Kommentar

Fragen?

Privatschulen und Internate in den USA

Vorname:
Tjorven
Alter:
17
aus:
Heinsberg
war:
2011 für ein Schuljahr in Manchester, Vermont, USA
Schultyp:
Private Schule
Schule:
Burr and Burton Academy
Kontakt:
tjorvenjansen@t-online.de

Hier der Bericht von Tjorven:

Was ich anderen Schülern empfehlen würde, ist vor allem, sich mit der amerikanischen Lebensweise vertraut zu machen, da ich bei anderen Gastschülern gesehen habe, welche Missverständnisse es sonst geben kann. Speziell zur Schule kann man noch sagen, dass sich Schüler in Ruhe überlegen sollten, welche Fächer sie belegen möchten, da so viele interessante Kurse angeboten werden. Zum Schluss noch ein Rat von meiner Gastmutter für die neuen Schüler hier: Get involved in sports and other activities to get to know people.

Nach langen Vorbereitungen saß ich endlich im Flugzeug auf dem Weg nach Manchester, Vermont. Zehn Stunden später sah ich meine Gastfamilie, die am Flughafen auf mich wartete, zum ersten Mal: meine Gasteltern Pia und Chris, ihre Söhne Michael (6) und David (5) und das Baby Melissa.

Vieles war anders als ich erwartet hatte. Meine Gastfamilie war keine "typisch amerikanische" Familie, da meine Gastmutter aus Ecuador stammte und viel südamerikanisches Temperament besaß. Ich war auch nicht die einzige Gastschülerin in der Familie. Bei uns wohnte auch ein Junge aus Japan, Yuki, der etwas jünger war als ich, und der ecuadorianische Neffe meiner Gastmutter. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich das nun gut finden sollte oder nicht, aber es stellte sich heraus, dass ich es nicht besser hätte antreffen können, da wir Drei sehr gut miteinander auskamen und viel zusammen unternommen haben.

Da unser Haus gleich neben der Schule lag, wurde es schnell zu einem Treffpunkt aller Gastschüler an der Schule und oft saßen mindestens fünf von uns im Wohnzimmer und spielten mit den Kindern. Am ersten Sonntag fragten meine Gasteltern, ob wir mit ihnen in die Kirche gehen wollten oder nicht. Alle entschieden sich mitzugehen und so wurde es "Tradition" jeden Sonntag in die Kirche zu gehen, obwohl ich in Deutschland fast nie in die Kirche gehe. Nach der Messe unternahmen wir meistens etwas mit der ganzen Familie, wir wanderten, picknickten im Park oder spielten zusammen Baseball.

Abends aßen wir immer zusammen zu Abend. Meine Gastmutter kochte oft ecuadorianisches Essen, das wirklich gut schmeckte. Nach dem Essen kümmerten wir Schüler uns um den Abwasch während meine Gasteltern die Kinder ins Bett brachten.

Die Schule begann eine Woche nach meiner Ankunft. Alle Gastschüler trafen sich mit einer Angestellten der Schule, Andrea Thulin, die nur für die Gastschüler zuständig war. Insgesamt waren wir acht Gastschüler, aus Deutschland, Spanien, Japan und Taiwan.

Zuerst wählten wir unsere Kurse und bekamen unsere Stundenpläne, die sich komplett von denen unterschieden, die ich aus Deutschland kannte. Wir hatten nur vier Fächer pro Halbjahr, diese aber jeden Tag für anderthalb Stunden. Die Schule begann gegen acht Uhr und endete um halb drei. Montags trafen sich alle Schüler zuerst in der Sporthalle zur sogenannten "Assembly". Dort wurden Schüler und Lehrer über Ereignisse in der Schule informiert, Sportergebnisse wurden bekannt gegeben, etc..

Nach der Schule konnte man Sport in einer der Schulmannschaften treiben. Ich entschied mich für Field Hockey, was bedeutete, dass ich jeden Tag von drei bis fünf Training hatte. An Tagen, an denen wir ein Spiel hatten, manche waren mehr als eine Stunde mit dem Bus entfernt, kam ich oft nicht vor acht Uhr abends nach Hause. Es machte viel Spaß und ich lernte auch viele Schüler kennen, aber es war auch sehr viel Arbeit, da ich jeden Tag ungefähr zwei Stunden Hausaufgaben machen musste, egal ob wir ein Spiel hatten oder nicht.

An der Schule gab es sehr strenge Regeln in Sachen Hausaufgaben. Wer seine Aufgaben nicht gemacht hatte, musste nach Unterrichtsschluss bleiben und sie in der Schule machen. Daher gab es auch nie Diskussionen zwischen Lehrern und Schülern, da beide sich an diese Regelung halten mussten. Einerseits waren die Lehrer streng und forderten uns, doch andererseits waren sie sehr nett und das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern war viel besser als ich es von meiner deutschen Schule kannte.

Als wir uns gerade an unsere neue Umgebung gewöhnt hatten, wurden alle von den Terroranschlägen des 11. September geschockt. Ich hatte gerade Englisch als alles passierte. Schüler und Lehrer rannten durch die Gänge um Informationen zu bekommen oder um Verwandte in New York anzurufen. Es war erschreckend, vor allem, da niemand wusste was genau passiert war und alle möglichen Gerüchte kursierten. Ich erinnere mich noch daran mit einer Freundin zu reden, als mich plötzlich jemand am Arm packt und brüllt: "Der Turm ist weg, ich kann ihn nicht mehr sehen!"

Der 11. September brachte auch unsere Pläne durcheinander, da alle Gastschüler zusammen mit Andrea Thulin in der folgenden Woche nach New York fahren sollten. Da aber niemand von uns in dieser Zeit in eine amerikanische Großstadt reisen wollte, entschieden wir uns dafür, Ende Oktober für ein paar Tage nach Montreal zu fahren. Auf dieser Fahrt begleitete uns auch der Schulleiter, um uns besser kennen zu lernen.

Kurz vor Weihnachten hatten wir den ersten richtigen Schneesturm und am nächsten Tag hatten wir einen sogenannten "snow day", das heißt wir hatten keine Schule, da es in der Nacht so viel geschneit hatte, dass die Straßen morgens noch nicht frei waren und die Schüler aus der Umgebung nicht zum Unterricht hätten kommen können. So hatten wir einen ganzen Tag zum Skifahren im nächsten Skigebiet, das nur eine Viertelstunde mit dem Auto entfernt war.

Am Wochenende fuhren wir oft mit dem Bus nach Rutland, der nächsten größeren Stadt. Die Fahrt dauerte zwar eine Stunde aber in Rutland gab es ein größeres Kino und eine große Shopping Mall (das war vor allem für unseren Japaner wichtig). Ich weiß nicht wie oft wir fast den letzten Bus zurück nach Manchester verpasst haben, weil wir ihn nicht aus den Läden herauslotsen konnten.

Für die Abende liehen wir uns oft Videos aus, die wir dann mit der ganzen Familie anschauten. Manchmal traf ich mich abends auch mit anderen Gastschülern oder amerikanischen Freunden, die in der Nähe wohnten oder ich ging zu unseren Nachbarn deren Töchter ungefähr so alt waren wie ich und mit denen ich mich sehr gut verstand.

Im Februar fragte mich mein Chemielehrer ob ich beim Ham Radio Contest mitmachen wollte. Das ist ein Amateurfunk Wettbewerb für Schulen, bei dem man innerhalb einer Woche möglichst viele Kontakte mit anderen Schulen herstellen muss. Da mein Chemielehrer sehr freundlich und lustig war verbrachte ich fast die ganze nächste Woche mit dem Lehrer und ein paar anderen Schülern vor dem Funkgerät in der Schulbücherei.

Das nächste größere Ereignis war die Fahrt nach New York mit den Gastschülern und unserer Betreuerin. An einem Abend hielt eine Stretched Limousine neben uns am Time Square und der Fahrer bot uns eine relativ preiswerte Tour durch Manhattan an. Wir waren dann so verrückt ihn zu überreden uns stattdessen zu unserem Hotel in Queens zu fahren. Die Blicke des Hotelpersonals waren wirklich lustig als wir vor dem Hotel aus der Limousine kletterten.

Zurück in der Schule zählten wir die Tage, die uns noch blieben, bevor wir wieder nach Hause mussten. An einem der letzten Schultage gab es einen sogenannten "Field Day", der von der Schülermitverwaltung organisiert worden war. Alle Schüler trafen sich auf dem Sportplatz, wo es verschieden Attraktionen gab. Man konnte zum Beispiel an einer Kletterwand klettern oder Tauziehen und natürlich gab es Essen vom Grill. Aber die beliebteste Attraktion war ein Wasserbecken mit einem Sitz darüber. Dort nahm ein Lehrer platz und die Schüler mussten versuchen mit einem Ball einen Hebel zu treffen, der den Sitz auslöste und den Lehrer ins Wasser fallen ließ. Sogar der Schulleiter opferte sich und versuchte uns mit Rufen zu entmutigen.

Am Ende der Woche schrieben wir unsere letzten Arbeiten und damit war das Schuljahr zu Ende. Meine Eltern kamen mich abholen und blieben ein paar Tage bei meiner Familie. Der Abschied von meiner Gastfamilie viel mir sehr schwer, da ich mich sehr gut mit ihnen Verstanden hatte und sie meine zweite Familie geworden waren. Ich habe noch immer engen Kontakt mit ihnen und fahre sie diesen Sommer zum zweiten Mal besuchen.