Kommentar

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Privatschulen in Costa Rica - Erfahrungsberichte

Vorname:
Louise
Alter:
17
aus:
Berlin
war:
2009 für ein Schuljahr in San José, Costa Rica, Costa Rica
Schultyp:
Private Schule
Schule:
Humboldt Schule
Kontakt:
louise@jahnke.com

Hier der Bericht von Louise:

 

Was waren für dich die drei größten Unterschiede zwischen Zielland und Deutschland?

Das liegt ja wohl klar auf der Hand: An erster Stelle natürlich die aufgeschlossene, freundliche und zuvorkommende Art der Costaricaner. (Auch "ticos" genannt) Das wir Deutschen, was unsere Mentalität betrifft, etwas verschlossener, ernster und weniger großherzig sind, ist ja allgemein bekannt. Doch die ticos sprühen nur so vor Lebensfreude und Tatendrang.

An zweiter Stelle steht bei mir ganz klar das Klima. Während meines einjährigen Auffenthaltes in San José, der Hauptstadt Costa Ricas, die gleichzeitig als angenehmste Klimazone angesehen wird, gab es fast jeden Tag Sonne satt und auch wenn die Regenzeit zu anfang etwas auf´s Gemüt geschlagen hat, so stellte sie doch eine angenehme Abwechslung zu den schwüleren Tagen da.

Ein weiterer großer Unterschied zwischen Deutschland und Costa Rica besteht natürlich in der Ernährung, obwohl wir Deutschen im allgemeinen mit unseren Essgewohnheiten etwas besser abschneiden als die ticos. Schätzungsweise mehr als die Hälfte der ohnehin schon recht kleinwüchsigen Costaricaner sind untersetzt, wenn nicht sogar übergewichtig. Das liegt vorallem an der geschmackvollen, wenn gleich auch sehr einfachen Gerichten, die sich in erster Linie aus Reis und Bohnen, Erbsen, Fleisch, einer großen Vielfalt an tropischen Früchten und natürlich Weißbrot zusammensetzen. Für Feinschmecker und Gourmets bietet die kriolische costaricanische Küche Costa Ricas eher wenig Abwechslungsreiches. Die Ticos sind wahre Weltmeister was die Varietät an Backwaren, Chips und kleinen Leckereien angeht. Für jeden GLS-ler findet sich bestimmt das ein-oder andere Leibgericht.

Woran denkst du als erstes, wenn du an deinen Auslandsaufenthalt denkst?

Ich denke vor allem an die vielen Strandbesuche und die unvergleichliche Landschaft.

Was hat dir besonders gut gefallen?

Eine leicht zu beantwortende Frage: Strand, Urwald, Abenteuer und die spanische Sprache sind wohl die positivsten Erinnerungen, die mir bleiben werden. Und natürlich meine Gastfamilie, die mich wie eine eigene Tochter behandelt und liebevoll aufgenommen hat.

Wie sieht ein typischer Schultag aus? War es leicht, Klassenkamerad/innen kennen zu lernen?

Da ich die Humboldt Schule, eine private deutsche Institution, besucht habe, ähnelte mein Schultag sehr dem vorigen. Dennoch gab es feine Unterschiede. So hatte ich mindestens 12 Schulstunden die Woche Spanisch, Estudios Sociales (Erdkunde und Geschichte) und Cívica (Gesetze und Normen), wodurch man vorallem sein Spanisch mittels erstklassigem Unterrichts verbessern kann. Ich möchte an dieser Stelle betohnen, dass ich zu Anfang meines Austauschjahres eine öffentliche, costaricanische Schule besucht habe. Meine Erfahrungen in dieser Einrichtung waren weniger positiv, dass lag vorallem an dem Mangel von Disziplin, Ordnung und Qualität des Unterrichts. Sicherlich kann man meine Erfahrungen nicht verallgemeinern, doch die Humboldt Schule bietet einem die Chance, qualitativen Unterricht zu erhalten UND gleichzeitig sein Spanisch zu verbessern.

Begonnen hat die Schule immer um 7:30 - die Schulbüsse trafen in der regel gegen 7:15 ein. Nach der Einführung eines neuen Zwei-Stunden-Systems anfang Februar, gliedert sich der Schultag in jeweils zwei Doppelstunden mit verschiedenlangen Pausen zwischendurch. Es gibt zwei 10 Minuten Pausen, eine 20 Minuten lange "Frühstückspause" und eine 40 minütige "Mittagspause", in welcher man genügend Zeit hat, sich in der schuleigenen Soda (Kantine) ein leckeres Gericht für nicht einmal 1,50 zu genehmigen. Nach der 8. Stunde ist Schulschluss und die Büsse fahren gegen 14:15.

Die insgesamt sehr moderne Schule verfügt außerdem über einen großen Sportplatz, einen kleinen Schreibwahrenladen, eine große Turnhalle, getrennte und sehr gut ausgestattete Musik- und Kunsträume, als auch einer Bibliothek und drei Computerräumen.

Für mich als eine sehr ernste, ehrgeizige und zurückgezogene Person war es schwer, in der Klasse jemanden zu finden, der mein Interesse angesprochen hätte, was nicht zuletzt auch daran lag, dass der Altersunterschied bis zu zwei Jahre betrug. Ich denke aber, dass die ticos sehr aufgeschlossen und hilfsbereits sind. Vorallem anhand der anderen Austauschschüler in meiner Klasse habe ich gesehen, dass es sehr leicht ist, Freunde zu finden, wenn man nur will.

Leben in der Gastfamilie oder im Internat: Was ist ganz anders als zu Hause?

Die Frage sollte eher lauten, was ist geich - denn bis auf die Mahlzeiten, die kleinen typischen familiären Probleme und die anfallende Hausarbeit ist alles anders. Die ticos haben einen ganz anderen Lebensrhytmus als wir Deutschen. Angefangen bei der Bedeutung familiären Zusammenlebens, bis hin zur Einteilung des Tages. Generell verbringen die ticos sehr viel Zeit gemeinsam, sei es auch nur beim Fernsehgucken oder am Esstisch. Sie verbringen sehr viel Zeit zu Hause, verlassen das Haus nicht zo oft wie wir Deutschen und wenn dann nur um zum Pulpería (kleiner Supermarkt) oder zum Fußballspielen zu gehen. Außerdem findet ein Großteil des sozialen Zusammenseins abends statt, zumal die ticos dann meist noch warm essen. Kleine Streitigkeiten werden meist schnell gelöst und die Mutter übernimmt hier meist die Rolle der Hausfrau, ist von morgends bis abends damit beschäftigt, die Berge von Wäsche zu waschen, dass Essen zuzubereiten, das Haus zu putzen und die Kinder zu unterhalten. Der Mann ist meist den ganzen Tag arbeiten und kommt erst am frühen Abend nach Hause. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass das MEINE Erfahrungen in zwei verschiedenen Gastfamilien waren (eine Familie auf dem Land und eine in der hauptstadt) und das keineswegs auf alle costaricanischen Familien zutrifft.

Wie hast du die außerschulische Zeit verbracht?

Das zweite Halbjahr habe ich meistens sehr zurückgezogen in meinem Zimmer verbracht, wobei ich viel gelesen, gelernt und mit meiner Gastmutter gequatscht habe. In der ersten Hälfte bis Dezember war ich viel in San José und habe mit Freunden "fiesta" gemacht, war sehr oft am Strand, bin ins Kino gegangen, zum Sport und natürlich shoppen.