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Auslandspraktika - Erfahrungsberichte

Hier finden Sie Erfahrungsberichte von Leuten, die mit GLS ein Auslandspraktikum gemacht haben.

Vorname:
Isabelle
Alter:
20
aus:
Berlin
Hintergrund:
Studentin
Sprachkurs:
4 Wochen
Praktikum:
3 Monate
Im Ausland:
2015
Praktikumsort:
Mailand, Italien
Unternehmen:
L.A.Distribuzione
Branche:
Mode

Nach der ersten Praktikumswoche bitten wir alle interns um Ausfüllen eines Fragebogens - hier die Antworten und Kommentare von Isabelle:

 

In welchem Unternehmen arbeiten Sie?

Ich habe im Mailänder Showroom L.A.Distribuzione gearbeitet. Ein sehr guter Showroom mit bekannten Designern, wie zum Beispiel DVF, Chloè, James Perse, Diego Dolcini und nicht zu vergessen Phillip Lim 3.1. Einigen wird das jetzt vielleicht nichts sagen (so ging es mir am Anfang auf jeden Fall, außer vielleicht Chloè und DVF), aber für Kenner und nun auch für mich, sind es Bedeutende und vor allem schöne Marken.

Wie viele Stunden haben Sie täglich gearbeitet?

Ich habe täglich von 10-18 Uhr gearbeitet mit einer Pause um 13 Uhr, in der dann oft auch zusammen Mittag gegessen wurde (während der Verkaufskampagnen konnte die Pause auch mal kürzer ausfallen und konnte sich nach vorne oder nach hinten verschieben, je nachdem, wie es denn gerade mit den Kunden passte.

Bitte beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag.

Typischen Arbeitstag kann man gar nicht direkt sagen, da es verschiedenen Phasen gab, wie schon angedeutet. Zum einen gab es die Verkaufskampagnen: In dieser Zeit war immer sehr viel zu tun, aber auch da gab es spannende und weniger spannende Aufgaben. Sehr viel Spaß hat es gemacht bei den Verkaufsgesprächen dabei zu sein und beim raussuchen der verschiedenen Outfits zu helfen. Außerdem hab ich im Umkleideraum der Models geholfen, beim ankleiden, auskleiden und Outfits wieder richtig einordnen. Gegen Ende meines Praktikums durfte ich sogar die Bestellungen der verschiedenen Läden in den Computer eingeben. Das waren für mich persönlich die interessanten Sachen der Kampagnen. Es kam jedoch auch mal vor, dass ich den ganzen Tag damit beschäftigt war Kopien de Lookbooks anzufertigen und aus dem kleinen Kopierraum gar nich mehr raus kam, weil wenn man einmal da sitzt, kommen immer wieder neue Leute an, die etwas von einem kopiert haben wollen. Aber das war wie gesagt die Ausnahme.

In der Zeit in der es keine Verkaufskampagnen gab, musste ich größtenteils telefonieren. Mir wurden unzählige Listen mit Telefonnummern von österreichischen, deutschen und schweizer Bekleidungsläden in die Hand gedrückt und dann musste ich die Werbetrommel rühren und versuchen neue Kunden für uns zu gewinnen, sie über die nächsten Verkaufskampagnen informieren und möglichst viele Termine vereinbaren (was teils gar nicht so einfach war). Das war der nicht so interessante Teil, da man den ganzen Tag am Telefon hing, aber so ist das nun mal und den anderen Mitarbeitern erging es auch nicht besser.

Ja, was musste ich sonst noch so machen: natürlich helfen, die neuangekommen Kollektionen auszupacken und ordentlich im Showroom aufzubauen und somit natürlich auch alles wieder fertig machen für den Abtransport der guten Kleidungsstücke, wenn ihre Zeit bei uns vorbei war. Eine zeitlang musste ich auch Telefonate beantworten und je nach dem weiterleiten (aber keine Angst, mein Italienisch ist ziemlich gut, hatte es im Abitur, also wenn ihr kaum Italienisch könnt werden sie euch das auch nicht antun, da das manchmal auch ziemlich schwierig sein kann auf Grund schlechter Verbindungen etc.).

Alles in allem also ziemlich abwechslungsreich, aber so ist das als Praktikantin, wenn man so zu sagen Mädchen-für-alles ist.

Wie war der Umgang mit Ihnen als Praktikant(in) aus Deutschland?

Ich bin mit allen sehr gut zu recht gekommen. Hatte aber auch kaum sprachliche Probleme, da ich wie gesagt ziemlich gut Italienisch spreche. Außerdem sprechen da auch mehr oder weniger alle Englisch und ein paar konnten sogar Deutsch (Französisch sprechen übrigens auch einige, falls das für irgendwen interessant ist). Klar musste man sich am Anfang erstmal in die neuen, auf den Fachbereich Mode bezogenen Vokabeln hineinfinden, aber das ging ziemlich schnell und nach anfänglicher Schüchternheit konnte ich meine Sprachkenntnisse gut festigen.

Am Anfang können einem manche Personen auch etwas arrogant vorkommen (was glaube ich nicht untypisch für die Modebranche ist), wenn man die Leute aber näher kennengelernt hat, waren sie alle nett und freundlich. Natürlich kann es auch mal Differenzen geben, aber davon sollte man sich nicht unterkriegen lassen, es gibt eigentlich kaum etwas, dass nicht mit einem klärenden Gespräch zu bereinigen wäre (ist bei mir persönlich nicht vorgekommen, aber bei meiner Mitpraktikantin). Vor allem in den Verkaufskampagnen kann es mal zu etwas gereizterer Stimmung kommen und das kriegt man auch schonmal zu spüren, aber im Nachhinein wurde sich dann auch immer entschuldigt und dann hat man da auch Verständnis dafür. Die Kampagnen können halt schon ziemlich stressig sein.

Wie schätzen Sie die Bedeutung des Sprachkurses ein?

Für mich war der Sprachkurs eher eine Pflichtveranstaltungen, da er mit dem Praktikum zusammengehörte. Somit hatte ich auch das Minimum an Wochen gewählt, das es gab. Ansonsten ist es natürlich für jeden zu empfehlen, der die Sprache lernen möchte. Linguadue (so hieß die Schule) ist eine tolle Schule und auch eine super Möglichkeit, viele nette Leuten aus vielen verschiedenen Kulturen kennen zu lernen. Die Lehrer sind klasse. Sehr nett und fröhlich und vor allem kompetent und darauf bedacht, dass keiner hinterherhinkt oder gar nicht mitkommt. Über Linguadue habe ich auch meine zweite WG gefunden, in der ich während meines Praktikums gewohnt habe.

Und auch obwohl ich 2/3 des Stoffes schon kannte, wurde mir kaum langweilig im Unterricht, da die Übungen auch gut sind zum vertiefen des schon vorhandenen Wissens.

Sind Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag schon Unterschiede zur Berufswelt in Deutschland aufgefallen - im Verhalten am Arbeitsplatz, im Dresscode, bei der Ansprechbarkeit von Vorgesetzten?

Mir sind eigentlich keine Unterschiede aufgefallen, da ich sowohl in Deutschland als auch in Italien sehr gut mit meinen Vorgesetzten und Mitarbeitern zurecht komme und der Dresscode hängt sowieso immer davon ab, wo man arbeitet.

Wie werden Sie Ihre jetzigen Erfahrungen als Praktikant im Ausland nach Ihrer Rückkehr in Deutschland nutzen ?

Nicht nur das Praktikum, sondern auch schon die Tatsache alleine in einem "unbekannten" Land zu leben und sich dort zurechtfinden zu müssen, haben mir sehr geholfen mich weiter zu entwickeln. Ich bin selbstbewusster geworden, unabhängiger und mir fällt es jetzt leichter auf Leute zu zu gehen. Im nachhinein bereue ich es etwas nur 3 bzw 4 Monate weggegangen zu sein. Anfangs scheut man sich noch etwas. Man ist das erste Mal über einen längeren Zeitraum von zu Hause weg und dann auch noch alleine in einer fremden Stadt und man hat tausend Dinge im Kopf, die schief gehen könnten. Was ist wenn einem der Praktikumsplatz nicht gefällt? Was ist wenn einem die Mitbewohner nicht gefallen? Man mit den sprachlichen Differenzen nicht zurecht kommt? Das alles sind Dinge die man auch vor Ort lösen kann, denn es gibt viele liebe Leute, die sich um einen kümmern und das in den verschiedensten Sprachen. Bei den vielen neuen Menschen, die man da kennenlernt, ist es, ist zumindest meine Ansicht, so gut wie unmöglich niemanden zu finden mit dem man sich gut versteht. Man sollte aber auf jeden Fall aufgeschlossen gegenüber verschiedenen Kulturen haben und Freude daran haben Menschen unterschiedlichster ethnischer Gruppen kennen zu lernen.

Ich habe bis jetzt keinen kennengelernt, der seine Auslandsaufenthalt bereut hat. Eher das Gegenteil ist der Fall, fast alle meine Freunde, die ich dadurch gewonnen habe, trauern ihrer Zeit in Mailand hinterher und würden gerne wieder zurück.