Kommentar

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High School Südafrika: Erfahrungsberichte

Vorname:
Johanna
Alter:
17
aus:
Weilerswist
war:
2015 für ein Semester in Kapstadt, Kapstadt, Südafrika
Schultyp:
Staatliche Schule
Kontakt:
jojo.spies@gmx.net

Hier der Bericht von Johanna:

Wenn ich an meine Zeit in Süd Afrika habe ich immer noch ein Kribbeln in meinem Bauch.

In Gedanken liege ich am Bloubergstrand, die warme Frühlingssonne scheint auf mein Gesicht und eine frische, für Kapstadt typische, Brise geht durch meine Haare.

Ich schaue auf das Meer und sehe in meinen linkem Augenwinkel den Tafelberg und die darum liegende Stadt und rechts Robben Island, das langjährige Gefängnis Nelson Mandelas.

Oft und gerne war ich am Strand, da er auch nur 10min von meiner Schule entfernt lag.

Meine Schule war auch in Blouberg. Sie gehörte zu den ärmeren Schulen, daher waren auch viele schwarze und colourds auf ihr. Doch das sind richtig nette Leute. Ich hatte eigentlich fast nur schwarze Freunde, denn die waren viel aufgeschlossener und entspannter.

Jeden Montagmorgen gab es eine Assembly in der Hall, bei der der Principal viel erzählte und nur wenige zuhörten. Dann mussten wir uns in Reih und Glied aufstellen und in die Klassen gehen. Insgesamt hatte man im ersten Moment das Gefühl, dass viel mehr Disziplin herrschte, doch anders hätte man die nicht unter Kontrolle gehabt.

Dann gab es auch noch die Uniformen. Es gab eine für den Winter: weiße lange Bluse, schwarz weis gestreifte Krawatte, schwarzer Pullover, schwarzer Blazer, graue Hose und schwarze Schuhe. Das hört sich jetzt ziemlich unsympathisch an, ist es aber nicht. Eigentlich ist eine Schuluniform was ziemlich praktisches. Du musst dir morgens nicht überlegen was du anziehst was die mindestens 10 min Schlaf bringt ;) Man gewöhnt sich auch ganz schnell daran also schlimm ist das nicht.

Die Schule fing jeden morgen um 8 Uhr an. Also bin ich jeden Morgen um halb 7 aufgestanden habe mich erst selber fertig gemacht und dann habe ich Portia, meiner Gastschwester, geholfen Sihle (7) fertig zu machen. Um halb 8 kam dann Debbie, die Fahrerin des Privattransports.

Dieser Transport fuhr aber nur hin, zurück ging es zu Fuß. Man konnte die Strecke in einer halben Stunde schaffen, wir haben meistens mindestens eine Stunde gebraucht. Die Südafrikaner haben einen sehr langsamen Gehstil und wenn man so in einer Gruppe zusammen geht und dazwischen vielleicht noch einen kleinen Stopp bei KFC für ein Eis einlegt, braucht man etwas länger. ;)

Diese Stunde hat mich aber gar nicht gestört. Wenn ich mir überlege hier in Deutschland eine Stunde von der Schule nach Hause zu gehen würde ich mir echt was anderes überlegen, wie zum Beispiel ein Fahrrad zu benutzen, aber das machen da nur die „uncoolen“. Aber man hatte einfach Zeit! Zeit die man hier nicht hat. Es kommt einem so vor als ob die Uhren anders ticken würden und gewisser Maßen tun sie es auch wenn man mal an die Pünktlichkeit denkt. Da sind wir Deutschen einfach zu verwöhnt mit.

Da ich schon in Südafrika war, wollte ich auch noch etwas Gutes, Soziales machen, also habe ich einmal in der Woche an einem Township-Projekt teilgenommen. Jeden Donnerstag sind wir nach DuNoon, einem Township nicht weit von uns, gefahren und haben dort so eine Art Übermittagsbetreung für die Kinder gemacht. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie die sich gefreut haben, dass sich jemand um sie kümmert. Auch wie dankbar sie waren für jede Kleinigkeit. Sie strahlten mehr als ihre Verhältnisse es zulassen würden. Man selber lernt die kleinen Dinge im Leben zu beachten und Gott zu danken für alles, was er dir gibt und das du ein so gutes Leben hast.

Gott und der Kirche bin ich in meinem halben Jahr auch viel näher gekommen. Hier in Deutschland ist die Kirche ich würde mal sagen ziemlich aus der Mode gekommen. Ich bin auch hier jeden Sonntag in die Kirche gegangen, aber in Südafrika habe ich es viel lieber getan. Die Kirche dort ist ein Ort der Meditation, ein Ort an dem man abschalten kann, an dem man nette Leute trifft und schöne Lieder singt. Alle Jugendlichen sind in mindestens einer Youth, das sind Jugendgruppen von der Kirche, die sich einmal die Woche treffen, reden, spielen, singen und einfach Spaß haben.

Oh nein - jetzt habe ich schon so viel geschrieben und habe fast das Wichtigste vergessen, meine Familie. Ja MEINE Familie. Ich hätte nie gedacht, dass man in einer so kurzen Zeit so in eine Familie rein wachsen kann. Man kennt die guten und schlechten Seiten des anderen und weiß wie man damit umgeht. Mit der Zeit lebt man total selbstverständlich und du fühlst dich richtig zu Hause.

So war es bei mir. Ich hatte die für mich perfekte Familie, die Sibozos. Sie bestand aus meiner Mummy, Nosi, deren Sohn, Sihle (7), ein richtig süßer aber nicht immer ;) und die Nichte von Nosi, Portia, hin und wieder war noch Nosis Freund Sandile da.

Wir haben alle zusammen in einer richtig kleinen Wohnung gelebt. Nosi hat mit Sihle zusammen in einem Zimmer geschlafen und ich mit Portia. Nur damit ihr euch das mal vorstellen könnt, in dem Zimmer von Portia und mir stand ein Schrank, ein Regal und ein Bett, unter dem Bett war noch ein Ausziehbett, doch wenn man das ausgezogen hat kam dieses an den Schrank dran.

Aber wir hatten alles was wir brauchten und die Familie war super, man lernt sich auf Dinge zu beschränken. In Deutschland ist es selbstverständlich sein eigenes Zimmer zu haben, aber das ist es nicht. Meine Familie kam ursprünglich aus Khayelitsha, dem größten Township Kapstadts. Der Rest der Familie lebt auch noch dort, also waren wir an Wochenenden oft dort zu Besuch.

Jetzt noch ein letzter Punkt auf den ich oft angesprochen werde, die Sicherheit. Das ist so eine Sache denn ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen. Man lernt mit der Zeit, wo man lang gehen kann und wo nicht, das wird einem auch gezeigt. Es ist auch ganz klar, dass man als weißes Mädchen nicht allein in die dunkelsten Ecken Kapstadts laufen sollte, man darf nicht zu naiv sein. Aber ganz ehrlich, auch in Köln gibt es dunkle Ecken und dir kann was passieren. Ich bin ziemlich frei da rum gelaufen und bin auch nie in kritische Situationen gekommen.

Es kann halt mal passieren, dass ein Handy geklaut wird oder so, aber meiner Freundin hier in Deutschland wurde letzte Woche auch das Handy geklaut. Also man sollte keine Angst haben und offen und selbstbewusst in das Abenteuer rein gehen ;)

Ich hoffe, ich konnte Euch ein paar Eindrücke von Südafrika geben.

Wenn ihr etwas Spannendes und Neues erleben wollt, gerne andere Kulturen erfahrt und ein Abenteuer sucht, dann müsst ihr auf jeden Fall nach Südafrika. Ich kann nur sagen ihr werdet es nicht bereuen! Was nur ganz wichtig ist offen für alles zu sein und nicht mit zu hohen Erwartungen da rein zu gehen. Dann werdet ihr einen super Auslandsaufenthalt haben.

Schöne Grüße Johanna

P.S. Wenn ihr noch Platz im Koffer habt, ich komme mit! J