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Auslandspraktika - Erfahrungsberichte

Hier finden Sie Erfahrungsberichte von Leuten, die mit GLS ein Auslandspraktikum gemacht haben.

Vorname:
Jan-Philip
Alter:
23
aus:
Paderborn
Hintergrund:
Student des Wirtschaftsingenieurwesens mit Vertiefung Maschinenbau
Sprachkurs:
4 Wochen
Praktikum:
3 Monate
Im Ausland:
2010
Praktikumsort:
New York City, USA
Unternehmen:
TransPerfect
Branche:
Personalwesen, Human Resources

Nach der ersten Praktikumswoche bitten wir alle interns um Ausfüllen eines Fragebogens - hier die Antworten und Kommentare von Jan-Philip:

 

In welchem Unternehmen arbeiten Sie?

Ich habe im Personalwesen in einem Unternehmen gearbeitet, dass verschiedenste Dienstleistungen für andere Unternehmen anbietet wie z.B. Übersetzungen und Unternehmensberatungen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz hier in New York City in dem ca 400 fest Angestellte arbeiten. Insgesamt besteht TransPerfect aus über 1100 Festangestellten und ca. 4000 Freiberuflern und ist eines der am schnellsten wachsenden privat geführten Unternehmen in den USA.

Wie viele Stunden haben Sie täglich gearbeitet?

acht

Bitte beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag.

Der Bagelstand steht auch heute wieder an der gleichen Ecke und der Verkäufer hält mir schon meinen Sesambagel aus dem Fenster nachdem er mich gesehen hat. Kaffee gibt es in der Firma natürlich umsonst und so startet mein morgen an meinem Arbeitsplatz mit einer der Zeitungen die morgens umsonst überall an der Straße verteilt werden.

Meine Arbeit startet mit der Aktualisierung einiger Datenbanken, gehörend zu Projekten, die an denen ich mehrmals täglich arbeite. Danach mache ich mich an ein anderes Projekt, bei dem ich die Akten aller Mitarbeiter der USA und Kanada in ein neues System bringe. Das ist die umfassendste Aufgabe, die ich ausführe wenn nichts anderes zu tun ist. Um halb 1 kommt einer meiner Nachbarn herüber und fragt ob ich schon Hunger hätte. Also geht es los aus dem 39. Stock mit dem Fahrstuhl in 10 Sekunden nach unten. Mein Arbeitskollege ist in New York geboren und kennt wirklich jedes Restaurant und jeden Essensstand in der Umgebung. Heute gehen wir zu einem Chinesen und bestellen ein komplettes Menü, bestehend aus Suppe und Hauptgang für 6 Dollar und nehmen es wieder mit ins Büro. Nach dem Essen kommt eine Anfrage von einer Firma aus Los Angeles. Sie brauchen bestimmte Daten von 40 Mitarbeitern und das bis morgen. Also fange ich an dieses Projekt zu bearbeiten, damit es zur vorgegebenen "Deadline" fertig wird. Um 4 Uhr nachmittags findet heute noch ein kurzes Meeting der Personalabteilung statt in dem es um den aktuellen Stand aller laufenden Projekte geht und in dem auch sonstige Probleme angesprochen werden können. Um 5 Uhr nachmittags habe ich Feierabend und fahre mit der Ubahn nach Hause.

 

Wie war der Umgang mit Ihnen als Praktikant(in) aus Deutschland?

Dieser Punkt hat mich am positivsten überrascht. Direkt nach meinem Vorstellungsgespräch kamen einige Mitarbeiter zu mir und begrüßten mich mit " Hey, wir freuen uns mit dir zu arbeiten" und zeigten mir sofort alles. Ich wurde nicht als typischer Praktikant behandelt der Kopierarbeiten durchführt, sondern habe mich als festes Mitglied des Teams gefühlt, der überall mit einbezogen und ernst genommen wurde. Der Umgang mit mir und auch anderen Praktikanten war vorbildlich. Auch privat hat mich die Freundlichkeit der Menschen dort, gerade Deutschen gegenüber, sehr überrascht. Ich bin jederzeit überall sehr gut behandelt worden.

Wie schätzen Sie die Bedeutung des Sprachkurses ein?

Meiner Meinung nach ist der Sprachkurs unverzichtbar.

Ich denke mein Schulenglisch war schon nicht schlecht, doch mit Besuch des Sprachkurses fällt die Hemmschwelle, Englisch zu sprechen und auch Fehler zu machen, täglich. Der Unterricht bestand aus relativ kleinen Klassen und sehr viel Unterhaltung, so dass man wirklich Verbesserungen von Tag zu Tag wahrgenommen hat.

Das wichtigste für mich war jedoch der Kontakt zu vielen Leuten aus wirklich allen Ecken der Welt. So kannte ich nach dem ersten Tag schon sehr viele Leute mit denen ich mich gleich abends noch getroffen habe und zu denen ich teilweise eine richtige Freundschaft aufgebaut habe. So hat man auch in der Zeit ausserhalb des Sprachkurses und des Praktikums Leute mit denen man sich treffen und unterhalten kann. Ich denke, dass es ansonsten in einer Stadt wie New York in der auf der Strasse eine unglaubliche Hektik und natürlich auch Anonymität der Leute untereinander herrscht, nicht gerade einfach ist Leute kennenzulernen. Jemanden den man den einen Tag auf der Straße sieht, sieht man zu fast 100% nicht noch einmal.

Sind Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag schon Unterschiede zur Berufswelt in Deutschland aufgefallen - im Verhalten am Arbeitsplatz, im Dresscode, bei der Ansprechbarkeit von Vorgesetzten?

Ja in sehr vielen Punkten.

Zum einen hat meistens jeder mittags an seinem Arbeitsplatz alleine gegessen. Eine Kantine oder einen Aufenthaltsraum wie in Deutschland gewöhnlich, gab es hier nicht.

Zum anderen haben wir z.B. in telefonischen Meetings mit einer Firma in London während des Meetings Pizzen und Cheeseburger gegessen. Der Vice-President hat sogar während des Sprechens von seinem Stück Pizza abgebissen. Ich dachte ich gucke nicht richtig und habe auch direkt beim Vice-Präsidenten nachgefragt. Der meinte, die Amerikaner seien doch sowieso für ihre schlechten Manieren bekannt und dann könnten sie das auch machen. Die Vizepräsidenten aus London und New York kannten sich auch untereinander, doch selbst dann wäre das in Deutschland denke ich undenkbar.

Auch die Tatsache, dass man wirklich jeden nach allem fragen kann ist ein Unterschied zu Deutschland. Ich hätte hier niemals dem Vizepräsidenten einer solchen Firma eine derartige Frage gestellt doch dort fragt man einfach immer nach. Jeder hat für jeden Zeit, egal ob das jetzt ein Manager oder nur ein Praktikant ist. Dort holt auch ein Manager mal den Mülleimer und sammelt den Müll vom Tisch nach einem Meeting. Ich bin natürlich sofort zu ihm und habe gesagt, dass ich das auch machen könnte, doch er wollte das nicht. Ich hab dann nachher nochmal einen Arbeitskollegen darauf angesprochen und der meinte, das mache halt derjenige der gerade dem Mülleimer am nächsten sitzt oder eben denkt er müsse heute einmal abräumen.

 

 

Wie werden Sie Ihre jetzigen Erfahrungen als Praktikant im Ausland nach Ihrer Rückkehr in Deutschland nutzen ?

Ich nutze meine verbesserten Englischkenntnisse und wähle im nächsten Semester einge betriebswirtschatliche Fächer auf Englisch. Ich hätte sie sicherlich auch ohne diesen Sprachkurs und das Praktikum gewählt jedoch bin ich nun viel sicherer und zuversichtlicher.

Auch werde ich in späteren Bewerbungsgesprächen die oftmals auch teilweise auf Englisch geführt werden, sicherer und gelassener auftreten.