Kommentar

Fragen?

Erfahrungsberichte High School USA

Vorname:
Ulrike
Alter:
17
aus:
Aachen
war:
2007 für ein Schuljahr in Alameda Island, Kalifornien, USA
Schultyp:
Staatliche Schule

Hier der Bericht von Ulrike:

Was waren für dich die drei größten Unterschiede zwischen Zielland und Deutschland?

Der wohl grösste Unterschied für mich war der Patriotismus, den die Amerikaner an den Tag legen. Sehr, sehr viele Häuser sind mit riesigen Flaggen dekoriert und am 4. Juli, dem Independence Day, findet man überall im Lande mehr oder weniger grosse Paraden, die nur so vor Patriotismus strotzen. Es wäre wohl ein absolutes faux-pas nicht wenigstens eine der Farben rot, blau oder weiss zu tragen, denn man ist unheimlich stolz darauf Amerikaner zu sein. Wenn man als Ausländer Amerika kritisiert, dann muss man dies ganz schön vorsichtig machen, denn viele Amerikaner nehmen eine solche Kritik sofort persönlich und fühlen sich in ihrer Würde verletzt. Abgesehen davon waren für mich die Weiten des Landes sehr beeindruckend, aber auch zunächst einmal völlig fremd. Das Land ist relativ dünn besiedelt, verglichen zu den meisten europäischen Ländern und man kann stundenlang auf den Highways fahren, ohne auch nur auf eine einzige Siedlung zu treffen. Eine Entfernung von San Francisco bis nach Los Angeles legt man mal eben so am Wochenende für einen Tagestrip ins Disney Land zurück. Als ganz anders empfunden habe ich auch das Essen. Man startet entweder herzhaft in den Morgen mit einem Bagel und Hash Brownies oder Andere wie ich bevorzugen es süsslich mit einer Scheibe Toast mit Peanut Butter, einem Pancake mit Sirup oder einem Doughnut. Volkornbrot oder gar Schwarzbrot sind Fremdwörter und selbst Brötchen findet man nicht. Zu Mittags gibt es meist nur einen kleinen Snack und Abends wird dann erst warm gegessen. Nach einem Bäcker oder Fleischer sucht man vergeblich. Es wird quasi alles direkt in den gigantischen Supermärkten abgepackt gekauft. Fastfoodketten hagelt es nur so und man findet an fast jeder Strassenecke einen McDonalds oder ähnliches. Es erweist sich hingegen als wesentlich schwerer, ein richtiges Restaurant zu finden. Türkische und Griechische Restaurants habe ich noch niemals gesehen, aber dafür umso mehr Mexikaner, Japaner und Chinesen.

Woran denkst du als erstes, wenn du an deinen Auslandsaufenthalt denkst?

Die Reisen, die ich während meines Austauschjahres unternommen habe und alles, was ich dort gesehen und erlebt habe, kommt mir sofort zurück ins Gedächtnis. Ob es das Orintierungstreffen in New York City war, der Skitrip in Oregon, das Campen im Yosemite National Park, die Politikfahrt nach Washingtion D.C. oder eine der vielzähligen anderen Reisen. Auch den Roadtrip durch Kalifornien, Nevada und Arizona, den ich im Anschluss mit meiner Familie unternommen habe, ist mir in bester Erinnerung geblieben.

Was hat dir besonders gut gefallen?

Besonders toll fand ich, dass ich nicht ganz so ländlich lebte und nur jeweils 10 Minuten entfernt von der Metropole San Francisco, ihrer Schwesterstadt Oakland sowie der elitären Studentenstadt Berkley. Es gab absolut immer etwas Neues für mich zu erforschen, wo ich noch nicht war. Auch das Wetter war toll. Es war nie zu warm und nie zu kalt. Die verschiedenen Jahreszeiten spürte man kaum und man hatte eine relativ konstante Temperatur das ganze Jahr hindurch. Von den Reizen direkt in Strandnähe zu wohnen will ich erst gar nicht sprechen.

 

Wie sieht ein typischer Schultag aus? War es leicht, Klassenkamerad/innen kennen zu lernen?

An einem typischen Schultag habe ich um halb 7 zusammen mit meiner Gastschwester in ihrem Auto das Haus verlassen, um pünktlich um 7 Uhr in der Schule zu sein. Ich hatte jeden Tag den selben Stundenplan, der aus den folgenden 6 Stunden zusammengesetzt war: Marketing, Psychology, French, English, U.S. History und Government/ Economics. Es gab eine Riesenauswahl an Fächern und man konnte selbst Fächer wie Chor, Theather, Design, Militär oder Arbeit im schuleigenen Kindergarten wählen. Was ich sehr gut fand war, dass man den Schwierigkeitsgrad aller akademischen Klassen selbst bestimmen konnte. Von Mittags bis halb 2 hatte ich eine Pause, während der man etwas in der Cafeteria essen konnte, die gar nicht einmal so schlecht war und alles von Pizza über Salat zu Hühnchen süss-sauer bot. Man konnte natürlich auch den Campus verlassen, um sich anderweitig etwas zu kaufen. Man sah allerdings auch immer viele Schüler, die die Zeit wirklich nutzten, um Hausaufgaben zu machen, in der Bibliothek Recherchen zu machen oder sich noch einmal etwas von einem Lehrer erklären zu lassen. Das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler an einer amerikanischen High School ist viel, viel lockerer und man redet auch über persönliche Dinge. Eine herzliche Umarmung zu sehen, ist absolut nichts besonderes. Mittwochs wurde schnell zu meinem Lieblingstag, denn die Schule fing erst um halb 10 an. Hausaufgaben waren zwar sehr leicht und teilweise fast schon primitiv, aber sehr, sehr viel. Es gab nur äusserst selten einen Tag, an dem ich keine Hausaufgaben bekommen habe. Wer hier seine Hausaufgaben macht, kriegt auch automatisch eine gute Note. Die Note setzt sich fast nur aus Hausaufgaben zusammen, die fast immer eingesammelt und dann bepunktet werden nach ihrer Qualität. Auf die mündliche Mitarbeit und Arbeiten kam es kaum an. Man hatte über das Semester verteilt kleinere Tests und dann am Ende des Semesters eine grosse Klausur über den Inhalt des ganzen Semesters. Meine Schule hat mir aufgrund guter Leistung sogar ermöglicht, meinen amerikanischen Schulabschluss dort zu machen. Freunde zu finden ist hier gar kein Problem. Jeder findet Austauschschüler total interessant und mag direkt alles über einen wissen. Ich würde sagen, dass die Amerikaner wesentlich offener sind als wir es sind. Fremde Leute anzusprechen gehört zur Tagesordnung.

Leben in der Gastfamilie oder im Internat: Was ist ganz anders als zu Hause?

Ganz anders als zu Hause war, dass ich von heute auf morgen viel selbstständiger sein musste. Ich musste auf einmal für mich selbst waschen, bügeln und teilweise sogar kochen. Am Anfang war es auch merkwürdig sich selbst am Kühlschrank zu bedienen und zu simulieren, dass dies nun mein neues Zuhause wäre. Nach den ersten Wochen habe ich mich dann aber auch schnell eingelebt und fühlte mich pudelwohl. Eine Umstellung war, dass der Fernsehen immer lief und man das Abendessen, das einzige gemeisame Essen, nicht zusammen eingenommen hat. Ich war positiv überrascht, dass meine Gastfamilie extrem gesund gekocht hat und das Fitnessstudio auf dem Tagesprogramm stand. Auch musste ich mich daran gewöhnen, ältere Gastgeschwister zu haben. Ich kam zwar mit beiden zurecht, aber wir hatten doch irgendwie unsere eigenen Freunde und haben nicht so viel zusammen unternommen. Ganz toll war es für mich, einen Hund zu haben, denn Zuhause durfte ich nie ein Tier haben.

Wie hast du die außerschulische Zeit verbracht?

Ich hatte zu Weihnachten ein Abo für das Fitnessstudio bekommen, wo ich mehrmals die Woche Abends Yoga gemacht habe. Nach der Schule habe ich immer mit dem Laufteam meiner Schule für zwei Stunden trainiert, was sehr anstrengend war, da viel verlangt wurde. Spirit für die eigene Schule wird hier gross geschrieben und nur die Besten schaffen es in die Sportteams. Wir hatten meist zweimal im Monat Wettkämpfe und sind am Wochenende oftmals in die Berge gefahren, um dort im Wald, auf hügeliger Strecke, unsere Ausdauer zu tranieren. Am Wochenende habe ich ausserdem viel mit Freunden gemacht. Wir waren viel in San Francisco shoppen, im Kino und am Strand. Abends gab es dann entweder Spiele der Schulmannschaft in Basketball, Baseball oder Football, Privatparties, Mädchenabende mit selbstgebackenem Kuchen und Schnulzen oder einen der vielen Tänze wie Homecoming, Prom und Winterball.