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Auslandspraktika - Erfahrungsberichte

Hier finden Sie Erfahrungsberichte von Leuten, die mit GLS ein Auslandspraktikum gemacht haben.

Vorname:
Susanne
Alter:
21
aus:
München
Hintergrund:
Jura - Studentin
Sprachkurs:
4 Wochen
Praktikum:
1 Monat
Im Ausland:
2013
Praktikumsort:
San Jose, Costa Rica
Unternehmen:
Anwaltskanzlei
Branche:
Jura

Nach der ersten Praktikumswoche bitten wir alle interns um Ausfüllen eines Fragebogens - hier die Antworten und Kommentare von Susanne:

In welchem Unternehmen arbeiten Sie?

Ich arbeite in einer Kanzlei mitten in San José. Meine Chefin ist Anwältin, Notarin und unterrichtet an der Universität Strafrecht. Außerdem arbeitet sie an einer Weiterentwicklung des Notarwesens in Costa Rica. In Ihrer Kanzlei arbeiten 3 Anwälte und eine Sekretärin.

Ich darf in allen Bereichen der Kanzlei teilnehmen. An meinem ersten Tag habe ich die Chefin auf einen Auswärtstermin in die Berge begleitet. Am zweiten Tag war ich mit der Anwältin unterwegs. Ab morgen bin ich immer mit der Sekretärin die erste im Büro und kann dann die erste Stunde mit ihr verbringen und somit auch einen Einblick in diesen Bereich bekommen.

Wie viele Stunden haben Sie täglich gearbeitet?

Im Durchschnitt etwa 8 Stunden am Tag.

Bitte beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag.

Ich beginne um 8:00 Uhr mit der Arbeit. Etwa um 9:00 kommen die Anwälte in ihre Büros und verteilen die Arbeit. Davor verbringe ich die Zeit mit der Sekretärin und wir unterhalten uns über die Arbeit im Büro, was ihr an der Arbeit gefällt und ich berichte ihr, wenn ich Unterschiede zu Deutschland feststelle. Ab 9:00 Uhr werde ich dann einem Anwalt „zugeteilt“, mit dem ich den Tag verbringe. Dabei versucht meine Chefin mich immer so einzuteilen, dass ich alles einmal sehen kann. In der Zeit, die ich mit den Anwälten verbringe besteht der Großteil der Arbeit im Beobachten und Nachfragen, wenn ich etwas nicht verstehe. Eigentlich ist das aber meist nicht nötig, weil mir immer alles erklärt wird! Wir gehen z.B. zu Gericht, in die Registratur, in die Staatskanzlei, ins Archiv… und erledigen die normalen Recherchearbeiten. Sobald ich etwas verstanden habe, darf ich auch selbständig mitarbeiten. Nachmittags verbringe ich immer wieder einige Zeit am Computer, um eine Präsentation anzufertigen, die eine Darstellung des deutschen Rechts werden soll. An meinem letzten Arbeitstag soll ich diese dann in der Kanzlei vortragen.

Wie war der Umgang mit Ihnen als Praktikant(in) aus Deutschland?

In meiner Arbeit sind alle sehr nett und hilfsbereit. Ich hatte noch nie ein Problem mich zu verständigen oder etwas zu verstehen, weil ich bestens "umsorgt" werde. Alles wird erklärt und genau ausgeführt und alle sind sehr bemüht mir bei meinem Spanisch weiter zu helfen.

Dass ich aus Deutschland komme freut meine Kollegen sehr, weil das Rechtssystem in Costa Rica teilweise stark vom deutschen Recht beeinflusst ist. Somit können auch sie immer noch etwas Interessantes von mir erfahren und wir tauschen jede Menge Wissen aus. Insgesamt empfinden sie es (genau wie übrigens der Grossteil der Bevölkerung hier!) als angenehm, nicht mit einem „Gringo“ aus den USA arbeiten zu müssen.

Wie schätzen Sie die Bedeutung des Sprachkurses ein?

Für mich war der Sprachkurs enorm wichtig, weil ich ansonsten auf keinen Fall in diesem Bereich hätte arbeiten können. Aber auch sehr hilfreich ist die Tatsache, dass man in der Gastfamilie unglaublich viele Möglichkeiten hat, die Sprache anzuwenden und damit zu verbessern.

Insgesamt ist die „Academia Tica“ eine sehr gute Schule mit sehr kompetenten und freundlichen Lehrern.

Sind Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag schon Unterschiede zur Berufswelt in Deutschland aufgefallen - im Verhalten am Arbeitsplatz, im Dresscode, bei der Ansprechbarkeit von Vorgesetzten?

Zu den Dresscodes habe ich vieles gehört was in meiner Firma und auch in den umliegenden Büros nicht bestätigt wurde. Vor meiner Abreise wurde mir erzählt, wie wichtig gute Kleidung ist und welche Bedeutung das für alle Costaricaner hat. Das kann ich so nicht bestätigen. In meinem Büro kommen die Leute mit Jeans und T-Shirt, gelegentlich auch etwas schicker, aber das ist keine Pflicht!!!!

Insgesamt ist es hier schwer sich zu "beschweren", weil die Stimmung dann schnell mal kippt! :-) Am Besten nie vorwurfsvoll auftreten, und vorwurfsvoll beginnt hier schon deutlich früher als in Deutschland!

Pünktlichkeit gibt es in Costa Rica grundsätzlich nicht! Pura vida. Als ich am ersten Tag wie vereinbart (!) um 8.00 Uhr an der Arbeit ankam, war keiner da und die Sekretärin um 8.20 total erstaunt, was ich da jetzt "schon" mache! Hier gilt "tica-time" und man sollte sich bloß nicht hetzen, weil sowieso meist noch keiner wartet. Das ist auch bei den Geschäftsterminen nicht anders!

Teamwork wird in Costa Rica ganz groß geschrieben und es kommt eigentlich immer unfreundlich, wenn man mal nicht die Hilfe anbietet. Eigentlich ist es schon normal, dass man fragt, ob man helfen könnte. Meist wird dann sowieso abgelehnt aber der andere weiß "auf den kann ich zählen".

Wie werden Sie Ihre jetzigen Erfahrungen als Praktikant im Ausland nach Ihrer Rückkehr in Deutschland nutzen ?

Auf jeden Fall genieße ich, dass sich die Leute hier durch nichts und niemanden stressen lassen. Ich glaube allerdings nicht, dass man das auf Deutschland übertragen kann. Trotzdem werde ich viele Erfahrungen in Deutschland nutzten können. Es hilft mir für mein Studium sehr weiter auch mal zu sehen, wie andere Länder dieselben Probleme bewältigen und mit welchem Erfolg. Durch dieses Praktikum ist mein Verständnis gewachsen und ich sehe aber auch deutlicher die Vorteile des deutschen Systems. Es ist immer einfacher etwas abzulehnen was man hat, wenn man nicht weiß, wie die Alternative funktionieren würde.