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Auslandspraktika - Erfahrungsberichte

Hier finden Sie Erfahrungsberichte von Leuten, die mit GLS ein Auslandspraktikum gemacht haben.

Vorname:
Marie
Alter:
21
aus:
Rheinmünster
Hintergrund:
geplantes Studium "Soziale Arbeit"
Praktikum:
2 Monate
Im Ausland:
2016
Praktikumsort:
Cuenca, Ecuador
Unternehmen:
Hogar Infantil "Tadeo Torres"
Branche:
Soziales, Sozialpädagogik

Nach der ersten Praktikumswoche bitten wir alle interns um Ausfüllen eines Fragebogens - hier die Antworten und Kommentare von Marie:

In welchem Unternehmen arbeiten Sie?

Ich habe in einem Heim für Kinder ohne Eltern gearbeitet, das "Hogar Infantil Tadeo Torres" heißt. Dort leben 30-40 Kinder, die in 2 Gruppen räumlich getrennt sind; die 0-2 Jährigen und die knapp 3-7 Jährigen. Das Heim wird von Nonnen geleitet, es arbeiten aber auch viele weibliche Angestellten (z.B. Therapeuten) dort, mit denen man viel zusammenarbeitet.

Wie viele Stunden haben Sie täglich gearbeitet?

Ich habe normalerweise 8 Stunden täglich (Montag bis Freitag) gearbeitet, von 8 Uhr durchgehend bis 16 Uhr. Allerdings bin ich oft länger geblieben wenn ich gebraucht wurde und konnte dafür auch mal früher nach Hause gehen.

Bitte beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag.

Ich war immer bei den älteren Kindern von fast 3 bis 7 Jahren. Morgens haben wir meistens zuerst in den "Häusern" (wo die Kinder schlafen, mit Außenbereich) gespielt und/oder Aktivitäten mit ihnen unternommen. Das war normalerweise etwas Kreatives wie Basteln, Schneiden oder Malen. Um ca. halb 10 gab es für die Kinder eine Kleinigkeit zum Essen und danach wurde weitergespielt. Außerdem hatten die Kinder morgens immer verschiedene Therapien bei den Angestellten und die größeren Kinder waren in der Schule. Um halb 12 gab es Mittagessen, wobei man den Kindern oft helfen musste. Danach haben wir je nach Wetter drinnen gespielt (Puzzels, Bücher vorlesen, malen...) oder auch draußen im Park, der zum Heim gehörte. Dort gab es viele Spielsachen und auch eine Art Spielplatz und sogar einen großen Hof, in dem wir oft mit Spiel-Fahrzeugen oder Bällen gespielt haben. Bei Regen waren wir manchmal auch im Fernsehraum. Außerdem wird einmal in der Woche ein schöner Ausflug unternommen, wie z.B. reiten gehen, eine große Mall besuchen, in einem Park Cuencas Tretboote fahren... Um 16 Uhr habe ich normalerweise das Heim verlassen, kurz bevor es für die Kinder Abendessen gab, wo ich oft mitgeholfen habe wenn andere Freiwillige gefehlt haben. Danach werden die Kinder fürs Bett fertig gemacht.

Wie war der Umgang mit Ihnen als Praktikant(in) aus Deutschland?

Sehr gut. Alle waren sehr neugierig und aufgeschlossen, weil sonst immer nur Mädchen aus den USA in dem Heim als Freiwillige arbeiten und sie so mal etwas über ein anderes Land lernen konnten.

Wie schätzen Sie die Bedeutung des Sprachkurses ein?

Ich habe keinen Sprachkurs gemacht, weil meine Sprachkenntnisse im Voraus schon ausreichend waren. Allerdings empfehle ich jedem, der sich nicht auf Spanisch einigermaßen unterhalten kann, unbedingt einen Sprachkurs zu machen und dabei auch zu versuchen, einiges mitzunehmen. Denn sowohl die Nonnen als auch die Angestellten reden ausschließlich Spanisch, und eine Kommunikation zwischen ihnen und Freiwilligen ist unbedingt nötig um wichtige Angelegenheiten klären zu können. Ich war immer sehr froh darüber, im Gegensatz zu den anderen Freiwilligen die kaum Spanisch sprachen, mit jedem über alles reden zu können und dann verbessert sich das Spanisch auch sehr schnell. Vor allem im Umgang mit den Kindern ist es sehr wichtig, die Sprache so gut zu beherrschen um sie verstehen zu können und von ihnen verstanden zu werden.

Sind Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag schon Unterschiede zur Berufswelt in Deutschland aufgefallen - im Verhalten am Arbeitsplatz, im Dresscode, bei der Ansprechbarkeit von Vorgesetzten?

Im Allgemeinen ist mir aufgefallen, dass Ecuadorianer vieles lockerer sehen. Besonders auf Pünktlichkeit trifft man eher selten und z.B. der genaue Therapieplan für die Kinder wurde nur äußert selten eingehalten. Man bekommt zu Beginn keine genauen Regeln genannt oder wichtige Informationen sondern wird eigentlich "ins kalte Wasser geschmissen". Im Laufe der Zeit hört man auch immer wieder verschieden ausgelegte Regeln und Verhaltensnormen (für die Kinder) von den Angestellten und Nonnen, was ab und zu zu Schwierigkeiten führen kann. Bürokratie gibt es auch so gut wie gar nicht, ich musste kein einziges Formular o.ä. ausfüllen. Bei der Kleidung gibt es keine Vorschriften, man sollte aber aus Respekt vor der christlichen Einrichtung darauf achten, nicht zu viel Haut zu zeigen. Mir ist nichts Besonderes bei der Ansprechbarkeit von Vorgesetzten aufgefallen. Man sollte sie natürlich siezen, aber aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse der meisten Freiwilligen, sind sie es gewöhnt, geduzt zu werden. Aufgefallen ist mir, dass es sehr unkompliziert ist, im Laufe der Zeit zu allen Angestellten und auch zu den Nonnen eine freundschaftliche, vertraute und sogar enge Beziehung aufzubauen.

Wie werden Sie Ihre jetzigen Erfahrungen als Praktikant im Ausland nach Ihrer Rückkehr in Deutschland nutzen ?

Da die Kinder natürlich nicht die besten Manieren haben, bin ich sehr oft an meine Grenzen gestoßen und habe dabei vor allem gelernt, geduldig zu sein und das Verhalten der Kinder, wie auch Aggressionsausbrüche zu verstehen. Diese Erfahrungen werden mir bei meiner Arbeit mit Menschen mit Behinderung weiterhelfen und in meinem "Soziale Arbeit"-Studium werde ich sicher oft von dieser Zeit profitieren. Außerdem war es eine gute Möglichkeit, mein Spanisch sehr zu verbessern.