Kommentar

Fragen?
Mehr in der Datenschutzerklärung.

High School: Erfahrungsberichte & Forum

Hier findest du Erfahrungsberichte zu High School Schüleraustausch in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Frankreich, Spanien etc ...

Vorname:
Ann-Kathrin
Alter:
16
aus:
Bottrop
war:
2011 für ein Schuljahr in Luleå, Norrbotten, Schweden
Schultyp:
Staatliche Schule
Kontakt:
ann-kathrin@friesens.de
Homepage:
www.friesens.de/schweden

Hier der Bericht von Ann-Kathrin:

 

Was waren für dich die drei größten Unterschiede zwischen Zielland und Deutschland?

Einer der größten Unterschiede zwischen Deutschland und Schweden war die Schule. In Deutschland bin ich es gewohnt, jeden Tag von 8 bis 2 in die Schule zu gehen und danach noch Hausaufgaben zu machen. In Schweden war das alles ganz anders. Hier hatte ich Ganztagsschule mit Mittagessen, dafür aber kaum Hausaufgaben. Die ganze Schulzeit fühlte sich aber viel lockerer an, weil ich viel Zeit hatte sich zwischendurch mit den Klassenkameraten zu unterhalten und auch die Stunden und die Lehrer waren nicht so strikt wie in Deutschland. Man hatte auch ein super Verhältnis zu den Lehrern und viel mehr Spaß in den Stunden. Da hat das auch nicht viel ausgemacht, dass wir Montags bis 5 Uhr Schule hatten.

Ein weiterer Unterschied war das Klima. Da Luleå sehr weit im Norden liegt, hatte ich einen richtigen Winter. Als ich im August nach Schweden geflogen bin, war der Sommer schon vorbei. Im Winter hatte ich Temperaturen von bis zu -30° und kälter und natürlich sehr viel Schnee. Als ich Ende Juni, nach Midsommar, nach Hause gefahren bin, hat der Sommer gerade erst angefangen. Der letzte Schnee verschwand im Mai und nach Christi Himmelfahrt haben erst die Blumen angefangen zu blühen.

Der dritte große Unterschied waren die Essengewohnheiten. Die meisten Nordschweden essen morgens Frühstück, dann schon manchmal am halb 11 Uhr Mittagessen und wenn die Schule/Arbeit zuende ist um 5 oder 6 Uhr Abendessen. Da man dann aber wieder um 9 uhr hungrig ist, isst man "fika", dh Tee und Kekse oder Kuchen. Auch war es ungewohnt beim Mittagessen UND Abendessen warm zu essen und dazu gab es immer Milch.

Woran denkst du als erstes, wenn du an deinen Auslandsaufenthalt denkst?

Als aller erstes denke ich an die Dunkelheit im Winter und die Helligkeit zu Midsommar. Da ich nur 100 km südlich vom Polarkreis wohnte habe ich das volle Programm abbekommen und bin auch überglücklich darüber. Zu Weihnachten wurde es nur für 2 oder 3 Stunden hell, man ist im Stockdunklen zur Schule gefahren und auch wieder im Stockdunklen nach Hause gekommen. Im Dezember hat man dadurch aber noch deutlicher die Weihnachtsbeleuchtung gesehen und vor allem alle Sterne am Himmel. Im Sommer war es aber noch ungewöhnlicher, weil es schon im Mai abends einfach nicht dunkel war. Ich war noch um 24 Uhr wach und fühlte mich wie vor 3 Stunden, weil es so dunkel war, wie um 9 Uhr abends in Deutschland. An Midsommar war das natürlich besonders beeindruckend, da es wirklich nicht dunkel wurde. Die Sonne ist für eine Stunde vom Horizont verschwunden, aber trotzdem wurde es noch nicht mal richtig dämmerig.

Was hat dir besonders gut gefallen?

Mir hat eigentlich alles wirklich gut gefallen und ich kann kaum etwas herauspicken, was mir besonders gefallen hat. Ich hatte sehr viel Glück mit meiner Gastfamilie, die nicht besser hätte sein können und meiner Klasse, die mich sofort als eine von ihnen aufgenommen hat. Besonders schön war auch der Schnee im Winter und die ganze Landschaft in Nordschweden. Überall Nadelwälder, die sich so weit das Auge reicht erstrecken, mit kleinen roten Holzhütten mittendrin. Die Natur ist noch viel atemberaubender als ich mir das vorstellen konnte und im Gegensatz zu allen Vorurteilen waren wirklich alle Schweden ohne eine einzige Ausnahme unglaublich nett und freundlich. Wirklich super war auch, dass ich viele andere Austauschschüler aus verschiedenen Ländern kennengelernt habe, von denen ich mit manchen hoffentlich auch länger noch Kontakt haben werde.

An alle werdenden Austauschschüler, die das lesen und nach Schweden gehen; Hofft, dass ihr nach Nordschweden kommt. Der Rest von Schweden ist auch wunderschön, doch Norrbotten ist einfach Abenteuer pur. Es gibt nicht viele, die schon mehrmals nördlich des Polarkreises waren, sowie Schneemobil gefahren sind und das Eishotel in Jukkasjärvi gesehen haben.

Wie sieht ein typischer Schultag aus? War es leicht, Klassenkamerad/innen kennen zu lernen?

Mein typischer Schulalltag war, dass ich früh aufgestanden bin, um mit meinen Bus zu fahren. Da ich auf dem Land gewohnt habe, gab es nicht viele Busse und die fuhren auch selten und lange, deswegen musste ich immer früher aufstehen als alle anderen, um rechtzeitig in der Schule zu sein. Ich hab eigentlich immer zu unterschiedlich Zeitpunkten angefangen, oft um 8:15, aber auch um 9:40 oder 10:15. Die Stunden sind nicht nach gemeinsamen Zeiten eingeteilt, jeden Stunde fängt an und hört auf wenn sie (oder der Stundenplan) will. Nach ein bis drei Stunden hatte ich dann Lunch, 35 bis 65 min lang. Danach gings meistens wieder zu irgendwelchen Stunden und der Schultag war auch immer zu unterschiedlich Zeiten zuende, montags um 17 Uhr, freitags um halb 1.

Ich war im Mathematischen Programm (matematiska och naturvetenskapliga programmet) ein Spezialprogramm, dass in meinem Jahrgang zum ersten Mal stattfand. Wir waren 15 Schüler in der Klasse und deswegen hatte ich viel Anschluss zu allen. Meine Klasse hat mich sofort aufgenommen, mit mir gesprochen und ich war ein Teil von ihnen, nicht irgendein Austauschschüler. Dadurch hatte ich auch schon Kontakt zu allen und wir hatten eine geniale Klassengemeinschaft. Auch durch die längeren Pausen hat man sich viel mehr miteinander unterhalten als in meiner deutschen Schule.

Leben in der Gastfamilie oder im Internat: Was ist ganz anders als zu Hause?

Ich hatte unglaublich viel Glück mit meiner Gastfamilie und habe mich auch sofort wie Zuhause bei ihnen gefühlt. Natürlich war vieles anders, aber komischer Weise habe ich auch viele Sachen gefunden, die wir genauso in meiner Familie machen. Es war sehr leicht, mich anzupassen und das hat mir auch das Jahr lang sehr geholfen. Ich hatte noch zwei Gastschwestern im Alter von 15 und 17, von denen die ältere ein Auslandsjahr in den USA gemacht hat. Ich habe ich Zimmer bekommen und sie sozusagen ein Jahr lang vertreten.

Wie hast du die außerschulische Zeit verbracht?

Durch die langen Schultage hatte ich garnicht so viel Zeit nach der Schule. Aber ich habe Oboe in einem großen Blasorchester gespielt und wieder angefangen, Tennis zu spielen. Bei beiden Hobbys habe ich Freundschaften geschlossen, die vermutlich halten werden. Das Orchester hatte noch einen anderen Austauschschüler aus den Niederlanden, mit dem ich mich sehr gut angefreundet habe und auch im Orchester wurden wir beide sofort mit offenen Armen begrüßt (nicht nur weil er der beste Trompeter und ich die einzige Oboe war). Ich hätte gerne noch mehr mit Freunden in meiner Freizeit gemacht, aber da ich auf dem Land wohnte und abends ab 6 Uhr und an den Wochenenden keine Busse mehr fuhren, war ich da etwas abgeschnitten. Umso besser war es, dass ich mich wirklich gut mit meiner Gastfamilie verstanden habe.