Kommentar

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High School Neuseeland: Erfahrungsberichte

Vorname:
Moritz
Alter:
17
aus:
Merzig
war:
2011 für ein Semester in Auckland, Neuseeland
Schultyp:
Staatliche Schule mit Wahl
Schule:
Henderson High School

Hier der Bericht von Moritz:

Moritz goes New Zealand – ein halbes Jahr am anderen Ende der Welt

Wenn ich2 Jahre zurückdenke, überlege ich wirklich, wie ich überhaupt auf die (für viele wahrscheinlich sehr abwegige) Idee gekommen bin, ein halbes Jahr in einem anderen Land zu verbringen. In einem Land, von dem ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wusste, als dass es am anderen Ende der Welt liegt, als das Traumziel aller Reisenden gilt und es dortfast 10 mal mehr Schafe als Menschen gibt. Ehrlich gesagt weiß ich es heute immer noch nicht, aber es sollte sich als die bisher beste Entscheidung meines Lebens herausstellen.
Am 24. Januar 2010 ging es also endlich los-nach einem Jahr Vorbereitung, mehreren Vorbereitungstreffen und natürlich auch vielemNachdenken, ob es denn jetzt die richtige Entscheidung gewesen war. Zusammen mit zwei Freundinnen, die ich auf den Vorbereitungstreffen kennengelernt hatte, ging es von Frankfurt nach Singapur und direkt weiter nach Auckland, der mit 1,2 Millionen Einwohnern größten Stadt Neuseelands. Je näher wir dem Ende unsere 26-Stunden-Reise kamen, desto größer wurde natürlich auch die Aufregung. Dort angekommen, der erste und einzige Schock meiner 6 Monate: die Temperatur! Nach 22 Stunden Flug und mit Kleidung abgestimmt auf den in Deutschland herrschenden Winter und Minusgrade,waren etwa 25 Grad recht viel, mit Sommerkleidung jedoch sehr schön. Generell wird es tagsüber im Sommer nicht wärmer als 25 und nicht kälter als 20 Grad und im „Winter“ liegen die Temperaturen so zwischen 5-10 Grad. Also nicht zu warm, nicht zu kalt, regelrecht perfekt! Auch der regelmäßige Regen im Winter hat auf sich warten lassen bis ich wieder zurück nach Deutschland bin. (Für die, die es nicht wissen, die Jahreszeiten sind in Neuseeland umgekehrt zu denen in Deutschland). Soviel zum Wetter, zurück zum Thema..
Am Flughafen wurde ich also von einem Betreuer der Schule empfangen und zu meinem neuen zu Hause für die folgenden 6 Monate gebracht. Dort wurde ich schon von meiner hostmum erwartet, wider Erwarten wurde mir aber nicht erst das Haus oder die Umgebung gezeigt, sondern es ging direkt ab in die Mall zum dienstäglichen Einkaufen mit meiner 94-jährigen Gastoma! Die Mall sollte mir übrigens ziemlich jeden Tag über den Weg laufen, da sie nur 10 Minuten von der Schule entfernt ist und mein Bus erst eine Stunde nach Schulschluss kam und man sich dort auch fast immer noch mit Freunden getroffen hat.
Naja, nach dem Einkaufen also zurück nach Hause und erstmal schauen was denn so im neuseeländischen Fernsehen läuft. Nicht sehr viel nämlich, denn ohne Sky gab es eigentlich nur 4 oder 5 Programme. Zum Glück hatten wir aber einen Fernseher mit Sky, vor dem ich viele Abende zusammen mit meiner hostfamily verbrachte. Die bestand übrigens aus meiner hostmum, meinem hostdad und Brendan (30 Jahre), Adam (25) und Jennai (29), ihren eigenen Kindern. Brendan und Adam wohnen noch zu Hause, Jennai auf der Südinsel Neuseelands (Auckland liegt übrigens auf der Nordinsel). Mit Brendan habe ich wirklich sehr viel zusammen gemacht, mit Jennai natürlich nur wenn sie in Auckland war. Neben der eigentlichen Familie gab es im Zimmer neben mir noch Koichi, einen Japaner in meinem Alter, der auf eine andere highschool in der Nähe ging. Außerdem gab es im Haus noch Linh, einen 21-jährigen Vietnamesen, der schon seit fast 6 Jahren dort wohnt und jetzt zur Universität geht.
Später gab es dann Abendessen: Hamburger! Lecker, aber auch nicht das was ich mir so vorgestellt hätte. Generell gab es eigentlich immer recht gutes Essen, jeden Abend warm und oft auch einfach mal fish’n‘chips vom takeaway um die Ecke. Ab und an habe ich auch mal was Deutsches gekocht bzw. gebacken, z.B. Rouladen, Gulasch oder Bienenstich, was auch wirklich sehr gut angekommen ist.
Fertig mit Essen wurde noch ne Runde Fernsehen mit meiner hostfamily geguckt und dann ging’s totmüde ab ins Bett.
Fazit und erster Eindruck nach dem ersten Tag: Viel Unerwartetes, aber durchaus Gutes erlebt, tolle Familie, tolles Wetter, insgesamt klasse Eindruck. Die nächsten 6 Monate mussten einfach unglaublich gut werden!
Auch der nächste Tag war nicht weniger aufregend, denn nachdem ich mir erstmal die nähere Umgebung angeschaut hatte, bei Wendy’s (der besten Fastfoodkette aller Zeiten!) zu Mittag gegessen hatte und eine neuseeländische SIM-card besorgte hatte, wurde ich spontan von meiner hostmumauf dem Weg zur Arbeit in downtown Auckland abgesetzt. Ich war natürlich erstmal total verloren, nach kurzer Orientierung aber recht beeindruckt, da es etwas total Neues für mich war, alleine „downtown“ in einer Millionenstadt zu sein. Zugegebenermaßen war die Innenstadt ansich auch recht klein, sodass ich in etwa ein bis zwei Stunden einmal durch war und mir die restlichen 4 Stunden die schönen Sachen genauer anschauen konnte.Generell wirkte alles in Auckland für eine Millionenstadt auch recht ungewöhnlich: außer direkt in der Innenstadt gibt es in ganz Auckland nur ein einziges Hochhaus, die öffentlichen Verkehrsmittel lassen auch zu wünschen übrig und großartige Sehenswürdigkeiten gibt es auch nicht. Da es kaum Hochhäuser gibt, die meisten Leute also in eigenen Häusern wohnen und Auckland immerhin fast 1.5 Mio. Einwohner hat, gehört Auckland flächenmäßig zu den größten Städten der Welt. Das macht sich auch deutlich bemerkbar, mit dem Auto bräuchte man sicherlich 2 Stunden und mehr um vom einen Ende der Stadt ans andere zu kommen.
Nachdem ich mich also mal mit Auckland vertraut gemacht hatte, holte meine hostmum mich wieder mit zurück nach Hause und nach dem Abendessen ging‘s ab ins Bett.
Meine erste Woche war ziemlich aufregend, ich habe schon viel von Auckland gesehen und vieles gemacht. So waren wir an einem Abend schon an einem der bekanntesten Strände in Auckland und haben fish ’n’ chips gegessen. Da meine hostfamily ein Boot hatte, sind wir am nächsten Tag also zum Angeln rausgefahren. Das hieß zwar, dass ich um halb 4 aufstehen musste, aber es hat sich gelohnt: toller Sonnenaufgang „auf See“, viel Spaß und leider keine Fische. Außerdem war ich nochmal mit einer Freundin in Auckland, dabei waren wir auch auf dem Sky Tower, dem mit 328m höchsten Gebäude der südlichen Hemisphäre. Einen Tag bevor dann endlich die Schule anfing, hab ich mich noch mit einem anderen Deutschen von meiner Schule in der Mall getroffen und wir haben uns anschließendunsere neue Schule, die Henderson High School, angeschaut.
Jetzt also mein erster Schultag: Der erste Unterschied fiel natürlich schon zu Hause auf. Nämlich dass an meiner Schule Uniform getragen wird. Das war aber ehrlich gesagt ziemlich angenehm, man musste nämlich nicht jeden Morgen seine Klamotten zusammensuchen, sondern einfach die Uniform anziehen. Außerdem habe ich mich direkt so gefühlt als ob ich richtig dazu gehöre, weil ja jeder eine trägt. Jetzt vermisse ich die Uniform sogar, was ich vorher nicht gedacht hätte.
In der Schule angekommen, gab es eine Versammlung,bei der alle Schüler in Klassen eingeteilt wurden mit der man sich jeden Tag vor der ersten Stunde und nach der vierten getroffen hat. Nach kurzem Kennenlernen meiner neuen Klasse, ging es zum International Office, einem extra Raum für alle Austauschschüler mit u.a. Computern und Mikrowelle. Dort habe ich noch meine Fächer gewählt, uns „Neuankömmlingen“ wurde die Schule gezeigt und es wurden uns diverse Regeln erklärt. Unterricht gab es noch keinen, der folgte zwei Tage später. Am nächsten Tag mussten wir allerdings nochmal zur Schule um einen Englischtest zu machen, damit wir je nach Englischkenntnissen in verschiedene Kurse eingeordnet werden konnten.
Dann also der erste richtige Schultag. Die Schule beginnt um 8.40 und zu Beginn trifft man sich für 20 Minuten mit seiner Klasse, anschließend war die erste Unterrichtsstunde, in meinem Fall Englisch. Ich war in der „normalen“ Englischklasse für Muttersprachler und es war eigentlich leichter als ich gedacht hatte. Oft war ich sogar besser als die Kiwis (so werden die Neuseeländer genannt und sie nennen sich auch selber so) selbst. In der allerersten Arbeit war ich sogar der einzige der bestanden hat, was ich auch recht komisch fand.
Nach Englisch hatte ich Outdoor Education, mein späteres Lieblingsfach. Im ersten Term (das Schuljahr ist in 4 terms unterteilt) haben wir kayaking gemacht. Anfangs haben wir mit Kayaks im schuleigenen Pool(!) geübt und abschließend hatten wir einen 3-tägigen Kayak-Trip in der Nähe von Auckland durch Flüsse und auch durchs Meer. Das war schon ziemlich cool aber term 2 war sogar fast noch besser, da ging es nämlich ums Klettern. Es wurde auch erst wieder in der Schule geübt und dann sind wir für 2 Tage zu einem Klettergebiet in der Mitte der Nordinsel gefahren.
Dann gab es 20 Minuten Pause und in der dritten Stunde hatte ich Furniture, auch recht lustig, da wenig theoretisch gemacht wurde, sondern hauptsächlich praktische Arbeiten. Das Ziel für das ganze Jahr wäre ein selbstgebauter Tisch gewesen, da ich aber nur ein halbes Jahr da war, wurde es bei mir „nur“ eine aus Holz gedrehte Schüssel.
Meine vierte Stunde war Mathe, zuerst war ich im 12er-Kurs, es wurden aber nur Dinge gemacht die hier in der 9ten Klasse gemacht werden, also bin ich in den 13er-Kurs gewechselt. Der war schon etwas anspruchsvoller und deckte sich in etwa mit den Themen der 11ten Klasse hier in Deutschland.
Zwischen der vierten und der fünften Stunde hatte man 40 Minuten Pause, was sehr angenehm war da man in der Zeit einfach mal relaxen konnte und so wieder fit für die letzte Stunde war. Im Anschluss an die Pause traf man sich nochmal für 15 Minuten mit seiner Klasse.
Zuletzt hatte ich noch Bio, hier gibt es nicht besonders viel zu sagen, außer dass es deutlich interessanter war als hier, da viele Versuche gemacht werden und nicht nur Theorie. Das lässt sich im Allgemeinen auch auf alle anderen Fächer übertragen.
Um 15.05 war dann Schluss, ich hatte nämlich jeden Tag nur 5 Unterrichtsstunden (jede Unterichtsstunde dauerte eine Zeitstunde) und auch jeden Tag die selben Fächer. Lediglich die einzelnen Fächer wurden Tag für Tag um 2 Stunden nach vorne verschoben. Ich habe die Schule auch als deutlich entspannter als in Deutschland empfunden, da auch praktische Sachen gemacht wurden und die Lehrer sehr nett waren. Nach der Schule oder sogar in den Ferien haben sich die Lehrer für einen Zeit genommen um einem nicht verstandene Sachen nochmal zu erklären. Außerdem gab es auch entsprechende Ausstattung für einen guten Unterricht, wie einen Pool, eine Kletterwand oder auch einfach nur funktionierende Geräte.
Was ich auch ziemlich gut fand war, das es alle zwei Wochen eine Versammlung für die seniors (11,12,13) gab, um über aktuelle Dinge zu informieren. Das Beste war aber, dass es eine eigene Schulhymne gab, die auch bei den Versammlungen gesungen wurde.
Soviel also zur Schule, jetzt mal zu den Dingen die ich so außerhalb der Schule erlebt habe.
Von meinen Erlebnissen an den ersten Tagen, wie zum Beispiel meiner Tour durch Auckland, habe ich ja schon erzählt und das sollte auch nicht das letzte Mal sein, dass ich in Aucklandgewesen bin. In den ersten 6 oder 7 Wochen war ich sogar jedes Wochenende mit Freunden in Auckland. Mal einfach so, und öfters auch mit bestimmten Vorhaben. Einmal war ich zum Beispiel dort um mit einer Freundin zusammen den Skyjump zu machen. Dabei springt man aus 192m mit einem Seil gesichert vom (eben schon genannten)Skytower. Der Flug nach unten dauert etwa 11 Sekunden und ist echt verdammt geil! Das Ganze sieht man übrigens auch auf einem der Bilder.
Besonders viel habe ich mit den anderen Internationals unternommen, darunter Brasilianer, Koreaner, Macauer, Schweizer und sogar ein Grönländer. Meistenswar ich also mit den Internationals in der Stadt, dort waren wir zum Beispiel Pool spielen, sind ins Kino gegangen oder waren einfach im Park oder sonst wo relaxen. Shoppen ließ sich auf der Queen Street (Hauptstraße in downtown Auckland) auch recht gut, weshalb ich auch mit etwa doppelt so schweren Koffern zurück nach Deutschland kam als ich ursprünglich mitgenommen hatte. Gezwungenermaßen musste ich auch mal mit meinen asiatischen Freunden zum Karaoke gehen, Asiaten lieben es, aber meins war es nicht.
Wenn wir nicht downtown waren, haben wir uns auch mal an den Wochenenden bei jemandem zu Hause getroffen oder sind wirklich oft ins Kino gegangen. In der Woche haben wir praktisch jeden Tag nach der Schule zusammen in der Mall gesessen.Dadurch dass wir uns also fast 7 Tage die Woche gesehen haben und viel unternommen haben, sind wir fast wie eine kleine Familie gewesen.
Für mich war aber der Mittelpunkt meiner 6 Monate definitiv meine hostfamily. Wir sind an den Sonntagen eigentlich immer irgendwo hingefahren, wodurch ich sehr viel von der Gegend in und um Auckland kennengelernt habe. Oft sind wir auch einfach nur in irgendeine Mall gefahren, ich glaube ich habe so in der Zeit alle großen Malls in Auckland gesehen. Außerdem haben wir eigentlich jeden Abend zusammen ferngesehen und auch meistens zusammen gekocht.
Im Mai sind wir sogar zusammen in Urlaub nach Australien gefahren. Dabei sind wir von Auckland nach Gold Coast geflogen, einer Stadt mit supertollem Sandstrand, und von dort weiter nach Sydney. Bevor ich nach Neuseeland bin, war es echt ein Traum mal nach Sydney zu kommen, gerade weil ich ja praktisch „direkt nebendran“ wohnte. Sydney stellte sich wirklich als supertoll heraus und ist nach Auckland eigentlich meine zweite Lieblingsstadt. Nach 10 Tagen in Australien ging es dann wieder zurück nach Neuseeland.
Da wir echt viel zusammen unternommen haben, ständig zusammen lebten und uns von Anfang an richtig super verstanden haben, sind sie eigentlich wie eine zweite Familie für mich geworden. Dementsprechend schwer war dann auch der Abschied als ich am 4. Juli 2010 Neuseeland wieder verlassen musste.
Nach genau 160 Tagen „down under“ ging es also zurück nach Deutschland. Dort erwartete mich mit Freude natürlich meine Familie, da ja nur Kontakt in Form von E-Mails und Skype möglich war.
Mein Fazit:
Eine verdammt gute Zeit ging also zu Ende, es war wahrscheinlich das schnellste halbe Jahr aller Zeiten für mich. Jeder Tag war wirklich ein super Tag, ich hatte in den ganzen 6 Monaten eigentlich keinerlei Sorgen oder Probleme, da das Leben in Neuseeland im Vergleich zu Deutschland einfach viel relaxter ist.Was in Deutschland ein mittel-schweres Problem darstellt, wird hier einfach so hingenommen oder es wird locker an die Sache rangegangen. Außerdem sind Kiwis meistens offener gegenüber anderen Leuten, was mir natürlich zu Gute kam.
Wenn man es durchgehalten hat diesen, zugegeben langen, Bericht bis hier hin zu lesen, wird man vielleicht gemerkt haben, dass meine Zeit in Neuseeland eine unvergessliche war. Wer jetzt Lust bekommen hat, auch mal eine Zeit lang in einem anderen Land zu leben oder sich sowieso schon mit dem Gedanken auseinandergesetzt hat, dem kann ich nur sagen: Mach es! Es bringt einem so viel, man spricht danach eine zweite Sprache fließend, man lernt neue Freunde in einem anderen Land kennen, man lernt eine neue Kultur kennen oder kurz: man wird erwachsen.
Ich könnte noch ewig darüber erzählen, aber ich komme jetzt doch mal langsam zum Ende. Wer schon konkret etwas plant:Bitte sag mir Bescheid, es freut mich immer wieder wenn sich jemand entscheidet so etwas zu machen!
Wer noch irgendwelche Fragen bezüglich meines Auslandsaufenthaltes, Auslandsaufenthalten generell, Austauschorganisationen (meine war GLS) oder auch Neuseeland hat, kann mich auch gerne einfach ansprechen, ich versuche dann so gut wie möglich zu helfen.
Vielen Dank fürs Lesen, ich hoffe es wurde trotz der Länge meines Berichtes nicht langweilig und ich konnte einen Eindruck schaffen, wie ein erfolgreiches, halbes Jahr in einem anderen Land ablaufen kann!
Cheers,
Moritz Hillen, Klasse 11