Kommentar

Fragen?

Erfahrungsberichte High School Italien

Vorname:
svenja
Alter:
17
aus:
hamburg
war:
2015 für ein Schuljahr in Avellino, Italien
Schultyp:
Staatliche Schule
Kontakt:
uffi2@hotmail.com

Hier der Bericht von svenja:


Was waren für dich die drei größten Unterschiede zwischen Zielland und Deutschland?

1) Angefangen hat eigentlich alles mit dem Essen. Italiener akzeptieren kein „Nein“. Man wird quasi auf sehr nette Art gezwungen zu essen oder zu trinken. So etwas war ich nicht gewohnt, denn wenn bei mir zu Hause jemand „nein“ gesagt hat, dann wurde es akzeptiert. Auch wenn es dir vielleicht schwer fallen sollte, ihre Verhaltensweisen manchmal einfach zu akzeptieren, die Italiener sind einfach nur sehr gastfreundlich. Also nicht wundern, wenn man plötzlich einfach so einen Teller Pasta vor sich hat.

2) Wundert euch nicht, wenn euch das Familienleben in Italien und ganz besonders im Süden etwas seltsam vorkommen mag. Das wird mit Sicherheit nur am Anfang so sein, denn die Mentalität ist halt etwas anders. Das traditionelle Familienleben wird hier sehr groß geschrieben und es ist auch nicht Gang und Gäbe, dass sich die Eltern trennen. Manchmal merkt man richtig, dass die Männer des Südens sich sehr gut als Machos aufführen können:-) Es ist manchmal etwas merkwürdig zu sehen, wie anders die Italiener in Bezug auf die Position Männer/Frauen denken, aber auch daran kann man sich gewöhnen. Denn ohne Hausfrauen gäbe es hier kein „dolce Vita“.

Woran denkst du als erstes, wenn du an deinen Auslandsaufenthalt denkst?

Mein erster Gedanke wäre oder bzw. ist der große Unterschied dieser zwei Lebenskulturen. Ich konnte es mir selbst nicht vorstellen, aber es sind ganz klar zwei vollkommen verschiedene Welten. Es reicht von den persönlichen Ansichten und dem Denken der Menschen über die Lebenskultur bis hin zum Familienleben. Ich habe in diesem Jahr in Italien eine Menge gelernt und mir ist bewusst geworden, dass GLS mit ihrem Spruch: „Nichts ist besser und nichts ist schlechter, es ist nur anders“, durchaus Recht hatte. Und am liebsten erinnere ich mich wirklich daran, wie verdattert ich wohl manchmal ausgesehen haben muss, wenn ich einfach an Dinge, die hier normal sind, nicht gewöhnt war.

Was hat dir besonders gut gefallen?

Besonders gut hat mir gefallen wie Italiener sich streiten und mit was für einer Leichtigkeit sie ihren Tag verleben. Es ist unglaublich, wie viel sie lachen und scherzen und wie liebenswürdig sie sind. Es ist einfach wunderschön morgens in die Klasse zu kommen und schon vor dem Eintreten unzählige laute Stimmen zu hören, die alle durcheinander brabbeln. Es zaubert jedem ein Grinsen aufs Gesicht, wenn man sieht wie sie mit den Händen fuchteln und sich Schimpfwörter an den Kopf werfen, dabei aber lachen:-)

Außerdem kommt in jedem zweiten Satz vor: “Sorg dich nicht, mach dir keine Sorgen“. Sie sind die Ruhe selbst, auch wenn das ab und zu nicht so aussieht. Ich hoffe, ich habe mir davon etwas abgeschaut, denn diese Entspanntheit ist einfach göttlich.

Wie sieht ein typischer Schultag aus? War es leicht, Klassenkamerad/innen kennen zu lernen?

Die italienische Schule hat mir zwei Seiten gezeigt, die allerdings völlig im Gegensatz zueinander stehen. Auf der einen Seite habe ich oft an den 60-minütigen Stunden zu knabbern gehabt, denn ohne Pause fällt es wirklich schwer, sich durchgehend zu konzentrieren. Die Lehrer sind Autoritätspersonen, haben aber auch gleichzeitig ein freundschaftliches Verhältnis zu ihren Schülern. Im Allgemeinen fängt die Schule um 8:15 Uhr an, doch die meisten Lehrer trudeln erst so gegen halb neun ein und trinken meist noch einen Café vor der Klassentür. Außerdem ist es Gang und Gäbe, dass man mitten im Unterricht mal ins alltägliche Schwatzen übergeht und sich die Lehrer danach über sich selbst aufregen, da sie ja soviel Zeit verloren haben :-) Im Allgemein ist ein Schultag hier nicht sehr anstrengend, allerdings bekommen die Schüler für nachmittags umso mehr Hausaufgaben auf.

Leben in der Gastfamilie oder im Internat: Was ist ganz anders als zu Hause?

Die großen Unterschiede sind für mich, zu sehen, wie die Familienmitglieder untereinander miteinander umgehen. Ich habe hier gemerkt, dass Liebe nicht sehr öffentich gezeigt wird, sondern eher unterschwellig zum Vorschein kommt. Das heißt, dass man weniger liebe Worte hört, sondern eher miteinander scherzt oder sich streitet, doch wenn Italiener sich streiten, ist nach 5 Minuten wieder alles ok und man braucht sich keine Sorgen mehr zu machen. Ganz anders war für mich der Beschützerinstinkt der italienischen Eltern. Die Kinder werden rund um die Uhr bewacht und meistens genau kontrolliert (keine Sorge, falls du vorhattest nach Italien zu gehen, mit den Gastkindern sind sie ganz anders). Ihre Kinder machen meistens bis spät abends Hausaufgaben und werden zu jeder Materie abgefragt. Ausgehen dürfen sie eigentlich nur am Samstag, denn Schule wird hier ganz groß geschrieben.

Wie hast du die außerschulische Zeit verbracht?

In meiner Freizeit, habe ich sehr viel Wert darauf gelegt, mir möglichst viele Teile von Italien anschauen zu können. Mit Freunden, der Organisation, der Schule oder meiner Familie habe ich Florenz (3 Tage), Rom (3 Wochenenden, wundervolle Stadt, kann ich nur empfehlen), Bologna (2 Wochen über Weihnachten und Ostern), Bari/Fasano (größter freier Tierpark Italiens) und Venedig (1 Tag) sehen können.

Ansonsten habe ich mit meinen Freunden aus der Schule hier in meiner Gegend eine Pizza gegessen, Karaoke gesungen, Filme im Kino geschaut oder am Wochenende das Meer genossen – „dolce vita“ eben. Wir Austauschschüler hatten eine Menge Freizeit und ihr könnt sicher sein, dass man sie sehr schön nutzen kann.