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High School: Erfahrungsberichte & Forum

Hier findest du Erfahrungsberichte zu High School Schüleraustausch in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Frankreich, Spanien etc ...

Vorname:
Henrike
Alter:
16
aus:
Stolberg
war:
2007 für ein Schuljahr in Smithfield, Virginia, USA
Schultyp:
Staatliche Schule mit Wahl

Hier der Bericht von Henrike:

Ein Jahr im Ausland - die beste Entscheidung meines Lebens!

Amerika war die beste Entscheidung für mich. Jeder, der ein Austauschjahr gemacht hatte, erzählte mir wie toll es doch war. Eines Tages dann fragten mich meine Eltern ob ich ein Jahr im Ausland verbringen wollte. Klar wollte ich die gleichen Erfahrungen erleben wie z.B. meine Mutter. Direkt setze ich mich an den Computer und suchte im Internet nach Organisationen. Ich versuchte Unterschiede zwischen den Organisationen festzustellen und letztendlich entschied ich mich für GLS, und GLS entschied sich für mich!

Nachdem ich einige Treffen von GLS besucht hatte, erhielt ich 2 Wochen vor Abflug die Adresse meiner Gastfamilie, nahm natürlich sofort Kontakt auf, packte meine Koffer und dann eines Morgens saß ich im Flugzeug nach Amerika. Ich wusste, dass ich spätestens auf dem Flugplatz in Frankfurt eine andere Austauschschülerin treffen würde, die die gleiche Schule besuchen würde wie ich.

Am Flughafen in Newport News, traf ich zum ersten Mal eine meiner Gastschwestern und meinen Gastvater. Nach einer guten halben Stunde trafen wir dann in meinem „Zuhause für ein Jahr“ ein. Hier traf ich auf den Rest der Familie, meiner andern Gastschwester, die zu dem Zeitpunkt genau die gleichen Sachen an hatte, wie ihre Zwillingsschwester, und meine Gastmutter. In den ersten Minuten wusste ich nicht mit wem der beiden ich nun am reden war und wer wer war! Der erste Eindruck war merkwürdig. Natürlich ist es typische das es komisch ist eine amerikanische Familie, die Gastfamilie, zu treffen. Aber schon am nächsten Morgen war es alles nicht mehr so merkwürdig als am Abend bevor.

Klar waren da einige Unterschiede zu Deutschland. Nicht nur eine ganz andere Sprache, oder eine ganz andere Familie mit der ich nun ein Jahr leben sollte. Nein, da waren noch viel größere. Einer der angenehmen Unterschiede war natürlich, dass man 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche einkaufen konnte. Andererseits fing die Schule hier schon um 7.30 an, was anfangs für mich ungewohnt war, doch nach ein paar Tagen Alltag. Und auch ganz neu für mich war der große Unterschied in der Freizeitgestaltung der Jugendlichen. In Deutschland kann man schon mit 16 Jahren Alkohol trinken und rauchen. Hier warten die Jugendlichen fünf Jahre länger, dafür können sie ihren Führerschein schon mit 16 erwerben. Was Einiges für sie einfacher macht.

An das Erste an was ich denke, wenn ich an meinen Aufenthalt in Amerika denke, ist die Marching Band, die die meiste Zeit meiner Nachmittage in Anspruch nahm, die Gastfamilie und die vielen neuen Freunde. Die Zeit als Mitglied der Marching Band habe ich einfach genossen. Nach weniger als 48 Stunden in Amerika, stand ich mit der Marching Band auf der Bühne der Schule und auf einem Footballfeld, zwar konnte ich die Musik noch nicht spielen, doch trotzdem haben mich alle ohne Probleme aufgenommen und wollten mir mit allem helfen. Hier fand ich auch direkt die ersten Freunde, bevor die Schule angefangen hatte. Im Jahr spielten wir viele Paraden, oft gewannen wir als Band Preise und auch das Schulfootballteam wurde, mit der Unterstützung der Band, fast Meister. Als Nächstes denke ich an meine Gastfamilie, die mir die Schönheit ihres Landes zeigte, mich mit nach Florida und Washington, D.C. nahm und auch zu den Grosseltern nach Pennsylvania. Sie brachten mir die Kultur ihres Landes näher und wir hatten einfach viel Spaß zusammen.

Doch fast genau so viel Zeit verbrachte ich mit meinen Freunden. Sie nahmen mich mit zu Veranstaltungen und Partys. Die Eltern einer meiner Freunde nahmen mich mit zum Jagen. Oder eine Freundin nahm mich überraschend zu einem Key -Club -Treffen mit, wo ich seit dem Mitglied bin. Meine Gastschwestern, die gleichzeitig meine besten Freundinnen wurden, halfen mir bei der Auswahl von Ballkleidern für Schulbälle. Die Schulbälle wie Homecoming und Prom kann auch nicht wirklich vergessen. Die Mädchen überlegten sich wochenlang was sie anziehen sollten, wie ihr Haarstyle sein sollte und die Jungen beratschlagten, wen sie als Date haben wollten.

Alles hat mir besonders gut gefallen. Doch wenn ich jetzt einfach „Alles“ schreibe, versteht das natürlich kaum einer. Vielleicht nur diejenigen, die tatsächlich als Austauschschüler in den USA waren. Die Betreuung von GLS machte meinen Aufenthalt perfekt und angenehm. Die meiste Zeit habe ich bestimmt in der Schule verbracht. In Amerika gehört der „School Spirit“ einfach zur Schule, wie die Luft zum Leben.

Ein Freund sagte bevor ich nach Amerika ging: „Wenn man an einer Straßenkreuzung steht, werden mindestens drei Amerikaner anhalten und dich fragen, ob sie dir helfen können.“ Es muss nicht immer eine Straßenkreuzung sein. Es kann auch ganz einfach der Flur zu deinem nächsten Klassenraum oder einer der vielen Gänge eines Supermarkts sein. Die Amerikaner sind einfach offen und freundlich zu jedem, den sie treffen. Das „How are you doin’?“ gehört einfach dazu, wenn man an der Kasse in einem Laden bezahlen möchte. Am meisten hat mir immer noch die Gast- und Aufnahmefreundlichkeit der Lehrer und Schüler und natürlich der Gastfamilie gefallen.

Mein Schulalltag startete normalerweise um 7.30 h, aber oft war ich schon um kurz nach sieben in der Schule, um mich mit den anderen aus der Band, meinen Freunden, kurz zu unterhalten. Dies war erst mal total ungewohnt für mich. Nachdem es zum Unterricht geläutet hatte, wurde die Pledge gesagt und darauf folgte die tägliche Gedenkminute. Sie endete meistens mit den Ankündigungen des Tages. Nun, da schon gut zehn Minuten vorbei waren, fing der Lehrer direkt mit dem Unterricht an. Die Stunde endete nach 97 Minuten, wobei die letzten fünf Minuten für Nachrichten verloren gingen.

Der Hausfernsehsender strahlte jeden Morgen aus, was so alles in der Schule passieren würde und wie das Wetter werden sollte. Nach der ersten Stunde hatte man dann eine Fünf-Minuten-Pause. Diese nutzte ich meistens als eine Pause um zu meinem Locker (Schließfach) zu gehen. Dann fing schon die zweite Stunde an, die wieder nach 97 Minuten aufhörte. Doch es folgte leider wieder nur eine Fünf-Minuten-Pause und die dritte Stunde. Für das Mittagessen war eine halbe Stunde vorgesehen. Dafür wurde meine dritte Stunde unterbrochen und danach einfach weiter geführt. Um 12.59 h endete dann die 3. Stunde und es folgte wieder eine Fünf-Minuten-Pause, die wieder genutzt wurde, um aus dem Locker die Bücher für das nächste Fach zu holen.

Die vierte Stunde, wieder 97 Minuten lang, endete um 14.41 h, wurde aber in den letzten fünf Minuten durch die Nachmittagdurchsage unterbrochen. Hier wurde täglich mitgeteilt was am nächsten Tag anstand und welcher Bus eventuell durch welchen ersetzt wurde. Nachdem der Unterricht beendet war, folgte für mich eine manchmal oft anstrengende, doch immer lustige Bandprobe, während für andere ein Treffen des Sportteams anstand.

Es gibt viele Unterschiede zu der Schule in Deutschland: dass für alle der Unterricht um 7.30 h anfängt und für alle um 14.41 aufhört. Ich hatte grundsätzlich vier Stunden am Tag, täglich und wöchentlich dieselben. Doch es erwies sich als angenehm, denn man hatte nur vier Fächer, auf die man sich konzentrieren musste. Es wurde jeden Freitag ein Test geschrieben, doch nach einer Weile wusste ich, was einen erwartete in solch einem Test.

Locker, in denen man seine Bücher verstaute, die um einiges dicker und schwerer sind als die, die wir aus Deutschland kennen, wurden auch als Treffpunkte zwischen den Stunden zum Austauschen der Neuigkeiten genutzt.

Was mich persönlich in den ersten Wochen fast zum Wahnsinn getrieben hat, war die Tatsache, dass meine Schule in Virginia kaum Fenster hatte. Die ersten Wochen dachte ich immer, es würde draußen regnen. Wenn ich dann nach draußen kam, wurde ich jedes Mal von der Sonne geblendet, da ich mich so lange im „Dunkel“ der Schule aufgehalten hatte.

Die Lehrer haben in Amerika eigene Klassenräume. An manchen Tagen kann es passieren, dass man als Schüler nicht den Unterricht verlassen kann, weil man eingeschlossen wird. Muss man zur Toilette, ist man erst mal auf den „Hallpass“ angewiesen, der bei manchen Lehrern einfach nie wirklich zurückkommt. Dann sitzt man im Unterricht, bis der Pass endlich durch die lange Schlange der Wartenden gegangen ist.

Total anders sind die Fächer in Amerika. Hier kann man Fächer wie Band haben. Ich hatte Band mein gesamtes Schuljahr lang. Man hatte Tests und Quizes in den verschiedenen Stücken für Footballspiele oder einfach Tonleitern. Auch wer sich entscheiden hatte am „try out“ für das Konzert-Orchester teil zu nehmen, musste durch verschiedene Prüfungen. Dann wurde entschieden, ob man nun erste Flöte oder Trompete spielen durfte oder doch nur 2. Ich spiele Posaune und es war nicht grade einfach den ersten Stuhl zu bekommen. Ich musste alle Tonleitern auswendig können und auch einfach „mal eben“ eine neues Stück vom Blatt spielen. Eines der anderen Fächer war für mich „Environment Science“. Hier wurde gelehrt was alles die Umwelt schädigt und wie man der Umwelt helfen kann. Außerdem lernten wir alles über Tier- und Pflanzenarten, die vor dem Aussterben bedroht sind. Bei allen Lehrern hatte ich immer das Gefühl, sie würden in ihrem Fach plötzlich erwachen und aufleben.

Das Leben in einer Gastfamilie ist total anders als das Leben zuhause. Klar, man weiß erst einmal nicht wo man hinkommt, doch letztendlich ist man zufrieden. Zumindest ging es mir so! Eine Gastfamilie organisiert alles ganz anders als zuhause. Meine Gasteltern behandelten mich direkt wie ihre Töchter, was hieß, ich musste meine Wäsche selber waschen und so weiter. Und trotzdem kam es mir anfangs komisch vor, in einer ganz andern Familie zu leben. Sonntags ging man in die Kirche und danach Einkaufen. Wie schon erwähnt, haben die Läden in Amerika 24 Stunden, 7 Tage die Woche geöffnet. Auch die Regeln in meiner Gastfamilie waren anfangs ungewohnt. Busse, die überall hinfahren wie in Deutschland, gibt es in Amerika nicht. Doch zum Glück hatte ich hilfsbereite Gasteltern und Gastschwestern, die mich überall hingefahren und mitgenommen haben.

In meiner knapp bemessenen Freizeit, habe ich die Marching Band, das Schulsegelteam und natürlich den Key Club besucht. Ich wurde zum „Band Geek“ und fand Freunde in der Band. Vielleicht auch nur weil ich so viel Zeit mit ihr verbrachte. Die Band nahm die meiste Zeit ein. Die Marching Band probte normalerweise an drei Nachmittagen die Woche, zwei Stunden. In den ersten drei Monaten waren es anstrengende Proben. Die warmen Temperaturen im Süden von Virginia machten die Proben für die Fieldshow, manchmal echt unerträglich. Freitags stand normalerweise immer ein Footballspiel an. Hier wurde gespielt, während die Footballspieler auf dem Feld kämpften. In der Pause mussten wir auf das Feld und die Fieldshow aufführen, die immer die gesamte Pause einnahm.

Am Ende der Session waren wir dann endlich in der Lage die gesamte Show ohne Probleme aufzuführen. An manchen Wochenenden hatten wir Paraden und auch an Homecoming spielte die Band auf verschiedenen Veranstaltungen. An Homecoming mussten wir eines Morgens um 6 h in der Schule sein um um 7.30 eine Stunde entfernt zu spielen. Dann kamen wir gegen Mittag wieder zur Schule und schliefen oder schauten Filme and, bis wir 6 Stunden später auf dem Footballfeld der Schule wieder standen. Es kam oft vor, dass wir um ein Uhr morgens in der Schule ankamen und dann 4 Stunden später wieder zurück sein mussten!

Das Schulsegelteam nahm grundsätzlich nur die Samstage und manche Sonntage in Anspruch. Samstags segelten wir den ganzen Tag gegen andere Schulen. Mein Glück war, dass ich an einer staatlichen Schule war, die einzige in Virginia mit einem Segelteam. Die andern Schulen waren alle Privatschulen. Sonntags mussten wir immer das üben, was wir am Tag zuvor falsch gemacht hatten oder nicht so gut hinbekommen hatten. So kam es, dass wir tatsächlich besser wurden, aber nie wirklich einen Chance gegen die privaten Schule hatten, die die Zeit und das Geld hatten, mehr als zwei Boote zu unterhalten und jeden Tag übten.

Der Key Club der Schule ist ein gemeinnütziger Club, der anderen Organisationen, wie z.B: UNICEF, hilft Geld zu sammeln. Hier fand ich viele Freunde und ging jeden Donnerstag hin um zu überlegen, wie wir zum Beispiel den Hurricaneopfern in New Orleans helfen konnten. Fast jede Schule hat solch einen Club und man ist immer wieder glücklich, wieder irgendwem geholfen zu haben. Natürlich machte ich auch Sachen, die ich in Deutschland oft gemacht habe. Hier fuhr ich in die Mall zum Shoppen oder ich traf mich mit meinen neuen Freunden und wir quatschten.

Und weil man den Führerschein in Amerika schon mir 16 erwerben kann, bekam ich meine „Learner’s Permit“ und meinen Gasteltern brachten mir das Autofahren bei.

Zum Abschluss dieses Berichtes kann ich nur sagen, ich habe die Zeit in Amerika genossen. Es ist eine unglaubliche Erfahrung, die mein Leben verändert hat. Ich habe in Amerika erfahren, was es heißt, offen für andere zu sein und definitiv werde ich diese Zeit nicht mehr vergessen.

Ich hoffe ich habe viele eurer Fragen hiermit beantwortet und wenn nicht, dann kann man mich gerne per Internet kontaktieren: Henrike-Christina.Rebenstorff@web.de