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Auslandspraktika - Erfahrungsberichte

Hier finden Sie Erfahrungsberichte von Leuten, die mit GLS ein Auslandspraktikum gemacht haben.

Vorname:
Dana
Alter:
20
aus:
Berlin
Hintergrund:
Abiturientin
Sprachkurs:
2 Wochen
Praktikum:
5 Wochen
Im Ausland:
2011
Praktikumsort:
Sevilla, Spanien
Unternehmen:
CAR Sevilla (Centro de Acogida de Refugiados)
Branche:
Soziales, Sozialpädagogik

Nach der ersten Praktikumswoche bitten wir alle interns um Ausfüllen eines Fragebogens - hier die Antworten und Kommentare von Dana:

In welchem Unternehmen arbeiten Sie?

Das CAR ist eine staatliche Sozialeinrichtung zum Auffang und zur Gesellschafteingliederung von Asylbewerbern. Es bietet maximal 120 Menschen fuer die maximale Dauer eines Jahres Unterkunft und Verpflegung, psychologische und medizinische Hilfe, Sprachkurse und Arbeitsvermittlung.

Wie viele Stunden haben Sie täglich gearbeitet?

Fuenf

Bitte beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag.

Um 9:30 begebe ich mich in das Buero der Sozialarbeiterin, lausche den Beratungsgespraechen, welche sich allesamt um das Asylverfahren und den Aufenthalt im Zentrum (finanzielle Hilfe etc.) drehen, und erledige Sekretaerinnenaufgaben: Kopieren, Faxen, Bote sein, Tabellen ausfuellen, Karteien ordnen. Zwischen 11 Uhr und 13:30 gehe ich meinem eigenen Projekt nach und gebe Alphabetisierungsunterricht zur Unterstuetzung der einzigen (!) Lehrerin im Haus, unterteilt in eine Einzelstunde und eine Gemeinschaftsstunde fuer acht Schueler, Afrikaner und Inder. In der letzten Stunde widme ich mich nun dem Willkommensinterviw der Sozialarbeiterin mit einem Neuankoemmling und fungiere als Dolmetscherin Englisch-Spanisch. Eingestraeut unterhalte ich mich mit den Asylbewerbern, welche ihre langen Tage gerne im Aufenthaltsbereich rund um die Rezeption verbringen.

Wie war der Umgang mit Ihnen als Praktikant(in) aus Deutschland?

Der Umgang war routiniert, das Haus war und ist voller Praktikanten. Zunaechst war der Arzt mein Tutor, was mich einerseits zu Taetigkeiten brachte, die mit Politik/Soziales rein garnichts zu tun hatten (Patientenkarteien entziffern und in den Computer uebertragen, Begleitung der Asylbewerber zu Arztterminen), mir andererseits auch ein wenig Langeweile bescherte. Zum Teil nahm ich an Veranstaltungen fuer die residentes, an einem Spanischkochkurs zum Beispiel, teil, was den Kontakt zu ihnen nachhaltig staerkte. Die Emanzipation erfolgte aber erst durch Eigeninitiative, ich sprach Sozialarbeiterin und Spanischlehrerin an, um mein Taetigkeitsfeld zu erweitern. Allgemein war das Klima gut, das morgendlich gemeinsame Fruehstueck war sehr foerderlich fuer mein Verhaeltnis zu Kollegen und Mitpraktikanten.

Wie schätzen Sie die Bedeutung des Sprachkurses ein?

Der Sprachkurs war fundamental wichtig fuer mich, nur befoerderte mich mein schriftliches Spanisch auf ein Kursniveau, auf welchem ich muendlich nicht ganz mithalten konnte und deshalb sehr schuechtern war. Andererseits entsprach die gelehrte Grammatik genau meinen Defiziten. Alles in allem war ich sehr zufrieden.

Sind Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag schon Unterschiede zur Berufswelt in Deutschland aufgefallen - im Verhalten am Arbeitsplatz, im Dresscode, bei der Ansprechbarkeit von Vorgesetzten?

Einen konventionellen Betrieb vergleichbarer Groesse habe ich in Deutschland nicht kennelernen duerfen. Mich ueberraschte, dass die verschriene deutsche Buerokratie definativ auch ein spanisches Phaenomen ist. Ansonsten waren die Umgangsformen freundschaftlich, locker, leger, es gab keinen Dresscode, jeder war durch jeden ansprechbar.

Wie werden Sie Ihre jetzigen Erfahrungen als Praktikant im Ausland nach Ihrer Rückkehr in Deutschland nutzen ?

Im Politikstudium werden sie mein Blick auf Immigration, Armut und Globalisierung praegen! Im CAR war kein einziger Kollege studierter Politikwissenschaftler, ich fuehle mich motiviert, viele weitere Praktika (im Inland) zur Berufsorientierung zu absolvieren.