben wir in der Englischstunde eine Wanderung gemacht, die Sonne schien und man muss das Wetter ja ausnutzen (so die Erklärung des Lehrers). Die meisten Lehrer kommen mir hier viel entspannter vor als die deutschen. Das Verhältnis Schüler-Lehrer ist hier sowieso entspannter und im Unterricht wir viel gelacht und diskutiert. Das skandinavische “DU” benutzt man auch hier und so sprechen sich alle mit Vornamen an. Letzten Freitag war meine Klasse bowlen (wir hatten einen Gutschein von der Projektwoche gewonnen) und vorher gab es Abendbrot bei Annie (unsre Geschichtslehrerin). Ich habe es nie erlebt, dass wir mal zu einem Lehrer eingeladen worden sind und schon gar nicht, dass wir mit ihm zusammen Abendbrot essen…

Es gibt hier Blockunterricht (90-Min-Stunden) und der Lehrer entscheidet, ob es eine Pause dazwischen gibt oder nicht. Ich bin in der “deutschen”12. Klasse, das heisst meine Klasse mach nächstes Jahr ihren Abschluss. Und ich bin in der Sprachlinie, das heisst ich habe kein Mathe (Dabiduu…, ach ist das schön!) und als einziges naturwissenschaftliches Fach habe ich so einen merkwürdigen Chemie-Physik-Mix und sonst hab ich Faröerisch, Dänisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Drama, Geographie und Geschichte. Der Unterricht unterscheidet sich noch in einen Punkt besonders von dem deutschen: Hier müssen wir andauernd und ständig Essays und Reporte schreiben, dafür gibt es kaum Testate. Aber das ist echt ne Menge Arbeit für die anderen. Ich habe ja das “Glück”, dass ich noch nicht so gut faeroeisch kann und so ein paar Essays wegfallen und auch das Übersetzten der dänischen Texte in die anderen Sprachen kann ich jetzt noch nicht richtig. Wirklich alle Bücher sind dänisch (abgesehen vom Faröerischbuch).

Dänisch sprechen die meisten wie ihre zweite Muttersprache, obwohl sie einen Akzent haben. Viele haben in Dänemark eine zeitlang gewohnt oder haben ein dänisches Elternteil. Es gibt ne dänische Zeitung, fast alle Verpackungen sind dänisch und das Fernsehen hat auch dänische Untertitel…. Überall spukt das Dänische umher! Mhm, …vielleicht kann ich dann irgendwann beide Sprachen, das wäre ja klasse! Obwohl, ich bin froh, wenn ich erstmal faröerisch kann, das ist wirklich eine Zungensprechsprache! Die Grammatik ähnelt oft dem deutschen aber die Aussprache ist teilweise zum Mäuse- Melken… Abgesehen davon habe auch nicht das mit den ganzen Sonderzeichen und deren Aussprache gerafft. Da gibt es das teilweise stumme ð-Ð und dann ý, ú, á, í, æ, ø…. Aber ich bin optimistisch, dass ich das noch lerneJ!!!!! Ich gebe mir Mühe und Schritt für Schritt komme ich voran, obwohl mir das viel zu langsam geht. Ich will mich endlich mal ohne Missverständnisse ausdrücken können, aber ich habe viel Spass beim lernen der Sprache und ich glaube, die anderen haben das auch.

Letzte Woche war ich in ZAREPTA, das ist ein christliches Jugendcamp, was hier total beliebt ist und es war super lustig. Ich hab tolle Menschen getroffen und ne Menge Spass gehabt. Der Glaube spielt hier eine ganz andere Rolle. Er ist viel selbstverständlicher, aber auch viel fester. Die Jugend-Meetings sind ein fester Bestandteil in der Woche. Ich bin überrascht gewesen und immer wieder fasziniert, mit welchem Elan und welcher Kraft sie die Lieder singen. Sie singen genauso gern wie sie essen. Man hört eigentlich immer irgendwen summen, pfeifen oder singen.

Es ist wirklich schön, in ein ganz anderes Land zukommen, ohne die Sprache zu können, ohne sich ausdrücken zu können und trotzdem Menschen zu finden, die gerne mit einen zusammen sind, die einen helfen, einen nicht allein lassen und mit den man lachen kann. Und viel faszinierender und schöner ist es, dass ich schon nach so kurzer Zeit solch nette Menschen gefunden zu habe.

Ich melde mich wieder
Ich bin total glücklich!!!
Sophia