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Auslandspraktika - Erfahrungsberichte

Hier finden Sie Erfahrungsberichte von Leuten, die mit GLS ein Auslandspraktikum gemacht haben.

Vorname:
Magdalena
Alter:
19
aus:
Königsbronn
Hintergrund:
Abiturientin
Sprachkurs:
8 Wochen
Praktikum:
1 Monat
Im Ausland:
2007
Praktikumsort:
Tokyo, Japan
Unternehmen:
J&F PLAZA
Branche:
Tourismus

Nach der ersten Praktikumswoche bitten wir alle interns um Ausfüllen eines Fragebogens - hier die Antworten und Kommentare von Magdalena:

 

In welchem Unternehmen arbeiten Sie?

Ich arbeite im Moment im J&F PLAZA, eine Organisation die Gasthäuser und möbilierte Apartments in und um Tokyo vermietet.

Wie viele Stunden haben Sie täglich gearbeitet?

Ich arbeite von 9.00 morgens bis 1.00 mittags, also insgesamt 4 Zeitstunden. Ich mache dabei keine Mittagspause.

Bitte beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag.

Ich arbeite erst zwei Tage im Unternehmen, was die Beschreibung eines 'typischen' Arbeitstages etwas schwierig gestaltet. Zudem wechseln meine Aufgaben vorraussichtlich immer wieder. In mein Aufgabenfeld als Praktikant fallen jedoch Dinge wie das Übersetzen von e-mails oder Briefen, das Zubereiten und Servieren von Tee, wenn wir Besucher haben, das Kontaktieren von ausländischen Firmen bezüglich möglicher Zusammenarbeit, etc.

Wie war der Umgang mit Ihnen als Praktikant(in) aus Deutschland?

Meine Mitarbeiter waren sehr nett und freundlich. Ich wurde vom ersten Tag an herzlich in die "Gemeinschaft der Mitarbeiter" aufgenommen und denke, dass ich auch weiterhin viel Spaß mit meinen Mitarbeitern haben werde. Selbst mein Zuspätkommen am ersten Tag wurde mir sofort verziehen. Ich lerne von meinen japanischen Mitarbeitern auch außerhalb der Arbeit viel über Japan und auch sie sind sehr interessiert an meiner Kultur und meinem Land. Fragen über das deutsche Essen oder Fernsehprogramm bleiben nie aus... ich fühle mich nicht wie eine "Deutsche", eine vom Rest der (allesamt japanischen) Mitarbeiter abgegrenzte Person, sondern vielmehr als Teil der Arbeitsgruppe.

Wie schätzen Sie die Bedeutung des Sprachkurses ein?

Da ich (vermutlich wegen Platzmangels in den höheren Kursen) trotz Vorkenntnissen in den Beginnerkurs gesteckt wurde (wobei die Schule dies durchaus bewusst tat. Mir wurde gleich zu anfang gesagt, dass ich kaum neues dazulernen sondern vielmehr nur das wiederholen würde, was ich bereits in Deutschland gelernt hatte) habe ich im Sprachkurs an sich nur minimal dazugelernt. Jedoch hat mir das gemeinsame Lernen mit meiner Gastmutter in den ersten zwei Monaten zumindest was Vokabular angeht weitergeholfen. Der Sprachkurs an sich war mir in der Bewältigung des Praktikums leider nur eine geringe Hilfe, wie ich gestehen muss...

Sind Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag schon Unterschiede zur Berufswelt in Deutschland aufgefallen - im Verhalten am Arbeitsplatz, im Dresscode, bei der Ansprechbarkeit von Vorgesetzten?

An sich nicht. Wie schon erwähnt fühle ich mich sehr wohl und in meinem Office ist die Atmosphäre allgemein eher entspannt. Meine Vorgesetzte (Suzuki-san) ist mir gegenüber sehr freundlich und entgegenkommend, ja beinahe freundschaftlich, was mir vor allem den Einstieg in das Praktikum sehr erleichtert hat. Auch der Dresscode wird bei uns im Office nicht gar so eng gesetzt: bis auf blue jeans und all zu grelle oder werbende T-shirts ist an sich alles erlaubt. Trotz dieser gegebenen Freiheit bezüglich der Kleidung trage ich meißtens (trotz der Hitze) einen Blazer zur Arbeit. Auch die männlichen Mitarbeiter tragen meißt Anzug, was in Japan - wie auch in Deutschland meiner Erfahrung nach - jedoch nichts ungewöhnliches ist.

Was mich jedoch erstaunt hat war die extreme (Über-)Pünktlichkeit der japanischen Arbeitswelt - so war ich an meinem zweiten Arbeitstag pünktlich um 9.00 auf der Arbeit, nach der Uhr in unserem Office jedoch 5min zu spät, da diese absichtlich vorgestellt wurde. Dies soll die Pünktlichkeit der Mitarbeiter fördern. In Deutschland wäre dies wohl weniger durchsetzbar...

Wie werden Sie Ihre jetzigen Erfahrungen als Praktikant im Ausland nach Ihrer Rückkehr in Deutschland nutzen ?

Ich werde sicher die Korrektheit und Pünktlichkeit der japanischen Arbeitswelt, die ich hier erfahren konnte, in späteren Berufen durchaus von Nutzen finden. Zudem ist allein der Austausch mit Personen einer anderen Kultur und die damit verbundene Erweiterung des eigenen Horizonts eine Bereicherung für das spätere Leben. Wenn man drei Monate in einer pulsierenden und schillernden Stadt wie Tokyo gelebt und gearbeitet hat ist man meiner Meinung nach Neuem gegenüber viel aufgeschlossener, da man immer und überall etwas Neues, Unbekanntes, Wiedersprüchlich-wirkendes findet. Generell sind hier scheinbare Gegensätze durchaus vereinbar, was für einen Ausländer anfangs ungewöhnlich und fremd scheinen mag, aber wenn man tagtäglich inmitten dieser scheinbar unvereinbarlichen Dingen lebt wird man weitaus toleranter und das eigene Blickfeld weitaus größer als zuvor.