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Auslandspraktika - Erfahrungsberichte

Hier finden Sie Erfahrungsberichte von Leuten, die mit GLS ein Auslandspraktikum gemacht haben.

Vorname:
Fiona
Alter:
22
aus:
Solingen
Hintergrund:
Studentin
Praktikum:
1 Monat
Im Ausland:
2008
Praktikumsort:
Adelaide, Australien
Unternehmen:
South Australian Museum, Archives Department
Branche:
Kunst, Kultur

Nach der ersten Praktikumswoche bitten wir alle interns um Ausfüllen eines Fragebogens - hier die Antworten und Kommentare von Fiona:

 

In welchem Unternehmen arbeiten Sie?

Ich habe im Archives Department des South Australian Museum in Adelaide, Süd-Australien, gearbeitet.

Wie viele Stunden haben Sie täglich gearbeitet?

Meine Arbeitszeiten waren von Montags bis Freitags, 9 bis 17 Uhr. Doch da die "Aussies" insgesamt sehr lockere Menschen sind, durfte (und musste) ich mir die deutsche Pünktlichkeit auch schnell abgewöhnen. Es war also kein großes Problem etwas später anzufangen, wenn man dafür länger blieb.

Bitte beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag.

In den ersten Tagen führte mich meine Dienstvorgesetzte in die Archivkunde ein, stellte mich den anderen Mitarbeitern vor, gab mir eine intensive Führung durch das Museum und erklärte mir die Organisation der Institution, sowie eben dieser speziellen Abteilung. Ich bekam sogleich einen eigenen Bestand aus dem Archiv zum Bearbeiten. Es handelte sich um einen deutschen Missionar, welcher 1926 seine Heimat verließ, um in einer der ersten australischen Missionen des Northern Territory, Hermannsburg nahe Alice Springs, tätig zu werden. Er setzte sich sehr für die Rechte und die Besserstellung der Aborigines ein und wird bis heute unter ihnen sehr geschätzt. Im Laufe der 4 Wochen übersetzte ich seine Korrespondenzen (Briefe, Postkarten, Bescheinigungen und Zertifikate), musste mich der Problematik stellen, alte Handschriften zu entziffern, worin ich bisher keine Übung hatte, und gab die Informationen in ein neuartiges Datenverarbeitungsprogramm ein. Meine Arbeit aus dieser Zeit wurde später von den Mitarbeitern im Internet veröffentlicht.

Der typische Arbeitstag bestand also eher aus (interessanter!) Büroarbeit und vielen kleinen, von den Aussies sehr geliebten, Teepausen. Es gab zudem öfters Gruppenmeetings, bei dem man aktuelle Arbeitsfortschritte oder Probleme besprechen konnte. Auch organisierten meine Kollegen und Kolleginnen für mich Ausflüge in umliegende Archive oder Treffen mit Restauratoren, damit ich einen generellen Einblick in die australische museale Arbeitswelt bekommen konnte.

Während meiner Arbeit im Archives Departement habe ich selbst viele Aborigines kennen gelernt und auch viele Mitarbeiter stammten von indigenen Australiern ab. Viele besuchten das Archiv um mehr über ihre Familiengeschichte zu erfahren. Einige hatten noch nie zuvor ihre Eltern gesehen, weil sie von der „Stolen Generation“, also der Generation von halbblütigen Kindern (half-caste children) zwischen etwa 1900 und (offiziell) 1969, welche von der australischen Regierung aus ihren Familien zwangsentfernt wurden, stammten. Es war überaus bewegend mitzuerleben, wenn diese nun natürlich schon gealterten Menschen zum ersten Mal ein Foto von ihrem Vater oder ihrer Mutter aus dem Archiv in den Händen hielten. Des weiteren habe ich auch das Scannen von alten und fragilen Fotos übernommen und habe alte Karten aus dem Archiv für die Benutzer bereitgestellt. Diese waren für viele Kinder von Ureinwohnern sehr wichtig, um ihre „land claims“ weiter zu verfolgen und ihr rechtmäßig ihrer Familie gehörendes Stück Land, welches ihnen durch Weiße weggenommen wurde, wieder in Besitz nehmen zu können.

Wie war der Umgang mit Ihnen als Praktikant(in) aus Deutschland?

Der beliebteste Satz der Australier ist wohl mit Abstand "No Worries"! Und nach diesem Prinzip leben und arbeiten die Aussies voll und ganz. Der Umgang mit mir als Praktikantin war von der ersten bis zur letzten Minute absolut herzlich und unbekümmert. Es gab immer einen Ansprechpartner, an den ich mich wenden konnte. Mir wurde vieles gezeigt, ich konnte aber auch oft genug die Eigeninitiative ergreifen und mich kreativ und produktiv in das Team einbringen. Die Kollegen und Kolleginnen waren nicht nur an dem Arbeitsverhältnis interessiert, sondern waren sehr aufgeschlossen gegenüber der ihnen fremden Kultur, die ich verkörperte. Auch nach der Arbeit unternahmen wir oft etwas im Team, z.B. wenn wir uns zum Dinner trafen, etc. Mir wurde die Stadt gezeigt und ich wurde sogar von einer Kollegin ein Wochenende auf eine "Wine Tasting Tour" in eine der wunderschönen Weingegenden Südaustraliens mitgenommen. Bis heute halte ich mit meinen zu dieser Zeit gewonnenen Freunden guten Kontakt.

Wie schätzen Sie die Bedeutung des Sprachkurses ein?

Kein Besuch eines Sprachkurses.

Sind Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag schon Unterschiede zur Berufswelt in Deutschland aufgefallen - im Verhalten am Arbeitsplatz, im Dresscode, bei der Ansprechbarkeit von Vorgesetzten?

Das Verhalten am Arbeitsplatz war immer von Enthusiasmus und einer großen Hilfsbereitschaft bestimmt. Die Ansprechbarkeit meiner Vorgesetzten war sehr gut und ich fand immer ein offenes Ohr für meine Fragen und Probleme. Der Dresscode war, wie in musealen Einrichtungen üblich, leger aber schick.

Wie werden Sie Ihre jetzigen Erfahrungen als Praktikant im Ausland nach Ihrer Rückkehr in Deutschland nutzen ?

Da ich beabsichtige in einer musealen Einrichtung tätig zu werden und auch mein Studienfach daraufhin ausgerichtet habe, wird mir meine Zeit in Australien bei meinen Plänen sehr weiterhelfen. Doch nicht nur beruflich hat mich die Zeit in "Down Under" geprägt, auch zwischenmenschlich und kulturell durfte ich wertvolle Erfahrungen mit nach Hause nehmen. Es wird auf jeden Fall ein Wiedersehen geben!