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Auslandspraktika - Erfahrungsberichte

Hier finden Sie Erfahrungsberichte von Leuten, die mit GLS ein Auslandspraktikum gemacht haben.

Vorname:
Renée
Alter:
19
aus:
Hupperath
Hintergrund:
Abiturientin, bald Studi an Uni Luxemburg
Sprachkurs:
Wochen
Praktikum:
3 Monate
Im Ausland:
2016
Praktikumsort:
Paris, Frankreich
Unternehmen:
Education en France/ Fondation Eugène Napoléon - Ecole Maternelle
Branche:
Bildungs- und Schulwesen

Nach der ersten Praktikumswoche bitten wir alle interns um Ausfüllen eines Fragebogens - hier die Antworten und Kommentare von Renée:

 

In welchem Unternehmen arbeiten Sie?

Da ich 2 Praktika gemacht habe, habe ich sowohl bei "Education en France", als auch an einer Ecole Maternelle gearbeitet.

Wie viele Stunden haben Sie täglich gearbeitet?

An der Ecole Maternelle der Fondation Eugène Napoléon habe ich 4 mal die Woche von 09:00Uhr bis 17:00Uhr mit einer Stunde Mittagspause gearbeitet, also insgesamt 7 Stunden am Tag.

Als Animateurin der Sprachschule habe ich 6 mal die Woche von 10:00Uhr bis 23:00Uhr gearbeitet. Zum Essen hatte ich zwischen ein und zwei Stunden Zeit, mal mehr, mal weniger. Überstunden haben fast täglich zum Alltag gehört.

Während der Büroarbeit, die ich für die Sprachschule geleistet habe, habe ich 6-7 Stunden 5 mal pro Woche gearbeitet.

Bitte beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag.

Ein Arbeitstag an der Ecole Maternelle sah wiefolgt für mich aus: Um 09:00Uhr beginnt der Schultag der Kinder zwischen 3 und 6 Jahren. Meine Aufgabe ist es, Bastel-, Schreib- oder Rechenaufgaben zu betreuen, oder diese Aufgaben vorzubereiten. Danach überwache ich die Kinder beim Spielen und schlichte Streitereien. Zwischendurch helfe ich den Lehrern aufzuräumen, oder begleite die Kinder zur Toilette.

Wenn es gegen 11:00Uhr Zeit zum Essen ist, gehe ich mit der Klasse in die Kantine, verteile das Mittagessen und Sorge für Ruhe im Saal, sodass die Atmosphäre entspannt und angenehm bleibt.

Nach dem Essen geht es dann für die Kinder zum Mittagsschlaf, der von 13:00Uhr bis ca. 14:30Uhr geht. Wenn ich die Schüler fertig zu Bett gebracht habe, kann auch ich mich ausruhen und essen gehen.

Bevor um 16:30Uhr die Eltern kommen um ihre Kinder von der Schule abzuholen, wird weiter an den Aufgaben des morgens gearbeitet und/oder gespielt. Diejenigen, die aus zeitlichen Gründen nicht abgeholt werden können, bleiben in der Garderie, werden also auch am Abend betreut und bekommen eine Kleinigkeit zu essen. Um 17:00Uhr habe ich Feierabend und verabschiede mich von Kollegen und Kindern.

Als Animatrice bei "Education en France" ist mein Arbeitstag etwas komplexer: Während die Sprachschüler im Unterricht sitzen und ihrem Niveau entsprechend gefördert werden, treffen wir uns alle um 10:00Uhr zur Reunion, d.h. wir besprechen alle Geschehnisse, Ausflüge und Aktionen vom Vortag, ergründen entstandene Probleme und suchen nach Verbesserungsmöglichkeiten. Auch wird der aktuelle Tag besprochen: Welche Gruppe macht ihren Ausflug an welche Sehenswürdigkeit, welchen Freizeitpark? Welche abendlichen Veranstaltungen werden stattfinden?

Nach dem Mittagessen geht es dann in Gruppen los: Ab 14:00Uhr geht es ins Quartier Latin, zum Eiffelturm, ins Centre Pompidou oder zu anderen interessanten Orten Paris'. Ich sorge dafür, dass alle beisammen bleiben, keiner verloren geht und alle in dieselbe Metro einsteigen. Auch beantworte ich Fragen zu den Sehenswürdigkeiten oder helfe, persönliche Probleme zu lösen.

Um 18:00Uhr kommen wir alle von unseren Ausflügen zurück und nehmen das Abendessen der Kantine zu uns. Je nachdem, was abends veranstaltet wird, treffen wir uns zwischen 19:30Uhr und 20:45Uhr wieder. Entweder findet ein Discoabend nach Motto statt (z.B. "Black and White"), man geht zu den Bateaux Mouches oder besucht ein bekanntes, lebhaftes Viertel. Zu meinen Aufgaben zählt es auch hier, die Gruppe bei Laune zu halten, aufzupassen, dass sich keiner verläuft, oder den Saal zum Feiern zu schmücken. Auch muss ich die Schüler während der Aktivitäten immer auf unsere Regeln aufmerksam machen, wie das Rauchen während der Unternehmungen zu unterlassen oder sich zu bemühen, auf Französisch zu sprechen. Abends kommen wir meist mit Verspätung nach 23:00Uhr in die Residence an und schicken die Schüler zu Bett. Auch hier wird oft meine Hilfe gebraucht, um zu kontrollieren, dass auch wirklich jeder in seinem Zimmer ist und um "Wache" im Flur zu halten. So passiert es, dass ich doch meist erst nach 00:00Uhr ins Bett komme.

Die Büroarbeit läuft wesentlich entspannter ab. Ab 09:00Uhr verrichte ich verschiedene Arbeiten, wie das Kopieren von Arbeitsblättern, das Ausfüllen von Formularen oder das Vorbereiten von Zertifikaten. Nachdem das erledigt ist, mache ich einen Rundgang in alle Klassenräume, frage nach ob alle Schüler anwesend sind und ob dem Lehrer irgendein Material fehlt. Gibt es irgendwelche Probleme, so benachrichtige ich meine Vorgesetzten, die sich weiterhin darum kümmern.

Bis um 16:00Uhr oder 17:00Uhr kann mein Tag dann weiterhin mit Büroarbeit ablaufen, gibt es jedoch zu wenig zu tun und habe ich mein Pensum für den Tag erledigt, darf ich dem Unterricht beiwohnen. Dort höre ich nicht nur den Lehrern zu, sondern helfe auch den Jugendlichen bei ihren Aufgaben und der Grammatik.

Wie war der Umgang mit Ihnen als Praktikant(in) aus Deutschland?

Ich kann nur ein großen Lob an die Franzosen ausrichten, denn ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen und geduldig meinen Arbeiten zugewiesen. Bei sprachlichen Problemen war sich niemand zu schade dafür, mir etwas - wenn es sein musste - 5x zu erklären.

Trotz der sprachlichen Differenzen wurde ich als vollwertiges Mitglied in jedem Unternehmen angenommen: Vor den Schülern - seien es die Sprachschüler oder die Schulkinder der Ecole Maternelle - war ich ebenbürtig den Lehrern und den anderen Animateuren. Der Unterschied zwischen mir als Praktikantin und den fest Angestellten war lediglich, dass ich mich erst an den Beruf gewöhnen und den Gewohnheiten anpassen musste und ich keine Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen hatte.

Besonders sind mir die Frauen der Ecole Maternelle ans Herz gewachsen, die mich auch freizeitlich regelmäßig zu sich nach Hause eingeladen haben und die ich bei persönlichen Problemen immer ansprechen konnte. Natürlich sind mir auch die anderen Animateure sehr wichtig geworden, denn wir haben wochenlang sehr, sehr viel Zeit miteinander verbracht und gemeinsam tolle Erfahrungen gesammelt...

Wie schätzen Sie die Bedeutung des Sprachkurses ein?

Ich persönlich habe keinen Sprachkurs gemacht und halte ihn auch nicht für wichtig, wenn man wie ich schon einige Jahre die Sprache gelernt hat. Meiner Meinung nach kann man all das Alltagsvokabular sowieso nur im richtigen Arbeitsleben und in der Freizeit mit Freunden lernen; was an Grammatik über die Jahre verloren gegangen ist, wird ganz nebenbei während des Aufenthalts selbst aufgefrischt.

Natürlich war der Anfang schwer, da in der Schule keine Alltagssprache verwendet wird und vieles in Vergessenheit gerät, nach einem Monat jedoch konnte ich an mir selbst schon große sprachliche Fortschritte feststellen. Mitlerweile sind nun gut 3 Monate vorbei und wenn ich zurück schaue, bereue ich es nicht, keinen Sprachkurs gemacht zu haben.

Jedoch denke ich wer vorhat nur maximal einen Monat im Ausland zu bleiben und wer sich der Sprache nicht sicher fühlt (so wie ich es tat), sollte vielleicht doch mit dem Gedanken spielen, sich intensiv 2 Wochen mithilfe einer Sprachschule vorzubereiten.

Sind Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag schon Unterschiede zur Berufswelt in Deutschland aufgefallen - im Verhalten am Arbeitsplatz, im Dresscode, bei der Ansprechbarkeit von Vorgesetzten?

Mir sind keine wirklichen Unterschiede zur Berufswelt in Deutschland aufgefallen; auch hier muss man sich zur Arbeit ordentlich anziehen, dem Vorgesetzten mit Respekt begegnen und eine vertrauenswürdige Person darstellen. Wer dies alles einhält, wird wenig Probleme während seines Praktikums haben.

Alle sind mir geduldig und verständnisvoll entgegen gekommen. Als ich z.B. meinen Vorgesetzten während der Arbeit als Animatrice gebeten habe, mir bitte 1-2 Abende die Woche frei zu geben, da mir die Arbeit über den Kopf gewachsen ist (vorher hatte ich eine 6 Tage-Woche mit Arbeitszeiten von 10:00Uhr bis 23:00Uhr), meinte er, das sei gar kein Problem und mein Wunsch wurde mir erfüllt.

Wie werden Sie Ihre jetzigen Erfahrungen als Praktikant im Ausland nach Ihrer Rückkehr in Deutschland nutzen ?

Da ich nun bald mein Studium im Fach Psychologie beginnen werde, glaube ich meine Erfahrungen aus Paris gut nutzen zu können. Ich bin selbstständiger, belastbarer und strebsamer, ganz abgesehen von meinen verbesserten Französischkenntnissen.

In den Semesterferien werde ich mir - so der Plan - regelmäßig Jobs in Frankreich suchen.

Ich habe jedoch nicht mehr vor viele Praktika zu machen - weder in Deutschland, noch woanders - (abgesehen von den Pflichtpraktika für's Studium), da zumindest die Arbeit als Animatrice viel zu anstrengend ist, um unbezahlt zu bleiben.

Für meine nachfolgenden Praktika werde ich aber auf jeden Fall einen genaueren Arbeitsvertrag anfordern, in dem die Arbeitszeiten vorher klar ausgemacht sind (diese wurden mir nämlich vor Beginn des Praktikums nicht mitgeteilt).