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Auslandspraktika - Erfahrungsberichte

Hier finden Sie Erfahrungsberichte von Leuten, die mit GLS ein Auslandspraktikum gemacht haben.

Vorname:
Jonas
aus:
Saarbrücken
Hintergrund:
Studium Germanistik, Anglistik, Kultur
Sprachkurs:
4 Wochen
Praktikum:
1 Monat
Im Ausland:
2014
Praktikumsort:
San Francisco, USA
Unternehmen:
San Francisco City Guides
Branche:
Marketing
Kontakt:
jonas_fischer@t-online.de
Homepage:
glitzi.tumblr.com

Nach der ersten Praktikumswoche bitten wir alle interns um Ausfüllen eines Fragebogens - hier die Antworten und Kommentare von Jonas:

 

In welchem Unternehmen arbeiten Sie?

Ich arbeite bei den San Francisco City Guides, einer Non-profit Organization, die täglich kostenlose Stadtführungen durch San Francisco anbietet. Momentan arbeiten ca. 350 Freiwillige als City Guides, die zuvor ein spezielles Training mit dem Ziel der Qualitätssicherung absolvieren mussten. Im Büro arbeitete ich zusammen mit dem Executive Director Michael, der Administrative Assistance Libby und verschienden Volunteers, die auch Verwaltungsarbeit übernahmen.

Erfolgreich beworben hatte ich mich auch noch bei der San Francisco Bicycle Coalition.

Wie viele Stunden haben Sie täglich gearbeitet?

5 Stunden täglich

Bitte beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag.

Meine Arbeitszeiten ware sehr flexibel. Ich konnte mir zu Beginn des Praktikums quasi aussuchen, wie viele Stunden wöchentlich ich arbeiten wollte (mindestens 20) und wann ich morgens anfangen / nachmittags aufhören wollte. Auch Änderungen waren kein Problem; die einzige Auflage war schon eine Woche vorher Bescheid zu sagen.

Gewöhnlicherweise fing ich morgens um 10 Uhr an. Das Büre von SF City Guides befindet sich im sechsten Stock der Public Libray, die direkt an der Civic Center Plaza gegenüber vom Rathaus gelegen ist. Zur Arbeit brauchte ich von meiner Unterkunft in der Turk Street nur fünf Minuten. Für die Zeit des Praktikums hatte ich außerdem einen elektronischen Key Card Badge, der es ermöglichte auch außerhalb der Library-Öffnungszeiten die Bücherei betreten und die Staff Elevators benutzen zu können.

Als erstes beantwortete ich morgens meistens eMails. Normalerweise waren die von Guides oder Hotels, die nach mehr Broschüren fragten, Leuten, die daran interessiert waren Guide zu werden oder vom SF Visitors Center. Die schickten immer "Press Alerts", wenn Journalisten in der Stadt waren, die ich dann versuchte per Mail von SF City Guides zu überzeugen.

Einen großen Teil meiner Arbeit verbrachte ich aber auch mit Verwaltungsaufgaben. Oft mussten neue Guides in irgendwelche Listen eingetragen werden oder Statistiken über die Teilnehmer und Spenden erstellt werden. Das Büro ist sehr klein und gerade mal groß genug für die Schreibtische von Libby und Michael. Ich hatte meinen Arbeitsplatz im Vorzimmer des Büros, oft erledigte ich die Aufgaben aber auch ein Stockwerk tiefer im Bereich der Bücherei. ich arbeitete sowieso mit dem Laptop und dort hat man überall Strom- und Internetanschluss und sogar noch eine herrliche Aussicht auf das Rathaus. Die Library ist sehr schön, hell, offen - und vor allem einer der wenigen Orten in SF an dem es ruhig ist. Da sie "public" ist, wird sie aber natürlich auch von den vielen für San Francisco (SF) charakteristischen Obdachlosen bevölkert.

Nachmittags machte ich mich meistens fü eine Stunde auf den Weg zu unterschiedlichen Hotels, denen ich Broschüren von City Guides brachte und erklärte worum es der Organisation geht.

Zu meinen Aufgaben gehörte es ausßerdem Touren und Events auf spezifischen Internetplattformen zu publizieren (Stroller Walk auf Familienseiten, Castro, Chinatown und North Beach By Night auf jugendlicheren Seiten etc.)

Typische Praktijobs wie Kaffeekochen oder etwas sauber machen musste ich nie erledigen. Um die Organisation besser zu verstehen, durfte ich sogar jederzeit selbst an den City Guides Stadttouren teilnehmen.

 

Wie war der Umgang mit Ihnen als Praktikant(in) aus Deutschland?

Meine Mitarbeiter waren alle sehr freundlich und offen. Immer wieder gaben sie mir zu verstehen, dass ich jederzeit fragen könnte, wenn ich etwas nicht verstehe, denn schließlich sei ich ja hier, um mein Englisch zu verbessern.

Jedes Mal, wenn sie mir eine etwas langweiligere Aufgabe gaben, schienen sie sich richtig zu schämen und sie gaben mir wirklich immer wieder die Möglichkeit selbst zu entscheiden, was ich machen möchte.

Wie schätzen Sie die Bedeutung des Sprachkurses ein?

Der Sprachkurs hat meiner Meinung nach diverse nützliche Aspekte:

- In der Schule, in meinem Fall Embassy CES, lernt man auf jeden Fall eine Menge Leute aus den verschiedensten Ländern kennen. Nach einem Auslandsaufenthalt hat man Freunde in der ganzen Welt! Während des Parktikums hat man immer noch genug Zeit Aufregendes mit seinen Freunden zu unternehmen, es ist aber schwieriger neue Leute kennen zu lernen. Eine Schule, in der alle irgendwie fremd sind, aber doch im gleichen Boot sitzen, ist dafür einfach perfekt.

- Die Zeit in der Schule hat sehr viel Spaß gemacht. Der Unterricht war sehr locker, Lehrer und andere angestellte selbst sehr jung und man konnte viel erleben.

- Es ist gut einen Monat Zeit zu haben sich in San Francisco einzuleben. Als ich mein Praktikum anfing, hatte ich keinerlei Probleme mehr American English zu verstehen und zu sprechen. Außerdem kannte ich mich in der Stadt aus und ich musste nicht erst nach Location und Bus suchen, wenn es hieß "Könntest du eine Kiste Broschüren zum Ghirardelli Square bringen?

- In der Schule lernt man, anders als in Deutschland, nicht Texte zu analysieren, sondern zu sprechen. Auf dem Plan stehen auch Umgangssprache und immer wieder wurden wir überrascht, weil vermeindliche Regeln aus den deutschen Englischbüchern in der gesprochenen Sprache gar nicht so zutreffen.

 

Sind Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag schon Unterschiede zur Berufswelt in Deutschland aufgefallen - im Verhalten am Arbeitsplatz, im Dresscode, bei der Ansprechbarkeit von Vorgesetzten?

Was auf uns Deutsche wohl am befremdlichsten wirkt ist das Übermaß an Höflichkeitsfloskeln in den USA. Ja, natürlich ist Höflichkeit auch ein wichtiger Aspekt deutschen Betrieben, aber glaubt mir: Die Amerikaner übertreiben. Zu allem wird ein "Thank you so much for doing that." oder ein "Oh, I'm so sorry about that!" hinzugefügt.

 

Wie werden Sie Ihre jetzigen Erfahrungen als Praktikant im Ausland nach Ihrer Rückkehr in Deutschland nutzen ?

Erstens macht sich die bloße Tatsache auf dem Lebenslauf nicht schlecht.

Außerdem hatte ich während des Praktikums viele Möglichkeiten mein Englisch zu verbessern - sowohl speaking skills (Absprachen im Büroalltag, lange Unterhaltungen mit den anderen Volunteers) als auch writing skills (Beantworten der Mails). Besonders hilfreich könnte die Bürosprache sein, die ich bei City Guides gelernt habe. Dort kommen viele neue Verben vor, die einem sonst nirgends begegnen könnten.

Vielleicht werde ich irgendwann ja einmal in einem internationalen Betrieb Englisch noch mal brauchen. Auch wenn man so Vieles schnell wieder vergisst, kommt man nach zwei Monaten fast ausschließlich Englischsprechens (hab kaum andere Deutsche hier!) bei Bedarf wieder viel schneller in die Sprache rein. Englisch ist nun viel weniger Fremdsprache für mich. Ich brauche keine Angst mehr zu haben irgendeiner englischen Unterhaltung nicht mehr richtig folgen zu können.

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