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Erfahrungsberichte Privatschule Kanada

Vorname:
Louisa
Alter:
18
aus:
Bremen
war:
2014 für ein Schuljahr in Val Morin, Quebec, Kanada
Schultyp:
Private Schule
Schule:
Laurentian Acadmy

Hier der Bericht von Louisa:

Das Schuljahr 2009/2010 habe ich an der Laurentian Academy in Val Morin, einem kleinen Ort ca. 85 km entfernt von Montréal, verbracht. Da die Schule recht ländlich gelegen ist, erwartet die Schüler dort eine traumhafte Kulisse mit einem kleinen See, Hügeln und Wäldern, die für Kanufahrten, Wanderausflüge und andere sportliche Aktivitäten genutzt werden können.

Da die Schule aber dennoch von Montréal oder anderen größeren Städten wir St-Jérôme oder Ste-Agathe erreichbar ist, besucht man auch Sehenswürdigkeiten oder einen Freizeitpark in Montréal, verbringt einen Abend in einem Restaurant oder kann ausgiebig in den gigantisches Malls einkaufen gehen.

Diese Aktivitäten stehen eher am Wochenende auf dem Programm, allerdings muss man wissen, dass nicht jedes Wochenende Aktivitäten geplant sind. Wer am Wochenende in der Schule bleibt, kann aber Kanu fahren, wandern gehen, Spaziergänge machen, im schuleigenen Workout-Room nach persönlichem Bedarf trainieren, Filme ausleihen oder auch einfach einmal in der wunderschönen Natur ausspannen.

Ein weiterer interessanter Aspekt der Schule ist ihre Aufteilung in zwei Sektionen: Da Quebec sowohl frankophone als auch anglophone Einwohner hat, kann man eine gute Ausbildung in beiden Sprachen erwerben. In Montréal dominiert Englisch, aber im Rest von Quebec wird Französisch als Muttersprache sehr hoch geschrieben. Neben dem großen französischsprachigen Teil gibt es deshalb auch die kleine englischsprachige Sektion, die „International Cambridge Class“. Hier werden Kurse des „IGCSE“(International General Certificate of Secondary Education) und A-Level Kurse angeboten. Erstere entsprechen einem Abschluss der elften Klasse in Deutschland bzw. ungefähr der zehnte Klasse in G8 und  befähigen die Schüler, auf ein so genanntes „CEGEP“ (collège d'enseignement général et professionnel) zu gehen. Dies stellt eine Bildungseinrichtung dar, in der eine technische und/oder vor-universitäre Ausbildung stattfindet. Als Zertifikat erhält man nach Abschluss ein "Diplôme d'études collégiales" (DEC) oder eine "attestation d'études collégiales".

Diesen Weg werde ich persönlich einschlagen; man kann aber auch nahtlos an eine IGCSE-Ausbildung in Deutschland anknüpfen. Hierbei sollte man nur beachten, dass man bestimmte Fächer wie Religion oder Geschichte nicht wählen kann, was Nachlernen und eventuelle Nachhilfe nötig werden lässt. Auf der anderen Seite kann man jedoch Fächer wie „Global perspectives“, „French/English Literature“, „Photography“, “Sociology “oder „Psychology“ wählen, was einem ganz neue Einblicke in andere Fachbereiche gewährt.

Ein A-Level Abschluss befähigt Schüler der Cambridge Class, auf eine kanadische oder ausländische Universität zu gehen, allerdings ist dieser Abschluss nicht mit dem Abitur oder IB gleichgestellt und man sollte sich im Vorfeld über mögliche Komplikationen in der Weiterbildung informieren.

Was mir am Unterrichtssystem sehr gut gefallen hat, ist der Umgang zwischen Schülern und Lehrern: die Klassen sind kleiner, es kann mehr auf den Schüler als Individuen eingegangen werden; man hat ein viel freundschaftlicheres und persönlicheres Verhältnis zu seinen Lehrern. Arbeiten und Tests werden dreimal im Jahr geschrieben: zweimal werden so genannte mid-term tests geschrieben, die die Schüler bewerten und ihnen ihre momentanige Leistung vor Augen führen sollen und wegweisend für die Cambridge exams am Jahresende sind. Diese werden (egal ob IGCSE oder A-Level) direkt nach Cambridge in Großbritannien geschickt, wo sie über zwei bis drei Monate ausgewertet werden. Danach erhält der Schüler sein Zeugnis. Praktisch ist, dass man selber wählen kann, welche Examen man gerne absolvieren möchte und welche man als zu schwer erachtet oder einfach nicht absolvieren möchte. So kann ein persönlicher Abschluss garantiert werden, der adäquat ist, aber nicht über- oder unterfordert.

Kulturell ist Quebec äußerst interessant: es wird sehr viel Sport getrieben: im Winter Ski und Snowboard, was auch die Schule im Winter als Aktivität anbietet, Schlittschuhlaufen, Eishockey, Raquette (große traditionelle Schneeschuhe der Inuit, mit denen Wanderungen selbst im Tiefschnee ohne Einsinken möglich sind) und Rodeln. Im Frühling, Sommer und Herbst kann man Kanu oder Kajak fahren, rudern gehen, eine Bootstour auf einem der zahlreichen Seen unternehmen, Fahrradtouren durch die schöne Natur unternehmen oder schwimmen gehen, denn Quebec hat wirklich genug Wasser.

Neben diesen typischen  Sportarten werden natürlich auch andere bekannte Sportarten ausgeübt.

Was man sich in Quebec auf keinen Fall entgehen lassen sollte, ist die traditionelle Küche mit Poutine, den cabanes à sucre, Ahornsirupkuchen, Crêpes in allen Formen und Geschmacksrichtungen, den selbst geangelten Fisch und Ahornholz-Räucherschinken. Neben den traditionellen Gerichten kann man jedoch auch typisch amerikanische Gerichte

finden.

Die Menschen in Quebec sind sehr herzlich. Ich habe unheimlich viele Leute kennen gelernt, die mich mit Freunde und einem freundlichen Lächeln aufgenommen haben.

Wenn man als internationaler Student im Internat der Schule leben möchte, kann man also durchaus mit wenig Aufwand mit Einheimischen in Kontakt kommen. Dies funktioniert natürlich auch innerhalb der Schule und auch in den „dorms“, dem Internatsgebäude, sehr gut: hier leben internationale Schüler und Kanadier zusammen. Man sollte sich bei der Wahl seiner Unterkunft jedoch im Klaren sein, dass dieses Internat, obwohl es recht klein ist, wie jedes Internat wenig Privatsphäre bietet und einfache Zimmer mit ausreichender Ausstattung, aber keinem Zusatz, hat.

Hieran kann man sich aber mit der richtigen Einstellung recht schnell gewöhnen.

Mir persönlich hat mein Aufenthalt in Kanada sehr gut gefallen und ich bin der Meinung, dass ein Auslandsaufenthalt jeden Menschen, so auch mich, entscheidend für die Zukunft prägt.

Ich kann diese Erfahrung nur empfehlen!